Blutbad: Über 100 Tote nach Anschlag auf Sportplatz
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BlutbadÜber 100 Tote nach Anschlag auf Sportplatz

Nach dem Selbstmordanschlag mit fast hundert Toten bei einem Volleyballspiel in Pakistan haben die Dorfbewohner heftige Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. Ihr Dorf im Nordwesten des Landes sei nicht von Sicherheitskräften bewacht worden, kritisierten sie.

Zum Zeitpunkt des Anschlags seien in dem Dorf Shah Hasan Khan keine Sicherheitskräfte oder Polizisten im Dienst gewesen, sagte der Chef des örtlichen Friedenskomitees am Sonntag. «Die Polizisten, die bei dem Anschlag getötet wurden, haben sich privat das Spiel angesehen.»

Der Attentäter hatte sich am Freitag mit einem mit rund 300 Kilogramm Sprengstoff beladenen Kleintransporter auf einem Sportplatz in die Luft gesprengt. Nach Polizeiangaben kamen dabei mindestens 101 Menschen ums Leben, dutzende weitere wurden verletzt. Mehr als 20 Häuser stürzten ein, Rettungskräfte suchten unter den Trümmern nach Verschütteten.

Am Sonntag waren noch mehr als 80 Verletzte im Spital. Verletzte und Ärzte klagten über zu wenig Betten und Medikamente. Viele Verletzte würden auf dem Boden behandelt, andere hätten eigene Betten mitgebracht, sagte ein Arzt.

Ein Mann berichtete, seine Tochter sei wegen der schlechten Ausstattung gestorben. «Es gab kein Bett, keine Medikamente und nicht einmal das Röntgengerät hat funktioniert.»

40 Festnahmen

Der Anschlag war der schwerste in Pakistan seit mehr als zwei Monaten. Zu dem Attentat bekannte sich zunächst niemand, die Polizei machte aber die radikalislamischen Taliban dafür verantwortlich.

Nach Angaben des örtlichen Polizeichefs wurden bereits über 40 Verdächtige festgenommen und befragt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Attentäter aus der Nachbarprovinz Süd-Waziristan kam.

Der Anschlagsort liegt in der Nordwest-Provinz an der Grenze zu Afghanistan. Polizei und Armee hatten dort im vergangenen Jahr eine Offensive gegen die Taliban gestartet und sie nach eigenen Angaben vollständig aus Bannu vertrieben.

Das Volleyballspiel war von dem Friedenskomitee des Dorfes veranstaltet worden, das die pakistanische Regierung im Kampf gegen die Taliban unterstützt.

Premier zeigt sich entschlossen

Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani bekräftige nach dem Anschlag die Entschlossenheit seiner Regierung, die Aufständischen zu bekämpfen. «Die ganze Nation ist gegen die Terroristen», sagte er in Islamabad.

Die Europäische Union und die USA kritisierten den Anschlag scharf. EU-Aussenministerin Catherine Ashton verurteilte die Tat als neues Beispiel «skandalöser Gewalt» in Pakistan. US-Aussenministerin Hillary Clinton versicherte, die USA stünden im Kampf gegen die Terroristen weiter an der Seite Pakistans. (dapd)

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