Trotz Libor-Skandal: UBS will ihre Ex-Bosse nicht verklagen
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Trotz Libor-SkandalUBS will ihre Ex-Bosse nicht verklagen

Nach der Hammer-Busse für die Manipulation des Libor-Zinssatzes kommt nun die juristische Aufarbeitung. Sammelkläger wittern das grosse Geld, Ospel und Co. dürften jedoch ungeschoren davonkommen.

von
hhs
Ex-UBS-Chef Marcel Ospel war offenbar schlau genug, sich bei seinem Abgang auszubedingen, dass die UBS ihn nicht rechtlich belangen kann.

Ex-UBS-Chef Marcel Ospel war offenbar schlau genug, sich bei seinem Abgang auszubedingen, dass die UBS ihn nicht rechtlich belangen kann.

1,4 Milliarden Franken Busse muss die UBS hinblättern, weil Angestellte den Libor-Zinssatz manipuliert haben. Das wurde am Mittwoch bekannt. Damit nicht genug: Für die Aufarbeitung des Skandals hat die Grossbank bisher zusätzlich bereits mehr als 100 Millionen Franken ausgegeben, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Die UBS habe in diesem Zusammenhang zeitweise 410 Anwälte beschäftigt, die Millionen von Daten auswerten mussten.

Mit der teuren Ablasszahlung und Aufarbeitung ist die Geschichte für die Grossbank aber noch lange nicht ausgestanden. Nun wittern Anwälte, die Opfer der Zinsmanipulationen vertreten wollen, den grossen Reibach. Der US-Sammelkläger Michael Hausfeld sagt in einem Interview mit der «SonntagsZeitung», das Teil-Schuldeingeständnis der UBS werde für den zivilrechtlichen Schadenersatzprozess hilfreich sein.

Ist die Décharge nichtig?

«Wenn man die Befunde der Behörden genau liest, wird daraus klar, dass die Manipulationen wirksam waren», erklärt Hausfeld. «Dieses System wurde eingerichtet, weil es funktionierte – es belohnte jene, die ihre Kunden betrogen.» Der Amerikaner möchte auch Schweizer Personen und Institutionen für seine Klage gewinnen. Interesse an einer Zusammenarbeit zeigt der Zürcher Anwalt und Aktionärsvertreter Hans-Jacob Heitz der nach eigenen Angaben zehn ausländische Grossinvestoren der UBS angeschrieben hat.

Heitz wie auch Ethos-Direktor Dominique Biedermann prüfen zudem Verantwortlichkeitsklagen gegen UBS-Exponenten, die während der Libor-Manipulationen verantwortlich waren. Dazu zählen Marcel Ospel, Peter Wuffli, Marcel Rohner und Peter Kurer. «Die Entlastung von Verwaltungsrat und Konzernleitung für die Jahre 2008 und 2009 sind nichtig, weil der Generalversammlung keine Informationen über die Libor-Problematik vorlagen», betont Heitz.

Weber und Ermotti gegen Klage

Dass sich die Ex-UBS-Bosse für den Libor-Skandal verantworten müssen, ist jedoch unwahrscheinlich. Klage führen müssten die heutigen Verantwortlichen der Bank. Doch VR-Präsident Axel Weber und CEO Sergio Ermotti weisen derartige Spekulationen im «SonntagsBlick» zurück: Es gebe keinerlei Hinweise, dass obere Ränge der Bank involviert gewesen seien oder Kenntnisse gehabt hätten, sagt Weber. «Insofern relativiert sich jegliche Frage des Regresses auf ehemalige Kader.»

Sergio Ermotti fügt an, er wehre sich dagegen, der Konzernspitze die Schuld für kriminelle Machenschaften der Mitarbeiter zu geben. «Bei 60'000 Angestellten können Sie unmöglich alles wissen.»

Laut «NZZ am Sonntag» ist das aber nur ein Teil der Wahrheit. Vor allem wolle die Bank vermeiden, mit einem juristischen Vorgehen gegen frühere Führungskräfte weitere Munition für Schadensersatzklagen zu liefern, schreibt das Blatt. Der frühere Präsident Marcel Ospel habe sich zudem bei seiner Austrittsvereinbarung eine Klausel ausbedungen, dass ihn die UBS rechtlich nicht mehr belangen könne.

Was ist der Libor?

Libor heisst ausgeschrieben London Interbank Offered Rate. Seit Jahrzehnten melden die wichtigsten internationalen Banken um 11 Uhr englischer Lokalzeit einer zentralen Stelle jenen Zinssatz, zu dem sie von anderen Geldhäusern Kredite erhalten.

In der Krise versuchten die Institute, den Anschein von Normalität zu erwecken. Je tiefer der Zinssatz zur eigenen Verschuldung, desto sicherer die Bank, lautete damals das Motto. Also stellten die betroffenen Finanzmultis möglichst tiefe Sätze ins System. Vor der Krise kam es auch vor, dass eine Bank überhöhte Zinsen meldete, je nachdem, was für die Bewertung der eigenen Position günstiger war.

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