Kein grosser Zukunftswurf: UBS: Zu wenig, zu spät
Aktualisiert

Kein grosser ZukunftswurfUBS: Zu wenig, zu spät

Der historisch hohe 20-Milliarden- Jahresverlust der Grossbank UBS macht einen Neuanfang nötig. Doch die Führung unter Konzernchef Marcel Rohner macht sich nur zögerlich ans Werk.

von
Lukas Hässig

Auch wenn man sich an Milliardensummen gewöhnt hat: Die Dimensionen der Verluste und der Kundengeldabflüsse bei der UBS sind für uns Normalwirtschaftende unvorstellbar hoch. 19,7 Milliarden Franken Verlust für das ganze Jahr 2008, 8,1 Milliarden allein für die Monate Oktober bis Dezember. Und, noch schlimmer: 86 Milliarden Kundengelder flossen ab – und das allein in den letzten drei Monaten des Jahres 2008.

Die Hiobsbotschaften wollen nicht abreissen. Da dachte manch einer, mit der Rettungsaktion durch die Nationalbank sei Schluss mit den Abschreibern auf faulen Wertpapierpositionen. Doch weit gefehlt: Auch im Schlussquartal 2008 erlitt die Grossbank Verluste und Abschreibungen über fast 4 Milliarden auf solchen Altlasten. Nun will die Bank lediglich maximal 40 Milliarden Dollar statt den bisher vereinbarten 60 Milliarden an die Nationalbank auslagern. Wertpapiere besserer Qualität sollen bei der UBS bleiben.

Die Richtung stimmt, das Tempo nicht

Die neue Strategie ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Schweiz wird gestärkt und erhält mit UBS-Spitzenmanager Franco Morra eine eigene Leitung. Weil die Bank vom Staat mit Milliarden gerettet werden musste, wurde dieser Entscheid erwartet – und er überzeugt: Im Inland hat die UBS auch in der Krise eine vernünftige Rendite erzielt, und sie gilt wegen ihrer Grösse als Teil der Finanzinfrastruktur.

Ebenfalls stärkt sie die Vermögensverwaltung in Amerika, das sogenannte Onshoregeschäft. Das überrascht, hat die Bank doch in den USA nie eine vergleichbar hohe Rendite erzielt wie in der Offshore-Vermögensverwaltung, die sie für ihre vermögende Klientel aus der Schweiz heraus erwirtschaftet. Kommt hinzu, dass die US-Behörden die UBS wegen Mithilfe zu Steuerhinterziehung unter starkem Druck halten. Je grösser die Präsenz der Bank in Amerika ist, desto stärker ist sie von den US-Behörden erpressbar, lautet eine einleuchtende Erklärung.

Rückzug aus USA nur aufgeschoben?

Doch offenbar stellt sich die UBS-Führung auf einen anderen Standpunkt. Sie stärkt ihr US-Onshoregeschäft, um den langjährigen Aufbau nicht zu gefährden. Vielleicht steckt dahinter der Plan, dereinst den Bereich zu verkaufen oder mit einer US-Bank zusammenzulegen.

So richtig die Stärkung der Schweiz ist, so zögerlich macht sich die UBS-Führung im gefährlichen Handelsgeschäft ans Werk. Sie berichtet heute morgen zwar von weiteren Reduktionen bei den faulen Wertpapierpositionen und von einer Reduktion ihrer Grösse im Investmentbanking. Doch eine strategische Weichenstellung sucht man vergeblich. Die Bank hält offiziell an ihrem Ziel fest, eine grosse Investmentbank zu bleiben und in Zukunft wieder Geld mit diesem Geschäft zu erzielen.

Möglicherweise ist auch dieser Plan nur ein vorübergehender. Es könnte sein, dass die Bankleitung einen Ausstieg aus dem Investmentbanking prüfte, aber im schwierigen Marktumfeld, unter dem alle grossen Handelshäuser leiden, keine vernünftige Offerte erhalten hat.

Wahnsinnsverluste im Investmentbanking

Die hoffnungslose Lage im Investmentbanking wird durch die horrenden Verluste in dieser Sparte offensichtlich. 2008 summierten sich diese auf 34 Milliarden Franken, eine Dimension, die kaum mehr zu fassen ist. Bereits 2007 hatte die Bank fast 17 Milliarden Franken in ihrem einstigen Vorzeigebereich verloren.

Was als erstes Fazit nach der mit Spannung erwarteten Publikation der Zahlen für 2008 und dem Plan für die Zukunft bleibt, ist eine Bank, deren Zukunft ungewiss bleibt. Die UBS hat allein in den 13 Wochen von Oktober bis Dezember 86 Milliarden Franken Kundengeldabflüsse erlitten. Umgerechnet macht dies fast 7 Milliarden, die Woche für Woche aus der Bank geströmt sind. Rund zwei Drittel davon betreffen das Paradepferd der Bank, die weltweite Vermögensverwaltung.

Auf jedem Franken, den die Bank weniger verwalten darf, verdient sie weniger Verwaltungsgebühren und Kommissionen. Das Geschäftsmodell der UBS basiert im Kern darauf, dass sie möglichst viele Vermögen verwaltet und darauf eine Gebühr verrechnet. Und je mehr Vermögen sie hält, desto mehr verdient sie in der Regel auch an den Transaktionen wie Käufe und Verkäufe von Wertpapieren ihrer Kunden.

Ertragseinbruch in der Paradedisziplin Vermögensverwaltung

Die Bremsspur in der Ertragsrechnung ist nicht zu übersehen. Erzielte die Paradesparte Vermögensverwaltung der UBS im Herbst-Quartal 2008 noch einen Gewinn von gut 1,1 Milliarden Franken, brach dieser Spartengewinn im Schlussquartal auf nur noch 700 Millionen ein. Das ist ein schmerzhafter Rückgang und zeigt, dass die UBS nicht nur Altlasten im Investmentbanking zu bewältigen hat, sondern auch in ihrem scheinbar unzerstörbaren Kern anfällig geworden ist.

Die grosse Frage bleibt: Wie will die Bank ihr überdimensioniertes Kleid den neuen Realitäten anpassen? Seit dem Höchststand Mitte 2007 mit fast 84 000 Mitarbeitern hat die UBS ihren Personalbestand durch kleinere und grössere Schnitte – hauptsächlich im Investmentbanking – auf noch rund 77 000 reduziert. Weitere Abbauschritte sind nötig. Wie gross diese ausfallen werden und wie einschneidend sie für die Betroffenen sind, muss die Konzernleitung rasch aufzeigen.

Einmal mehr bleibt festzuhalten, dass die Bank unter ihrem Spitzenduo Peter Kurer und Marcel Rohner keinen grossen Plan für die Zukunft parat hat. More of the same lautet offenbar ihr Motto, Schritt für Schritt die Grösse der Bank anpassen ist ihre Strategie. Bisher lautet das Resultat ihrer Bemühungen, ebenfalls simpel gesagt: too little, too late.

Heute Dienstag, ab 12:30 Uhr, ist Wirtschaftsexperte und «UBS-Crash»-Buch-Autor Lukas Hässig zu Besuch im Video-Talk und beantwortet direkt nach der UBS-Bilanzkonferenz Fragen rund um die UBS, den Crash und die Finanzkrise. Schon jetzt können Sie uns Ihre Fragen schicken: Klicken Sie hier.

Deine Meinung