UBS versumpft
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UBS versumpft

Die UBS steckt tief im Sumpf der US- Hypothekenkrise. Im ersten Quartal 2008 erlitt sie wie erwartet einen Verlust von 11,535 Mrd. Franken. Zudem zogen Kunden Milliarden-Vermögen ab. Nun muss das Personal bluten, auch in der Schweiz.

Bis Mitte nächsten Jahres würden konzernweit 5500 der insgesamt 83 800 Stellen abgebaut, sagte UBS-Chef Marcel Rohner am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Davon würden 2600 Arbeitsplätze im Investment Banking gestrichen, das sich im US-Hypothekenmarkt grauenhaft verspekuliert hatte.

Die meisten Investment Banker würden bis Ende Dezember in den USA und London entlassen, sagte Rohner. Bisher hatte die Grossbank in dem krisengeschüttelten Bereich schon 1500 Banker auf die Strasse gestellt.

Zudem will die UBS ausserhalb des Investment Bankings 2900 Jobs streichen. Davon entfalle rund die Hälfte auf die Schweiz. Der grösste Teil des Abbaus solle durch natürliche Fluktuation erfolgen, die derzeit bei 9 Prozent liege, sagte Rohner.

In der Schweiz dürften rund 200 Leute in den nächsten Monaten die Kündigung erhalten, sagte UBS-Sprecherin Eveline Mueller- Eichenberger. Der grösste Anteil enfalle aufs Investment Banking, das hierzulande 2000 Angestellte habe.

Kritik

Das Streichkonzert stiess auf harte Kritik der Personalvertreter: Wiederum müssten die Arbeitnehmenden die Fehler des Managements ausbaden, kritisierte der KV Schweiz. Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) forderte einen grosszügigen Sozialplan.

Allerdings wehre man sich nicht gegen den Rauswurf der Investment Banker, machte die Leiterin der Angestelltenpolitik im KV Schweiz, Barbara Gisi, auf Anfrage deutlich: «Es ist nicht so, dass wir die Zocker schützen wollen.»

Diese hatten der UBS Verluste von 19,113 Mrd. Fr. im Bereich «Festverzinsliche Wertpapiere, Währungen und Rohwaren» beschert. Dieser riss das Investment Banking in die Tiefe, das einen Verlust von 18,228 Mrd. Fr. hinnehmen musste nach einem Gewinn 1,539 Mrd. Fr. ein Jahr zuvor.

Das Riesendefizit konnten die Gewinne der anderen UBS-Geschäfte nicht ausgleichen: Unter dem Strich erlitt die Grossbank einen Reinverlust von 11,535 Mrd. Franken. Darin ist noch ein einmaliger Gewinn von 3,86 Mrd. Fr. aus der Pflichtwandelanleihe enthalten, die im Zuge der Kapitalerhöhung durch asiatische Staatsinvestoren ausgegeben worden war.

Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal hatte die UBS noch einen Reingewinn von 3,031 Mrd. Fr. eingefahren.

Abfluss von Geldern

Die tiefroten Zahlen entsprechen den Erwartungen. Vor einem Monat hatte die Grossbank bekannt gegeben, sie rechne mit einem Verlust von rund 12 Mrd. Fr. für die ersten drei Monate.

Dabei schrumpfte der Gewinn im Asset Management um 16 Prozent, während sich die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden (- 2,8 Prozent) und das Schweizer Geschäft (&2 Prozent) einigermassen halten konnten.

Allerdings zogen Kunden der Grossbank erstmals seit Ausbruch der Krise unter dem Strich Gelder ab. Die UBS musste netto Neugeldabflüsse von 12,8 Mrd. Fr. hinnehmen. Vor einem Jahr waren der grössten privaten Vermögensverwalterin der Welt noch netto 52,8 Mrd. Fr. zugeflossen.

In der Schweiz flossen netto 4,4 Mrd. Fr. ab, im Asset Management gar 16,5 Mrd. Franken. Insgesamt schrumpften die verwalteten Vermögen im ersten Quartal um 13,5 Prozent auf 2759 Mrd. Franken.

Aktie bricht ein

Die Abflüsse stiessen auf Kritik der Finanzgemeinde: «Das ist ein Zeichen, dass das Image etwas angekratzt ist», sagte ein Händler. «Für einen Vermögensverwalter ist es nicht gut, in den Schlagzeilen zu sein und substanzielle Abschreiber ankündigen zu müssen», gestand UBS-Chef Rohner ein.

Immerhin habe die UBS die Risikopositionen im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise deutlich reduzieren können. Ein Portfolio von 15 Mrd. Dollar solle an den US-Asset-Manager Blackrock verkauft werden.

Die UBS-Aktie brach an der Schweizer Börse ein. Mit einem Minus von 5,8 Prozent auf 34.76 Fr. gehörte sie zu den grössten Verlierern im SMI. Vor Ausbruch der Finanzkrise war die Aktie noch über 80 Fr. wert gewesen.

(sda)

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