06.07.2016 14:48

Spätes BabyglückÜ60-Mamis in der Schweiz – Ärzte sind besorgt

Das Kind kommt erst kurz vor der Rente: Grauhaarige Mütter sind in der Schweiz auf dem Vormarsch.

von
J. Büchi
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Die italienische Sängerin Gianna Nannini wurde mit 54 Jahren schwanger - nach eigenen Angaben auf natürlichem Weg.

Die italienische Sängerin Gianna Nannini wurde mit 54 Jahren schwanger - nach eigenen Angaben auf natürlichem Weg.

epa/Daniel dal Zennaro
Auch Margarita Louis Dreyfus, die Partnerin von Ex-Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand, gebar erst mit 53 Jahren. Die beiden sind stolze Eltern von Zwillingsmädchen.

Auch Margarita Louis Dreyfus, die Partnerin von Ex-Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand, gebar erst mit 53 Jahren. Die beiden sind stolze Eltern von Zwillingsmädchen.

AP/Francois Mori
In froher Erwartung ist derzeit Sängerin Janet Jackson. Sie erwartet mit 50 Jahren ihr erstes Kind.

In froher Erwartung ist derzeit Sängerin Janet Jackson. Sie erwartet mit 50 Jahren ihr erstes Kind.

Chris Pizzello

Prominente wie Sängerin Gianna Nannini machen es vor: Mit über 50 schwelgen sie im Babyglück. Auch in der Schweiz gibt es Frauen, die in einem Alter Kinder bekommen, in dem andere längst Grossmütter sind. Vergangenes Jahr verzeichnete das Bundesamt für Statistik gut 30 Geburten von Frauen über 50 Jahren. Bei drei der Neugeborenen hatte die Mutter sogar den 60. Geburtstag schon hinter sich.

Zum Vergleich: Im Jahr 2000 wurden noch vier Babys verzeichnet, die von Ü50-Frauen zur Welt gebracht wurden. Schwangerschaften bei über 60-Jährigen gab es damals noch nicht. Eine solche Geburt wurde in der Schweiz erstmals im Jahr 2007 registriert.

Eizellspende aus Russland

Daniel Surbek, Chefarzt Geburtshilfe am Berner Inselspital, sagt: «Wir betreuen inzwischen relativ viele Frauen, die über 50 sind. Auch über 60-Jährige kommen in Einzelfällen zu uns.» Dabei handle es sich fast ausschliesslich um Frauen, die sich die Eizelle einer fremden Frau einsetzen liessen. Dies ist in der Schweiz verboten. «Die meisten gehen nach Spanien, bekannte Zentren gibt es etwa in Valencia und Barcelona.» Auch dort ist mit 60 Jahren aber gesetzlich Schluss. «Danach müssen Frauen mit Kinderwunsch auf Zypern, Russland oder die Ukraine ausweichen.»

Eine solche Schwangerschaft sei mit Risiken verbunden, warnt Surbek. «Bei natürlichen Schwangerschaften besteht mit zunehmendem Alter eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Chromosomenstörungen wie Trisomie 21.» Bei künstlicher Befruchtung verhalte sich dies anders, da das Alter der Eizell-Spenderin ausschlaggebend sei. «Allerdings gibt es bei über 50-jährigen Schwangeren häufiger Komplikationen wie Diabetes oder Schwangerschaftsvergiftungen.» Natürliche Geburten seien in fortgeschrittenem Alter aufgrund der drohenden Komplikationen selten, meist werde ein Kaiserschnitt gemacht.

Herzinfarkt drei Tage nach Geburt

Ein tragisches Erlebnis mit einer Ü60-Patientin hatte Roland Zimmermann, Direktor der Klinik für Geburtshilfe am Universitätsspital Zürich: «Die Frau hatte drei Tage nach der Geburt einen Herzinfarkt», sagt er. Er hoffe, dass das Kinderkriegen jenseits des 50. Geburtstags eine «Modetorheit» bleibe: «Man kann die biologische Uhr nicht austricksen.»

Surbek geht davon aus, dass die Zahl der Ü50- und Ü60-Mütter in Zukunft noch steigen wird. Stärker als gesundheitliche Fragen stellten sich dabei ethische Fragen: «Es geht darum, was es für ein Kind bedeutet, wenn seine Mutter nur noch eine beschränkte Lebenserwartung hat.» Dennoch erwartet er, dass die Frage der Legalisierung der Eizellspende wohl auch in der Schweiz wieder auf den Tisch kommen wird.

Durchschnittsalter 30,7

Während Schwangerschaften kurz vor dem Pensionsalter in der Schweiz noch Einzelfälle darstellen, setzt sich der Trend zum späten Kinderkriegen generell fort. Letztes Jahr waren Frauen bei der Geburt ihres ersten Kindes im Schnitt 30,7 Jahre alt, wobei Schweizerinnen im Schnitt etwas später Mutter werden als Ausländerinnen. 1990 lag das Durchschnittsalter der Mutter beim ersten Kind noch bei 27,6 Jahren.

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