Aktualisiert 08.03.2013 15:53

AktionärsdemokratieUBS lanciert Charme-Offensive

Auf das Minder-Erdbeben folgt nun die PR-Offensive. Als erstes Unternehmen der Schweiz führt die Grossbank UBS ein Internet-Portal für ihre Eigentümer ein.

von
Lukas Hässig

Die UBS-Führung will sich mit dem neuen Internet-Portal als moderner, transparenter und aktionärs-demokratischer Finanzmulti positionieren. Klingt gut, weit wichtiger aber wären höhere Aktienkurse.

«Wir freuen uns, als erste Gesellschaft in der Schweiz ein Aktionärsportal einzuführen», schreibt die UBS in diesen Tagen ihren Eigentümern im In- und Ausland. Das Portal soll auf der Internet-Plattform der Bank aufgeschaltet werden und «bereits im Vorfeld der diesjährigen Generalversammlung ab Ende März 2013 zur Verfügung stehen».

Schritt Richtung Online-GV

Was nach Revolution klingt, ist ein erster Schritt Richtung Online-Generalversammlung. Die Aktionäre der UBS können mit Hilfe des neuen elektronischen Portals ihre Meinung zu den einzelnen Traktanden bis kurz vor der Abstimmung ändern. Sie tun dies, indem sie via Portal dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter Anweisungen erteilen. Schliesslich liefert das neue Tool dem Aktionär jederzeit einen Überblick über die Anzahl seiner UBS-Aktien und zeigt ihm, wie viele Stimmrechte damit verknüpft sind.

Die Bank bestätigt das Schreiben an die Investoren: «Das Aktionärsportal sehen wir als Beitrag zu einer modernen Corporate Governance», sagt UBS-Sprecher Dominique Gerster auf Anfrage von 20 Minuten Online. «Die Aktionäre können dadurch im Vorfeld der GV nicht nur per Briefpost, sondern auch elektronisch über das Online-Portal abstimmen oder Eintrittskarten für die GV bestellen.»

Ganz ohne Papier kommt die UBS auch in Zukunft nicht aus. Vor jeder Generalversammlung muss ihr Aktionär eine «schriftliche Vollmacht zuhanden des Stimmrechtsvertreters» per Post abschicken. Das schreibt das Schweizer Gesetz vor.

Alter Zopf

Wie der Tages-Anzeiger Anfang Woche berichtete, hat der Verwaltungsrat der UBS zudem beschlossen, ab sofort auf Depot- und Organstimmrechtsvertreter zu verzichten. Die beiden Formen wurden von Aktionärs-«Robin Hood» Minder kritisiert. Die Verwaltungsräte könnten ihre Macht zementieren, indem sie Stimmen ohne klaren Auftrag für ihre eigenen Anliegen verwenden würden.

Das Depotstimmrecht spielte bei der UBS allerdings bereits keine grosse Rolle mehr. Es handelt sich um UBS-Aktien, die bei der Bank in Wertschriften-Depots von Kunden liegen. Für sie mussten die Kunden aktiv eine Generalvollmacht unterzeichnen. Damit sollte eigentlich klar sein, dass die Aktionäre die UBS in voller Absicht damit beauftragten, im Sinne des Verwaltungsrats zu stimmen. An der letztjährigen Generalversammlung gab es nur knapp 100 Millionen Depotstimmrechte.

Bedeutender war die Organstimmvertretung. Über 640 Millionen Stimmen wurden 2012 auf diese Weise wahrgenommen. Dabei beauftragten die Aktionäre die Bank, wie sie bei den jeweiligen Punkten abstimmen solle. Fast 850 Millionen Stimmrechte fielen auf den unabhängigen Vertreter.

Die Depot- und Organstimmrechte waren ein alter Zopf. Mit dem jetzigen Verzicht darauf schaffte es die UBS auf die Frontseite. Viele andere Schweizer Grossfirmen, darunter die UBS-Konkurrentin Credit Suisse hat seit jeher keine Depotstimmen ausgeübt.

Das Buhlen um Aufmerksamkeit

Wichtiger für die Aktionäre wären höhere Kurse. Da stagniert die Bank unter ihrem CEO Sergio Ermotti. Der Schwung mit dem weitgehenden Ausstieg aus dem Investmentbanking vom letzten Herbst ist längst verpufft. Der Titel dümpelt seit November um die Marke von 15 Franken herum.

Aktionärsportal und Verzicht auf UBS-Stimmenvertretung lassen die UBS als moderne, «Minder»-konforme Unternehmung erscheinen. Um eine Revolution handelt es sich aber nicht. Viel eher geht es um eine zeitlich geschickt lancierte Imagegeschichte.

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