Corona-Petition: Über 140’000 wollen den Lockdown beenden
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Corona-PetitionÜber 140’000 wollen den Lockdown beenden

Trotz sinkender Fallzahlen strebt der Bundesrat eine Verlängerung der Corona-Massnahmen an. Eine Petition fordert ein Ende des Lockdowns – und erhält derweil immer mehr Zuspruch.

von
Daniel Krähenbühl
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Bundesrat Alain Berset gab am Freitag zu verstehen, dass er eine Verlängerung der Corona-Massnahmen anstrebt.

Bundesrat Alain Berset gab am Freitag zu verstehen, dass er eine Verlängerung der Corona-Massnahmen anstrebt.

20min / Marco Zangger
Nun haben Zehntausende in den letzten Wochen eine Online-Petition unterschrieben, die ein Ende des Corona-Lockdowns fordert.

Nun haben Zehntausende in den letzten Wochen eine Online-Petition unterschrieben, die ein Ende des Corona-Lockdowns fordert.

Adrian Moser / Tamedia
Der Unmut über die Corona-Massnahmen ist gross: In einer nicht-repräsentativen Umfrage fordern 65 Prozent der 20-Minuten-Leserschaft ein Ende des Lockdowns per 1. März.

Der Unmut über die Corona-Massnahmen ist gross: In einer nicht-repräsentativen Umfrage fordern 65 Prozent der 20-Minuten-Leserschaft ein Ende des Lockdowns per 1. März.

20 Minuten

Darum gehts

  • Zehntausende haben in den letzten Wochen eine Online-Petition unterschrieben, die ein Ende des Corona-Lockdowns fordert.

  • Nächste Woche soll die Petition beim Bundesrat eingereicht werden. Womöglich gefolgt von einer Motion im Parlament.

  • Dass die Solidarität nach einem Jahr Corona nachlasse, sei menschlich, sagt Soziologie-Professorin Katja Rost.

Die Corona-Ansteckungszahlen sinken, gleichzeitig können sich immer mehr Risikopatienten impfen lassen. Trotzdem dürften die Corona-Regeln in der Schweiz nicht so bald gelockert werden, wie Bundesrat Alain Berset am Freitag zu verstehen gab.

Der Unmut über die Corona-Massnahmen ist gross: In einer nicht-repräsentativen Umfrage von 20 Minuten, fordern 65 Prozent von 15’426 Personen ein Ende des Lockdowns per 1. März. Auch der Ruf des Schweizerischen Gewerbeverbands SGV nach einem Ende der Lockdown-Massnahmen findet viel Zuspruch: Über 140’000 Personen (Stand 9.2.2021) haben eine Petition unterschrieben, die ein Ende des Lockdowns fordert. Die Initianten, ein Zusammenschluss von bürgerlichen Jungpolitikern, fordern einen zielgerichteten Schutz der Risikopatienten und einen Ausbau der Impfmöglichkeiten anstelle eines schweizweiten Lockdowns.

Lockdown-Stop per Motion?

Einkaufsläden, Restaurants, Bars, Freizeit- und Sportanlagen sollen öffnen dürfen. Auch Events mit bewilligten Schutzkonzepten sollen wieder zugelassen werden. Kopf hinter der Unterschriftensammlung ist der 27-jährige Leroy Bächtold, Vorstand der Jungfreisinnigen Stadt Zürich. Mit der Petition, die man nächste Woche einreichen wird, wolle man dem Bundesrat zeigen, dass seine Corona-Strategie nicht aufgeht, sagt Bächtold: «Falls der Bundesrat unsere Forderungen komplett ignoriert, werden wir sie auf parlamentarischem Weg per Motion einbringen.» Dazu genüge die Unterstützung von einem Viertel der Nationalräte zur Einberufung einer ausserordentlichen Session.

Denn nicht nur für die Wirtschaft sei der Lockdown eine Katastrophe: «Auch ganz viele Menschen haben grosse Mühe damit», sagt Bächtold. Dass es Zuhause oder im Freien – wie am letzten Samstag in Zürich – zu Konflikten kommt, überrasche ihn nicht: «Die Leute sind dünnhäutiger und gereizter, der Geduldsfaden reisst viel früher.»

«Man darf die Leute nicht immer weiter vertrösten»

Katja Rost, Professorin für Soziologie an der Universität Zürich, kann die wachsende Empörung über die geltenden Corona-Massnahmen nachvollziehen. «Dass die zu Beginn der Corona-Krise in der Öffentlichkeit gezeigte Solidarität nach einem Jahr nachlässt, ist menschlich.» Es sei wie beim Ausdauerlauf, sagt Rost: «Bei Kilometer 90 mag man nicht mehr so gut mit wie am Anfang.» Je länger der Lockdown und die strengen Corona-Massnahmen andauerten, desto höher seien die Kosten, die jeder Einzelne tragen müsse. «Restaurants sind zu, Diskotheken und Sportanlagen auch, man ist vielleicht in Kurzarbeit oder gar arbeitslos, hat keinen Ausgleich, keine Perspektiven oder gar Existenzängste. Dass in dieser Situation die Frustration und im Extremfall auch die Aggression steigt, ist nachvollziehbar.»

Offen bleibe jedoch, wie gross dieser Anteil der extremen Unzufriedenen in der Schweiz tatsächlich sei, sagt Rost. «Eine grosse Mehrheit der Bevölkerung trägt die Corona-Massnahmen mit und hat Verständnis für den angeordneten Lockdown. Trotzdem sei es nun wichtig, dass die Politik Tacheles redet: «Man darf die Leute nicht immer weiter vertrösten, sondern muss ihnen ehrlich sagen, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln könnte», sagt Rost. «Auch wenn die Prognose nicht rosig aussieht: So können sich die Leute immerhin darauf einstellen.»

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

557 Kommentare
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Reine Tatsache

11.02.2021, 18:43

Etwas weiter denken wäre da nicht falsch. Nehmen wir an das Gastro öffnet wieder. Es kommen aber dennoch viel weniger Gäste als normal, weil viele halt trotzdem vorsichtig sind. Die Gastro hat dann keinen Anspruch mehr auf Kurzarbeit, muss die Löhne trotz weniger Besuch aber trotzdem alleine bezahlen. Da werden die Konkurse stärker ausgeprägt sein, als jetzt wo sie Unterstützung bekommen. Gastro sind als Härtefälle zu betrachten und bekommen derzeit, mehr als sie ohne Kurzarbeit erhalten würden. Es ist zudem sehr extrem wie schwach viele meiner Meinung nach sind. Der ,,Mini“-Lockdown dauert nun gute 3 Wochen und schon leiden die Leute mal nicht eines trinken gehen zu können oder etwas zu unternehmen. Spricht nicht gerade für diejenigen. Ich konnte jedenfalls während dieser Zeit lernen, viele Menschen die sich als stark geben, es in Wirklichkeit gar nicht sind

Holger 29

11.02.2021, 18:10

Es ist peinlich, dass erst 200.000 bei einer Bevölkerung von 8 Mio. unterschrieben haben. Bitte gebt Euch einen Ruck. ...Leider greift die Petition etwas zu kurz...Was spräche gegen eine Wiederherstellung des Lebens wie vor 1 Jahr.

SlamJam

11.02.2021, 18:09

Niemand findet die Massnahmen cool. Aber grad die Beispiele Portugal oder Tirol zeigen, wie schnell es gehen kann, bis die Lage ausser Kontrolle gerät. Portugal war mal ein Musterknabe in Sachen Corona. Darum kann man diesen Jungfreisinnigen nur Verantwortungslosigkeit attestieren.