Aktualisiert 15.08.2013 14:14

Von Händlern für HändlerUBS trumpft in Zürich mit Trading-Show auf

Trader's Night heisst eine neue Veranstaltung der UBS. Die Idee aus Deutschland zeigt Börsen-Gambling auf spielerische Art. Es gehe um Aufklärung und nicht um Animation zum Handel, sagt die UBS.

von
L. Hässig
Passanten blicken vor dem UBS-Sitz in der Zürcher Bahnhofstrasse auf die Aktienkurse.

Passanten blicken vor dem UBS-Sitz in der Zürcher Bahnhofstrasse auf die Aktienkurse.

200 Gäste sitzen im grossen Saal im Hotel Park Hyatt in der Zürcher Innenstadt. Es ist ein schöner Frühsommerabend Ende Juni. Auf der Bühne schwingt «Bilanz»-Journalist Harry Büsser im eng geschnittenen Anzug das Mikrofon. Büsser mit Buffett-Hornbrille und orangefarbener Krawatte kommentiert, wie zwei Trader-Teams gegeneinander antreten. Wer macht mehr Gewinn – oder weniger Verlust – mit Kaufen, Verkaufen, einem Call, Put, einem Stop-loss, mit Dollars, Amazon-Aktien, Turbo-Derivat – so läuft das Spiel.

Die Idee stammt aus Deutschland, von wo sie UBS-Investmentbanker Patrick Stettler nach Zürich importiert hat. Stettler steht ebenfalls auf der Bühne, er ist für das Hintergrundwissen verantwortlich. «Welches ist das geeignete UBS-Anlageprodukt, um eine gewisse Trading-Strategie von einem der beiden Teams in die Tat umzusetzen?», lautet die Frage an den Banker.

Statt die Anwesenden im Saal und die rund 400 online dazugeschalteten Zuschauer mit UBS-Werbesprüchen einzudecken, erklärt Investmentbanker Stettler, wie ein bestimmtes Vehikel funktioniert und was damit erreicht werden kann. Das ist genau das, was die Zuschauer, darunter wohl viele Daytrader, am meisten interessiert.

Psychologe als Feigenblatt

Die UBS Trader's Night kommt an. Bei der Bank heisst es, dass nach dem Start im letzten Jahr dieses Jahr erneut zwei Veranstaltungen durchgeführt würden. Mit von der Partie sind jeweils Partner aus Online-Banking und Finanzmedien.

Die UBS als Hauptakteurin ist spürbar bemüht, möglichen Kritiken den Wind im Voraus aus den Segeln zu nehmen. Wohl deshalb gehört auch ein Börsen-Psychologe zum Ensemble, der das Verhalten typischer Händler analysiert. Der Psychologe sagt dann Dinge wie «Wenn sich ein Händler auf der Gewinnspur befindet, ist viel Disziplin gefragt» oder «immer nur das riskieren, was ich selbst aushalten kann».

Gemäss einer Studie aus den USA versuchen viele für den Ausstieg den Höhepunkt zu erwischen, erklärt Moderator Büsser. Ein schrilles Signal schneidet Büsser das Wort ab. Es ist das Zeichen für den Entscheid eines Teams, einen Trade zu wagen. Beim Euro/Dollar liege jetzt eine «perfekte Schulter-Kopf-Schulter-Formation» vor, meint Spieler Manuel. Für diese Situation empfiehlt Investmentbanker Stettler einen Warrant. Als Alternative wird ein Investment namens Mini-Future ins Spiel gebracht.

Clever verpackte PR

Da beginnt es dem Beobachter zu dämmern. Eine Trading-Idee zu haben ist das eine – eine erfolgversprechende Umsetzung mit einem bestimmten Produkt das andere. Es ist wie beim Autokauf: Da gibt es auch Dutzende von Varianten, mit unterschiedlicher Motorenstärke, viel Schnickschnack im Innern bis hin zum Schiebedach. Mit der gleichen Qual der Wahl schlagen sich erfahrene Börsen-Spekulanten herum. Soll es ein Warrant sein oder doch lieber ein «Knock-out»-Produkt? Wo viele nur Bahnhof verstehen, schlagen Trader-Herzen höher.

Die Börsen boomen. Darum ist die UBS Trader's Night gute Werbung für die Grossbank und die übrigen Partner, um sich bei einer aktiven Börsen-Klientel ins günstige Licht zu rücken. Die Bank behauptet, es gehe ihr um Aufklärung und nicht darum, Spekulanten zum Traden zu animieren.

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