Shitstorm: UBS löscht Werbevideo mit Yoga-Bankerin Natalie
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ShitstormUBS löscht Werbevideo mit Yoga-Bankerin Natalie

Die UBS wirbt mit dem Tagesablauf einer Investmentbankerin um neue Mitarbeitende. Auf Social Media stösst das Video auf viel Kritik – der Job werde völlig falsch dargestellt.

von
Barbara Scherer
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Die fiktive Investmentbankerin Natalie soll Stellensuchenden die Arbeit bei der UBS schmackhaft machen.

Die fiktive Investmentbankerin Natalie soll Stellensuchenden die Arbeit bei der UBS schmackhaft machen.

UBS Video Screenshot
In einem Werbevideo zeigt sie ihren Tagesablauf bei der Grossbank.

In einem Werbevideo zeigt sie ihren Tagesablauf bei der Grossbank.

UBS Video Screenshot
Nach kurzer Arbeit am Morgen mit freundlichen Mitarbeitern macht sie Yoga über den Mittag.

Nach kurzer Arbeit am Morgen mit freundlichen Mitarbeitern macht sie Yoga über den Mittag.

UBS Video Screenshot

Darum gehts

  • Ein Werbevideo der UBS sorgt auf den sozialen Medien für einen Shitstorm.

  • Die Kritik: Der Tagesablauf im Investment Banking werde falsch dargestellt.

  • Experten verstehen die Kritik, die Darstellung sei nicht authentisch.

  • Die UBS hat das Video wieder entfernt.

Meetings mit freundlichen Mitarbeitern, eine Yoga-Session über Mittag und ein entspannter Schwatz mit dem Chef am Nachmittag: So sieht der Tagesablauf der Investmentbankerin Natalie aus. Mit ihrer Geschichte wirbt die UBS in einem Video um neue Mitarbeitende.

Doch auf den sozialen Medien kommt das Werbevideo alles andere als gut an: «Das ist das genaue Gegenteil des Tagesablaufs einer Investmentbankerin», schreibt etwa die Meme-Seite Litquidity auf Twitter. Ein Nutzer kommentiert: «Ich habe noch nie jemanden so glücklich zur Arbeit kommen sehen, geschweige denn mit einer Yoga-Matte.»

Auch auf Instagram sorgte das Video für viele negative Reaktionen: «Dieses Video liegt zwischen kompletter Falschdarstellung und Verrücktheit», schreibt etwa ein Nutzer. Eine andere Nutzerin bezeichnet das Video als gaslighting – eine Form von Psychoterror.

Screenshot Instagram

Die englische Zeitung «City A.M» bezeichnet das Video sogar als peinlich. Mit oberflächlichen Sätzen wie: «Es gab heute eine interessante Bewegung. Stier oder Bär ist die Frage», klingt die Investmentbankerin, als ob sie sich durch eine mündliche Französischprüfung kämpft, schreibt die Zeitung.

Die UBS scheint auf den Shitstorm im Netz reagiert zu haben und hat das Video entfernt. Denn laut der Meme-Seite Litquidity stammt das Werbevideo vom Instagram-Account UBS Careers. Dort ist es aber nicht mehr aufzufinden. Die Bank will sich auf Anfrage von 20 Minuten nicht zum Video äussern.

Das Video ist nicht authentisch

Die Kritik am Werbevideo sei nachvollziehbar, sagt Marketingexpertin Adrienne Suvada von der ZHAW. Denn das Video wirke nicht authentisch. «Die Protagonisten versprühen zu viel Heiterkeit und das Umfeld ist klinisch – so sieht der Job als Investmentbanker wohl eher nicht aus.»

Das Video wolle nur die schönen Seiten des Jobs zeigen. «Diesen Fehler machen viele Firmen», erklärt Suvada. Denn oft hätten die Unternehmen Angst davor, die Realität zu zeigen und dabei mögliche Kritikpunkte offenzulegen.

Interessierte Stellensuchende wissen aber, dass ein Job nicht nur gute Seiten hat. «Das Werbevideo der UBS wird darum wohl kaum Erfolg bei Jobsuchenden haben», so Suvada. Sie empfehle bei Karriere-Videos mit echten Angestellten zu arbeiten. Diese können von ihren Erfahrungen erzählen – das wirke authentischer.

Kein Einblick in echte UBS-Büros

Auch die Intention des Videos bleibt unklar, sagt Personalexperte Matthias Mölleney von PeopleXpert: «Es stellt sich die Frage: Ist es ein Imagefilm für die UBS als Arbeitsgeber oder ein Werbefilm für den Einstieg als Investmentbanker?»

Was die Bedingungen sind, um bei der UBS als Investmentbanker zu arbeiten, wird nämlich nicht angesprochen. «Ich vermute, dass bei diesem Video Profi-Schauspieler eingesetzt wurden, und so wird nicht klar, wie es in den UBS-Büros wirklich aussieht», so Mölleney.

Sparprogramm bei der UBS

Die UBS betreibt in der Schweiz knapp 240 Filialen. In wenigen Monaten sollen 44 davon quer über die Schweiz ihre Pforten schliessen. Rund 150 Mitarbeiter sind davon betroffen. Während der Corona-Krise sind allerdings keine Entlassungen geplant, die Angestellten sollen in anderen Geschäftsstellen und Bereichen weiterbeschäftigt werden. Mit weniger Filialen will die UBS Kosten sparen. Diese sollen in Zukunft in die Digitalisierung reinvestiert werden. Auch die Pandemie spielt eine Rolle. Nach Aussagen von UBS-Schweiz-Chef Axel Lehmann kommunizieren bereits zwei Drittel der Kunden digital mit der Bank.

Deine Meinung

121 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Anna Madura

10.02.2021, 12:59

Fand es auch komisch dass ich nur noch von jungen huebschen Frauen bedient wurde. Scheint ein Kriterium bei der Jobvergabe zu sein.

IB guy

10.02.2021, 12:42

Ich war selber jahrelang in der UBS Investmentbank in Opfikon und kann sagen, dass die UBS so ziemlich miserabel mit den Mitarbeitern umgeht. Habe die Reissleine gezogen, weil die Unternehmenskultur nicht meinen Werten entspricht. Das Marketingvideo ist schlicht eine grosse Lüge.

Bernie der echte

09.02.2021, 12:23

Ich finde das jetz nicht schlimm... Werbung halt! Punkt!