Interview: «UBS-Zusammenbruch wäre eine Katastrophe»
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Interview«UBS-Zusammenbruch wäre eine Katastrophe»

Das von der Finanzwelt sehnlich erwartete 700-Milliarden-Rettungspaket der US-Regierung ist gescheitert. Was bedeutet dieser Entscheid des US-Repräsentantenhauses für die Schweizer Grossbanken? 20 Minuten Online befragte dazu den Finanzexperten Professor Manuel Amman.

Nach dem Scheitern des Rettungspakets für die Finanzbranche im US-Repräsentantenhaus hatte der US-Leitindex Dow Jones am Montag den höchsten Tagesverlust der Geschichte von 777 Punkten erlitten. Der Dow Jones tauchte um beinahe 7 Prozent. 20 Minuten Online befragte Professor Manuel Ammann, Direktor des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen zu den Folgen für die Schweizer Grossbanken.

20 Minuten Online: Das Rettungspaket der US-Regierung wurde im Repräsentantenhaus abgelehnt. Wie geht es nun weiter?

Manuel Ammann: Das Paket ist noch nicht verloren, es wird sicher neue Vorschläge geben. Das Problem ist vielmehr, dass das abgelehnte Paket fehlerhaft war. Vorgesehen war, dass der Staat den Banken die schlechten Wertpapiere abnimmt. Das stellt sich sofort die Frage nach dem Preis.

Ist er zu tief, nützt es den Banken nichts, ist er zu hoch, muss der Steuerzahler sehr tief in die Taschen greifen. Besser wäre, wenn der Staat das Geld in Form von neuem Eigenkapital in die Banken einschiessen würde. Das müsste zu Lasten der Altaktionäre gehen, die quasi enteignet würden.

Sind unsere Banken noch sicher?

Ammann: Die beiden Grossbanken, UBS und CS, sind nicht unmittelbar in ihrer Existenz bedroht. Im dritten Quartal wird es aber wegen der jüngsten Turbulenzen sicher wieder zu Abschreibern kommen. Zudem ist die Refinanzierung am Geldmarkt schwierig geworden. Auch ein tiefer Aktienkurs macht es für die Banken schwieriger, zu neuem Kapital zu kommen. Die Situation ist im Moment sehr ungemütlich.

Ist die UBS eine Übernahmekandidatin?

Ammann: Die UBS ist noch immer ein ziemlicher Brocken und damit auch teuer. Die meisten möglichen Übernehmer haben in der momentanen Situation auch nicht genügend Mittel übrig, um eine Übernahme zu finanzieren.

Grundsätzlich ist eine Übernahme aber nicht ausgeschlossen. Ich hoffe allerdings nicht, dass die CS die Übernehmerin wäre. Das würde für die Schweiz ein massives Klumpenrisiko bedeuten und auch dem Wettbewerb schaden. Eher gehe ich davon aus, dass die UBS Teilbereiche abstossen könnte. Im Moment sind Verkäufe aber unattraktiv, da man keinen guten Preis bekommt.

Würde der Bund die UBS im schlimmsten Fall retten?

Ammann: Davon gehe ich aus. Bund und Nationalbank würden wohl alles versuchen, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Aufgrund ihrer Grösse und Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft wäre ein solcher eine Katastrophe für unser Land.

(scc/rmd)

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