Finanzkrise überstanden?: UBS will Schrottpapiere zurückkaufen
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Finanzkrise überstanden?UBS will Schrottpapiere zurückkaufen

Die grösste Bank der Schweiz möchte im letzten Quartal 2013 den Stabilisierungsfonds von der Nationalbank zurückkaufen. Damit würde die UBS die Eigenkapitalquote weiter erhöhen.

von
bro
Die UBS ist auf dem Weg zurück: Schon Mitte Juli wurde ein Quartalsgewinn von 690 Millionen Schweizer Franken ausgewiesen.

Die UBS ist auf dem Weg zurück: Schon Mitte Juli wurde ein Quartalsgewinn von 690 Millionen Schweizer Franken ausgewiesen.

Die UBS will bis Ende Jahr den Restbestand von früher toxischen Papieren zurückkaufen, den sie vor fünf Jahren in höchster Not an die Nationalbank ausgelagert hatte.

Der Rückkauf der heute wesentlich harmloser gewordenen Anlagen dürfte das Eigenkapital der Bank stärken.

Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Oktober 2008 den Stabilisierungsfonds einrichtete, gingen Papiere für knapp 39 Mrd. Dollar in diese Bad Bank. Für die Anlagen hab es kaum noch einen Markt, und ihr Bestand in den Büchern der UBS hätte die Bank in den Abgrund reissen können.

Die Märkte für diese Papiere haben sich in den vergangenen Jahren erholt. Die SNB hat die Bestände mit der Zeit in aller Stille abbauen können. Der Bruttowert des Stabfund, wie das Vehikel genannt wird, wurde Ende Juni mit knapp 7,5 Mrd. Fr. bewertet. Die UBS gedenkt, von ihrer Option zum Rückkauf im vierten Quartal Gebrauch zu machen.

Der Rückkauf wird möglich, weil sich ein 2008 von der SNB an den Stabfund entrichtetes Darlehen durch den Verkauf und die Bewirtschaftung der Papiere von ursprünglich 44 Mrd. Fr. auf 1,2 Mrd. Fr. verringert hat. Zu einem früheren Zeitpunkt hatte die SNB der UBS den Rückkauf verweigert, weil dies die Eigenkapitalsituation der Bank belastet hätte.

UBS im Vorteil

Mit dem Rückkauf der Papiere würde der Stabfund rund fünf Jahre nach seiner Einrichtung aufgelöst. Für die UBS bedeutet die Transaktion einen Schlussstrich unter ein Kapitel der Finanzkrise, hat aber auch den Vorteil, dass sie ihr Eigenkapital gar stärken kann.

Der Preis für den Rückkauf setzt sich zusammen aus 1 Milliarde Franken, welche die SNB vertraglich zugesichert erhält, sowie die Hälfte des darüber hinaus gehenden Werts des Stabfunds. Unter dem Strich hat aber auch die Bank immer noch einen Vorteil. Deswegen geht sie davon aus, dass die Kapitalbasis um 70 bis 90 Basispunkte aufgebessert werden kann.

Per Ende Juni weist die Bank eine Kernkapitalquote nach dem Regelwerk Basel-III von 11,2 Prozent aus, nach 10,1 Prozent am Ende des Vorquartals. Auf Gewinne oder Verluste der UBS hat der Rückkauf keinen Einfluss.

Starke Konzerneinheiten

An der Börse legte die UBS-Aktie nach Handelsstart 2,7 Prozent an Wert zu. Die Kapitalstärkung in Folge des Stabfund-Rückkaufs sowie die Leistung der Bank im zweiten Quartal wurde von Analysten positiv hervorgehoben. Wie schon in der vergangenen Woche bekannt gegeben, hat die UBS im zweiten Quartal einen Reingewinn von 690 Mio. Fr. erzielt.

Das sind 30 Prozent weniger als im Vorquartal, aber rund ein Drittel mehr als im zweiten Quartal 2012. Das Resultat der Monate April bis Juni ist beeinflusst von einer grösseren Bereinigung von Altlasten aus der Finanzkrise 2007/2008, die Sonderkosten von 865 Mio. Fr. verursachten.

Insgesamt nahm die Vermögensverwaltung im Quartal unter dem Strich 10,1 Milliarden Franken an neuen Kundengeldern entgegen. Dazu kamen 2,8 Milliarden Dollar Netto-Neugeld in der UBS-Vermögensverwaltung auf dem amerikanischen Doppelkontinent.

Die Vermögenswerte stammen zu rund 90 Prozent von sehr reichen Privatkunden in Übersee. Die Vermögensverwaltung hat nach Angaben der Bank operativ die beste Profitabilität seit vier Jahren erreicht. Auch in der Investmentbank liefen die Geschäfte dank eines regen Aktienhandels so gut wie lange nicht mehr.

Stellenabbau geht weiter

Trotz des guten Geschäftsgangs hält die UBS an ihrem massiven, Ende 2012 im Rahmen der Fokussierung auf die Vermögensverwaltung bekannt gegebenen Stellenabbau fest. Bis Ende Jahr dürfte der Bestand auf rund 60'000 Stellen sinken. Der Plan der Bank ist, 2015 noch rund 54'000 Mitarbeiter zu beschäftigen.

Damit wären rund 10'000 Stellen weggefallen, rund ein Viertel davon in der Schweiz.

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