Aktualisiert 05.05.2015 17:07

QuartalsgewinnUBS profitiert vom Negativzins

2 Milliarden verdiente die UBS im ersten Quartal – und das trotz Negativzinsen im Heimmarkt. Für die Banken ist die SNB-Notmassnahme weniger schlimm als befürchtet.

von
S. Spaeth
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UBS-CEO Sergio Ermotti darf sich über ein starkes Resultat im ersten Quartal 2015 freuen.

UBS-CEO Sergio Ermotti darf sich über ein starkes Resultat im ersten Quartal 2015 freuen.

Keystone/Steffen Schmidt
Noch im Januar hatten viele Banken gewarnt, das Mindestkurs-Aus und die Negativzinsen würde die Profitabilität einschränken. Im Bild: Die UBS-Topmanager Hubertus Kuelps, Sergio Ermotti und Tom Naratil.

Noch im Januar hatten viele Banken gewarnt, das Mindestkurs-Aus und die Negativzinsen würde die Profitabilität einschränken. Im Bild: Die UBS-Topmanager Hubertus Kuelps, Sergio Ermotti und Tom Naratil.

Keystone/Ennio Leanza
Gleichzeitig mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat Nationalbankpräsident Thomas Jordan den Negativzins für bei der Nationalbank gebunkertes Geld auf 0,75 Prozent erhöht.

Gleichzeitig mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses hat Nationalbankpräsident Thomas Jordan den Negativzins für bei der Nationalbank gebunkertes Geld auf 0,75 Prozent erhöht.

Keystone/Walter Bieri

Wie hatten die Banken geklagt, als die Nationalbank (SNB) Mitte Januar den 1.20-Mindestkurs zum Euro aufgehoben hatte. «Die Stärke des Schweizer Franken gegenüber anderen Währungen werde die Profitabilität der UBS einschränken», schrieb das Finanzinstitut im Februar. Der Hintergrund: Die in Fremdwährungen angefallenen Gewinne sind in Franken weniger wert. Beklagt hatten viele Banken auch die gleichzeitig mit dem Mindestkurs-Aus auf 0,75 Prozent erhöhten Strafzinsen auf bei der Nationalbank gebunkertes Geld. Durch die Minuszinsen würden die Margen im Hypothekargeschäft sinken, befürchteten die Banken.

In den am Dienstagmorgen publizierten Quartalszahlen der UBS ist von derartigen Schwierigkeiten wenig zu spüren. Die Grossbank schrieb einen Gewinn von knapp 2 Milliarden Franken – 88 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Sowohl das Vermögensverwaltungsgeschäft als auch die Investmentbank haben ein deutlich besseres Resultat erzielt als erwartet, der Bereich Retail & Corporate, wo auch das Hypothekargeschäft anzusiedeln ist, vermeldete mit 443 Millionen Franken Gewinn das beste Erstquartalsergebnis seit fünf Jahren. Und das «trotz Einführung von Negativzinsen im Heimmarkt Schweiz», wie die Bank schreibt.

Banken reichen Kosten weiter

«Als Folge des Negativzinses haben die Schweizer Banken unisono die Margen im Hypothekargeschäft erhöht», erklärt Stefan Heitmann, CEO des Hypothekarspezialisten Moneypark. Bei der UBS sei das einfach ausgeprägter als bei der Konkurrenz. Der Zinserfolg der UBS hat sich gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahrs um vier Prozent auf 1,6 Milliarden Franken verbessert. Hintergrund des guten Geschäftsgangs im Bereich Retail & Corporate sind laut UBS unter anderem «preisliche Massnahmen bei Krediten und Einlagen, um den Folgen des aktuellen Zinsumfelds entgegenzuwirken».

Heitmann sieht die Banken als Profiteure des Negativentscheides, die Hypothekarkunden hingegen seien die Verlierer: «Sie zahlen die Zeche für einen Entscheid, der regulatorisch das Einlagegeschäft betrifft.» Die Banken würden die Kosten einfach dorthin weiterreichen, wo es am einfachsten gehe. Wegen des historischen Tiefzinsniveaus bleiben die Hypotheken trotz erhöhter Margen der Banken vergleichsweise günstig.

Libor-Hypotheken sinken nicht unter null

Die Banken reichen Grosskunden einerseits die Negativzinsen weiter, andererseits werden den Hypothekarkunden selbst bei Libor-Hypotheken – sie orientieren sich nach den negativen Geldmarktzinsen – positive Raten verrechnet. Im letzten Monat lag der 3-Monats-Libor bei 0,98 Prozent. Die Banken haben in den Vertragsbedingungen eine Untergrenze von null Prozent für Libor-Hypotheken verfügt.

Klar ist für Heitmann, dass für die Banken mit der Einführung der Negativzinsen die Absicherungsgeschäfte für die Hypotheken anspruchsvoller geworden sind, dies aber insbesondere auf der methodischen Seite. Die Kosten seien nicht im gleichen Umfang gestiegen wie die Preiserhöhungen, entkräftet der Experte das Argument der Banken, wonach das Zinsänderungsrisiko gestiegen sei. «Die Banken sind immer kreativ, wenn es darum geht, Preiserhöhungen durchzusetzen.» Er empfiehlt den Hypothekarkunden, unbedingt die Angebote zu vergleichen – und das sowohl bei Verlängerungen als auch bei Neuabschlüssen.

Gewinnsprung schiebt UBS-Aktien kräftig an

Ein besser als erwartetes Quartalsergebnis hat die Anleger nach den Aktien von UBS greifen und die Titel auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2008 steigen lassen. Die Aktien der grössten Schweizer Bank kletterten am Dienstagmorgen in einem festeren Markt um 4,3 Prozent auf 19,87 Franken. Dank der brummenden Finanzmärkte hat die Bank das beste Quartalsergebnis seit fast fünf Jahren erzielt. Der Reingewinn erhöhte sich um 88 Prozent auf 1,98 Mia. Franken und liess die Analystenschätzungen von 1,12 Mia. Franken weit hinter sich. Etwas mehr verdiente die Bank zuletzt im zweiten Quartal 2010. «Was für ein Jahresauftakt. UBS hat die Erwartungen praktisch auf allen Ebenen übertroffen», sagte ein Händler.

Auch die CS profitiert von Negativzinsen

Trotz Strafzinsen der Nationalbank ist auch der Zinserfolg bei der Credit Suisse gestiegen – und zwar um 2 Prozent auf 981 Millionen Franken. Dank der Massnahmen zur Entschärfung der veränderten Währungs- und Zinssituation sowie der Initiative zur Steigerung der Kreditvergabe habe sich der Zinserfolg ungeachtet des Niedrigzinsumfelds erhöht, schrieb die Credit Suisse letzte Woche bei der Präsentation ihres Quartalsergebnisses. (sas)

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