Aktualisiert 30.06.2009 12:59

KniefallUBS versetzt US-Konten in «Schlafmodus»

Die UBS beschleunigt ihren Ausstieg aus dem amerikanischen Offshore-Geschäft. Am Mittwoch sperrt sie sämtliche noch nicht saldierten Konti von US-Kunden.

Betroffen sind die Konten, welche die Grossbank im Zuge des Steuerstreits mit Washington in eigene, US-registrierte Einheiten transferieren oder gänzlich loswerden möchte.

Die Bank erfüllt damit schneller als versprochen eine der Verpflichtungen, die sie bei der Einigung mit den US-Strafbehörden, dem sogenannten Deferred Prosecution Agreement von Mitte Februar, akzeptiert hatte.

Erst per August ist ein interner Bericht über den Stand des Exits erforderlich, welcher ein externer Revisor bis Oktober zuhanden der US-Behörden testieren muss.

Ein UBS -Manager bestätigt gegenüber der Finanznachrichtenagentur AWP das Vorgehen der Bank, das an die Behandlung nachrichtenloser jüdischer Vermögen in den 90er Jahren erinnert. Damals wurde der Begriff der «dormant accounts» einer breiten Öffentlichkeit geläufig.

US-Kunden schon seit letzten Sommer informiert

Im Unterschied dazu kennt die Bank diesmal die von der Massnahme betroffenen Namen, entsprechend erübrigt sich der Nachweis, wem die eingefrorenen Vermögen gehören, und der Status der Konti muss nicht verändert werden. Es genügt, dass sie in von der ordentlichen Kundenabteilung zu einer auf «dormant accounts» spezialisierten Einheit wechseln.

Der Schlafmodus für Tausende von US-Konti ist die letzte Stufe in einer Reihe von Massnahmen, welche die Bank gemäss ihrem Exit-Programm vorsieht.

Ihren US-Kunden hatte sie seit letztem Sommer mitgeteilt, dass deren Depotwerte nach Ablauf einer Frist von 45 Tagen verkauft und das gesamte Guthaben per US-Dollar-Check überwiesen werde. Ohne Kenntnis einer Zustelladresse werde der Check bis auf Weiteres von der UBS verwahrt.

Stellungnahme der US-Regierung erwartet

Offiziell will die Bank mit Verweis auf das laufende Zivilverfahren in den USA keine Stellung nehmen. Die US-Steuerbehörde IRS fordert von den Schweizern die Herausgabe von bis zu 52 000 Kontodaten von US-Kunden.

Die US-Regierung wird dem zuständigen Gericht in Miami am (heutigen) Nachmittag ihren Standpunkt in der Auseinandersetzung mitteilen. Ein erstes Hearing vor dem Richter ist auf den 13. Juli angesetzt, falls keine aussergerichtliche Einigung zustande kommt.

Mit der Einfrieraktion der Konti können Tausende von betroffenen US-Kunden vorläufig nicht mehr auf ihr von der UBS in der Schweiz verwaltetes Vermögen zugreifen.

Dieses dürfte sich auf mehrere Milliarden Franken belaufen. Nur wenn die Kunden ein neues Konto oder eine Zustelladresse für den Check angeben, erhalten sie wieder Zugang zu ihrem Vermögen.

In beiden Fällen müssen die Kunden davon ausgehen, dass die Transaktion den Steuerbehörden ihres Landes bekannt wird. Da es sich bei einem ansehnlichen Teil der Vermögen um nichtdeklarierte Gelder handeln dürfte, riskieren die Betroffenen hohe Nachsteuern oder sogar Gefängnisstrafen. Die UBS empfiehlt ihnen, eine freiwillige Deklaration zu erwägen.

US-Anwalt bestätigt Sachverhalt

Der US-Anwalt William Sharp, der zahlreiche Ex-UBS-Kunden bei der Selbstanzeige gegenüber den Steuerbehörden berät und über die Massnahmen der Grossbank im Bild ist, bestätigt die Umbuchung der betroffenen Konti per Ende Juni in den Schlafmodus.

Die Bank habe «enorme Anstrengungen» unternommen, um alle Offshore-Konti von US-Kunden rasch zu schliessen und ihren Verpflichtungen gegenüber den US-Behörden nachzukommen, sagt Sharp.

«Die neue Massnahme ermöglicht es der UBS, ihr Exit-Versprechen zu erfüllen und gleichzeitig die US-Kunden anzustacheln, die Chance einer freiwilligen Steuerdeklaration zu nutzen», sagt Sharp gegenüber AWP. Die US-Steuerbehörde offerieren bis Ende September einen reduzierten Straftarif.

(sda)

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