Katastrophe: Über 155 Tote bei Erdbeben in Pakistan
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KatastropheÜber 155 Tote bei Erdbeben in Pakistan

Ein heftiges Erdbeben der Stärke 6,4 hat in Pakistan mindestens 150 Menschen das Leben gekostet. Die Behörden in der Provinz Belutchistan fürchten, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt. Hunderte wurden verletzt, etwa 15 000 Bewohner wurden obdachlos. Mehrere Nachbeben erschütterten die Region.

Das Erdbeben überraschte die Bewohner einer verarmten Region im Grenzgebiet zu Afghanistan am Mittwoch im Morgengrauen, gegen 05.10 Ortszeit (00.10 Uhr MEZ). Am schwersten betroffen waren die Ortschaft Ziarat und acht Dörfer in der Umgebung.

In Zierat, einem ehedem bei Briten beliebten Ferienort, stürzten mehrere hundert Lehm- und Ziegelhäuser ein. Einige Häuser wurden von einem Erdrutsch verschüttet, der von dem Beben ausgelöst wurde. «Die Zerstörung ist gross», sagte der Bürgermeister von Ziarat, Dilawar Kakar. «Kein einziges Haus ist intakt geblieben.» Hunderte von Bewohnern seien verletzt worden.

Nachts sinken Temperaturen unter Gefrierpunkt

«Wir brauchen Nahrungsmittel, wir brauchen Medikamente», sagte der Bürgermeister. «Die Leute brauchen warme Kleidung und Decken, weil es kalt hier ist.» Nachts sinken die Temperaturen in der Region unter den Gefrierpunkt.

Im Dorf Sohi sah ein Reporter des Fernsehnachrichtendienstes APTN allein in einem eingestürzten Haus die Leichen von 17 Menschen. Nachbarn gruben ein Massengrab, um sie zu beerdigen. In den Trümmern von weiteren Häusern werde noch nach verschütteten Bewohnern gesucht, sagte der Dorfälteste Shamsullah Khan. Überlebende sammelten sich auf den Strassen, im Schlafanzug als einzig verbliebenem Besitz.

In die Kliniken der nahegelegenen Stadt Kawas und der Provinzhauptstadt Quetta wurden immer mehr Tote und Verwundete gebracht. Ein Patient, Raz Mohammed, sagte, er sei von schreienden Kindern geweckt worden, ehe er den Erdstoss gespürt habe. «Ich eilte zu ihnen, aber das Dach ist eingestürzt und ein Eisenträger hat mich getroffen», sagte er im Krankenhaus von Quetta. «Das Ding hat mir den Rücken gebrochen, und ich habe grosse Schmerzen. Aber Gott sei Dank sind meine Kinder und Verwandten in Sicherheit.»

EU sichert rasche Hilfe zu

Armeehubschrauber brachten Zelte, Decken und Lebensmittelpakete in die betroffenen Dörfer. Viele Strassen der Region sind blockiert. In Quetta wurde ein Feldhospital errichtet. Nach einem Hilfegesuch Pakistans stellte die EU schnelle Unterstützung in Aussicht.

Pakistan liegt in einer seismisch aktiven Zone. Im Oktober 2005 kamen bei einem Erdbeben der Stärke 7,6 in Kaschmir und im Norden Pakistans etwa 80 000 Menschen ums Leben, hunderttausende wurden obdachlos. (dapd)

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