UBS-Generalversammlung: UBS-Spitze fürchtet Ohrfeige
Aktualisiert

UBS-GeneralversammlungUBS-Spitze fürchtet Ohrfeige

Die heftigen Kontroversen um Manager-Fehler und Millionen-Boni wird die UBS-Führung an der Generalversammlung am kommenden Mittwoch zu spüren bekommen.

von
Marc Forster
sda

An der Generalversammlung in Basel stimmen die Aktionäre unter anderem über die Entlastung des Managements und den Vergütungsbericht ab. Nicht nur über das Geschäftsjahr 2009 wird abgestimmt - auch für 2007 und 2008 steht die Décharge noch aus. Dadurch könnte es auch für Marcel Ospel und andere gestrauchelte Manager ungemütlich werden: Verschiedene Aktionärsgruppen rufen bei diesem Traktandum nämlich laut zu einem Nein auf.

Setzen sie sich durch, sind Ex-UBS-Granden wie Ospel, Peter Kurer, Marcel Rohner oder Peter Wuffli vor rechtlicher Belangung wegen ihrer Tätigkeit als Verwaltungsratspräsidenten und Konzernchefs nicht geschützt. Wird aber Entlastung erteilt, könnten Klagen, zum Beispiel wegen der Finanzkrise oder der US-Steueraffäre, praktisch nur noch gegen die UBS gerichtet werden.

Es könnte eng werden

Dies ist vielen Aktionären ein Dorn im Auge: Die Anlagestiftung Ethos, der eine Reihe von Pensionskassen angehören und deren Direktor Dominique Biedermann zu den prominentesten Manager- Kritikern gehört, verlangt die Ablehnung der Décharge.

Auch die Anlagegesellschaft der Kantonalbanken Swisscanto lehnt die Entlastung zumindest für das Jahr 2007 ab. Die US- Beratungsfirmen Glass Lewis und ISS-Riskmetrics sind ebenfalls dagegen.

UBS kann mit eigenen Aktien nicht abstimmen

Weil diese Firmen mit vielen Pensionskassen verbunden sind, die traditionell grössere Aktienpakete halten, ist der Ausgang der Abstimmung aus heutiger Sicht ungewiss. Allein ISS-Riskmetrics könnte laut Medienberichten 25 Prozent der Aktionärsstimmen beeinflussen.

Dazu kommt, dass die UBS mit ihren eigenen Aktien über die Décharge nicht abstimmen darf. Zudem zählen auch die Stimmen der abwesenden Aktionäre nicht, die dem Vertreter der UBS übertragen wurden. Es ist also denkbar, dass unzufriedene Aktionäre an der Generalversammlung eine geballte Stimmkraft haben werden.

Umfrage: Nur 10 Prozent wollen Décharge erteilten

Zwei Drittel der Schweizerinnen und Schweizer sind gegen eine Entlastung der UBS-Spitze, wie eine Umfrage des Schweizer Fernsehens zeigt.

Ein beträchtlicher Teil der Befragen findet den Rücktritt von UBS- Präsident Kaspar Villiger angemessen, sollte die Décharge an der bevorstehenden UBS-Generalversammlung verweigert werden.

Nur 10 Prozent sind dafür, dass Marcel Ospel und andere UBS-Topmanager der Jahre 2007 bis 2009 aus ihrer Verantwortung entlassen werden sollen, wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage des TV- Wirtschaftsmagazins «Eco» unter 1000 Personen deutlich macht. 22 Prozent zeigten sich unentschieden.

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