UBS-Ratgeber legt Ospel Rücktritt nahe
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UBS-Ratgeber legt Ospel Rücktritt nahe

Marcel Ospels Tage als UBS-Präsident scheinen gezählt. Die Wirtschaftswelt fragt sich nicht mehr, ob er geht, sondern wann. Befolgt Ospel den Rat seiner eigenen Leute, tritt er zurück, sobald die dringend benötigte Kapitalerhöhung unter Dach ist.

«Ein Krisenmanager wirkt meistens bei erforderlichen Neu- und Umbesetzungen noch mit, tritt aber nach Überwindung der akuten Krise zurück.» So steht es in einer UBS-Broschüre zum Thema Unternehmenskrisen, die 2005 verfasst wurde - also noch rechtzeitig bevor die UBS in die grösste Krise ihrer Geschichte schlitterte.

«In der Regel wird der Präsident des Verwaltungsrats die Verantwortung für das Krisenmanagement übernehmen», heisst es im Leitfaden. Dass sich Ospel selber als Krisenmanager, als Teil der Lösung des Problems sieht, ist bekannt. Folglich müsste er sein Amt niederlegen, sobald die Bank wieder auf einem soliden finanziellen Fundament steht.

Kommunikation ist Chefsache

Ospel selbst äusserte sich noch nie öffentlich zu seinen Absichten. Auch sonst blieb er in letzter Zeit auffallend ruhig. Selbst die Ankündigung eines Verlusts in Höhe von 4,4 Mrd. Fr. für das vergangene Jahr kommentierte er nicht.

Dabei raten seine eigenen Leute, in einer solchen Situation in die Offensive zu gehen. Krisenkommunikation sei Chefsache: «Es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Verwaltungsratspräsidenten, den Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit eine schwierige Lage offen und ehrlich zu kommunizieren.»

Der Präsident müsste sich also der Öffentlichkeit stellen: «Sein überzeugendes Auftreten kann sehr viel dazu beitragen, eine Krisensituation bestmöglich zu überstehen.»

Ignoriert oder unterschätzt?

Doch wie konnte es überhaupt zu einer derartigen Krise kommen? Auch dies kann Ospel in seiner hauseigenen Publikation nachlesen: «Existenzbedrohende Situationen entstehen vielfach langsam und auf Grund verschiedener, oft miteinander vernetzter und zu lange vernachlässigter Probleme.»

Fehlentwicklungen würden vielfach ignoriert, deren Folgen für das Unternehmen unterschätzt. Wie ist das möglich? Die UBS-Berater hegen eine Vermutung: «Besonders eine lang anhaltende Erfolgsperiode birgt die Gefahr in sich, dass sie das Management 'erfolgsarrogant' macht und den Blick für ein sich veränderndes Umfeld ebenso wie für interne Schwächen trübt.»

Immerhin braucht sich Ospel nicht um seine eigene Zukunft zu sorgen. «Verdiente Mitarbeiter sind auf der Suche nach einer neuen Tätigkeit zu unterstützen und die Abgangsregelungen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens angemessen auszugestalten.» Letztere Empfehlung wird bestimmt befolgt. (sda)

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