Aktualisiert 12.06.2005 17:23

Über 100 Tote im Irak

Die Gewalt im Irak nimmt kein Ende: Über 100 Tote sind die Bilanz eines weiteren blutigen Wochenendes.

Eine Reihe von Anschlägen kostete landesweit rund 35 Menschen das Leben. Im Raum Bagdad wurden die Leichen von 28 Erschossenen entdeckt. Die US-Streitkräfte verstärkten ihre Offensive gegen die Aufständischen und töteten bei einem Luftangriff nahe der syrischen Grenze 40 Rebellen.

Die Leichen hatten die Augen verbunden und die Hände am Rücken gefesselt, wie ein Polizeioffizier am Sonntag mitteilte. Demnach wurden am Samstag allein 20 Leichen in der Wüstenregion Nahrawan rund 30 Kilometer östlich der Hauptstadt gefunden. Acht weitere Tote wurden an zwei verschiedenen Stellen im nördlichen Bagdader Stadtteil Schula ausgegraben. Alle Opfer wurden den Angaben zufolge mit gezielten Schüssen in den Kopf getötet. Die Identität der Männer war zunächst unklar. Erst am Freitag waren nahe der syrischen Grenze die Leichen von 21 Männern gefunden worden.

Die US-Luftangriffe fanden am Samstagabend im Bereich der Stadt Kaim statt, die als Hochburg der Anhänger des jordanischen Extremisten Abu Mussab al Sarkawi gilt, des Chefs von Al Kaida im Irak. Schwer bewaffnete Männer hätten dort bei der Ortschaft Karabila Strassensperren errichtet und Autofahrer bedroht, hiess es in einer Erklärung der Marineinfanterie. Die US-Luftwaffe habe sieben Raketen mit Präzisionslenkung gegen die Rebellen eingesetzt.

In Bagdad riss ein als Polizist verkleideter Selbstmordattentäter am Samstag mindestens fünf Menschen mit in den Tod. Nach Polizeiangaben zündete der Mann seinen Sprengsatz während des Morgenappells vor dem Hauptquartier der Brigade Wolf. Führende sunnitische Politiker haben diese Einheit beschuldigt, sunnitische Geistliche entführt und getötet zu haben. Südlich der Hauptstadt überfielen Aufständische einen Minibus und töteten der Polizei zufolge elf Bauarbeiter.

In einem nördlichen Stadtteil von Bagdad wurden zwei irakische Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma von US-Soldaten getötet. Ihr Auto fuhr nach Militärangaben so langsam vor einem amerikanischen Konvoi, dass die Soldaten Warnschüsse abgaben. Die Iraker hätten zurückgefeuert und seien daraufhin erschossen worden, sagte ein Militärsprecher.

Zwei Sprengstoffanschläge westlich von Bagdad kosteten insgesamt vier US-Soldaten das Leben. Zwei Amerikaner fielen nach Angaben der Streitkräfte am Samstag einem Anschlag auf ihr Militärfahrzeug nahe der Ortschaft Amirija zum Opfer. Die beiden anderen kamen ums Leben, als eine Bombe bei Takaddum ihr Panzerfahrzeug in die Luft sprengte. Seit Beginn des Krieges im März 2003 sind nach Zählung der Nachrichtenagentur AP schon 1.701 US-Soldaten im Irak getötet worden.

Britische Regierung bezweifelte US-Planung

Die US-Streitkräfte waren nach Ansicht britischer Regierungsmitarbeiter nicht ausreichend auf die Besatzungszeit im Irak vorbereitet. Die «Washington Post» veröffentlichte ein Memo von Mitarbeitern des britischen Premierministers Tony Blair, in dem sie auf die mangelnde Vorbereitung verwiesen. «Eine Besatzung des Iraks nach dem Krieg könnte zu einem langwierigen und teuren Wiederaufbau führen», hiess es in dem Memo. Das Papier wurde vor einem Treffen Blairs mit seinen Sicherheitsberatern am 23. Juli 2002 verfasst.

(dapd)

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