Aktualisiert 30.03.2013 13:53

Bergbau

Über 100 Tote bei zwei Unglücken in China

Erst ein Bergrutsch, dann eine Gasexplosion: Bei zwei schweren Unglücken im berüchtigten chinesischen Bergbau sind vermutlich 111 Arbeiter ums Leben gekommen.

von
bem
Keine Spur: Mehr als 2000 Rettungskräfte suchen nach den 83 in Tibet von einem Erdrutsch verschütteten Bergleuten.

Keine Spur: Mehr als 2000 Rettungskräfte suchen nach den 83 in Tibet von einem Erdrutsch verschütteten Bergleuten.

Einen Tag nach dem verheerenden Erdrutsch in Tibet, bei dem 83 Arbeiter verschüttet worden waren, suchten Einsatzkräfte am Samstag nach Opfern unter den meterhohen Erdmassen. Die erste Leiche wurde erst 36 Stunden nach dem Unglück vom Freitag geborgen.

Weitere 28 Bergarbeiter wurden am selben Tag bei einer Gasexplosion in einer Kohlegrube im Nordosten Chinas getötet, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Riesige Erdmassen

Der Bergrutsch in dem Abbaugebiet für Polymetalle 68 Kilometer östlich der tibetischen Hauptstadt Lhasa verschüttete ein drei Kilometer langes Gebiet. Die Erdmassen seien im Schnitt 30 Meter tief, berichtete Xinhua.

Die Arbeiter seien in ihren Unterkünften von einer Lawine aus Schlamm, Steinen und Trümmern bei einer Pause überrascht worden, berichteten staatliche chinesische Medien. Rund zwei Millionen Kubikmeter Geröll hätten eine Fläche von etwa vier Quadratkilometern erfasst. Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Keqiang hätten die Behörden angewiesen, alles Menschenmögliche bei der Rettung zu versuchen, berichtete der Fernsehsender CCTV.

Der Erdrutsch ereignete sich im Bezirk Maizhokunggar in Lhasa, der Hauptstadt der autonomen Region Tibet. In den Berichten wurde der Erdrutsch als Folge einer Naturkatastrophe bezeichnet, Details wurden aber nicht genannt.

Die engen und ebenfalls beschädigten Bergstrassen der Region erschwerten die Bemühungen, grösseres Gerät ins Unglücksgebiet zu bringen. Aber auch eisiges Wetter, Schneefall und die Höhe von 4600 Metern behinderten die Bergungsarbeiten. Einige der 1000 Helfer litten unter Höhenkrankheit. Einige Helfer gruben mit blossen Händen, wie Xinhua berichtete. Es wurden Suchhunde und Detektoren eingesetzt.

Weitere Hänge drohen zu rutschen

Kleinere, weitere Bergrutsche brachten die Suchmannschaften in Gefahr. Risse in den benachbarten Bergen deuteten darauf hin, dass weitere Hänge ins Rutschen kommen könnten.

Die Opfer waren Mitarbeiter der Jiama Grube, die der Tibet Huatailong Mining Development Company gehört - einer Tochterfirma der staatlichen China National Gold Corporation. Die meisten seien Wanderarbeiter aus den Provinzen Yunnan, Guizhou, Sichuan und anderen Orten, berichtete Xinhua. Zwei seien Tibeter.

Dorfbewohner berichteten, der grosse Berghang sei Freitagmorgen gegen 6 Uhr plötzlich ohne Vorwarnung ins Tal gerutscht.

Verheerende Gasexplosion

Knapp fünf Stunden später passierte in einer Kohlegrube in der nordostchinesischen Provinz Jilin die Gasexplosion, die erst am Samstag bekanntwurde. Von den 41 Bergleuten unter Tage konnten 13 verletzt geborgen werden, wie Xinhua berichtete. 28 Menschen haben das Unglück nicht überlebt.

Die Explosion ereignete sich im Babao Kohlebergwerk im Bezirk Jiangyuan der Stadt Baishan. Die Rettungsarbeiten wurden am Samstag beendet, die Ursache wurde noch untersucht. Das Bergwerk gehört der staatlichen Tonghua Mining Group.

Der Abbau von Mineralien ist heikel

Die chinesische Regierung fördert den Bergbau in Tibet. In der Region lagern unter anderem grosse Mengen an Kupfer, Chrom und Bauxit. Kritiker warnen indes, das Ökosystem leide unter dem gross angelegten Abbau von Mineralien.

In ganz China kommen jedes Jahr kommen mehrere tausend Kumpel ums Leben. Die genaue Zahl kennt niemand, weil viele Unglücke vertuscht werden oder nicht in Statistiken auftauchen.

Dreiviertel seiner Energie bezieht das Milliardenvolk aus Kohle. Der rasante wirtschaftliche Aufstieg lässt auch den Bedarf an Erzen und anderen Rohstoffen in die Höhe schnellen.

Ursache vieler Unglücke sind schlechte Ausrüstung und unzureichende Sicherheitsvorkehrungen, mangelnde Aufsicht und Vetternwirtschaft zwischen Grubenbesitzern und Behörden.

(bem/sda)

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