WEF 2022: Über 18’000 Franken pro Nacht – Zimmerpreise in Davos explodieren
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WEF 2022Über 18’000 Franken pro Nacht – Zimmerpreise in Davos explodieren

Das WEF treibt die Preise für Unterkünfte in Davos in die Höhe. Insbesondere private Vermieter wollen absahnen und verlangen mehrere Tausend Franken pro Nacht.

von
Barbara Scherer
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Private Anbieter verlangen horrende Preise für Unterkünfte während des WEF.

Private Anbieter verlangen horrende Preise für Unterkünfte während des WEF.

Screenshot Airbnb
Ein Appartement in einem Chalet kostet pro Nacht 18’433 Franken. Ein Studio über 10’000 Franken.

Ein Appartement in einem Chalet kostet pro Nacht 18’433 Franken. Ein Studio über 10’000 Franken.

Screenshot Airbnb
Auch die Hotelzimmer sind teuer. Für das letzte verfügbare Standard-Dreibettzimmer verlangt das Hotel Edelweiss zwischen 22. und 26. Mai 17’197 Franken.

Auch die Hotelzimmer sind teuer. Für das letzte verfügbare Standard-Dreibettzimmer verlangt das Hotel Edelweiss zwischen 22. und 26. Mai 17’197 Franken.

Screenshot Booking.com

Darum gehts

  • Vom 22. bis 26. Mai findet das WEF zum ersten Mal nach zwei Jahren Pause wieder in Davos statt.

  • Obwohl der Anlass in der Nebensaison stattfindet, explodieren die Hotelpreise.

  • Private Anbieter verlangen besonders viel Geld für Unterkünfte und nerven damit den Davoser Tourismusverband.

Nach zwei Jahren Pause ist es wieder so weit: Ab Sonntag, 22. Mai, findet das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos statt. Wegen der Omikron-Welle im Winter wurde die Veranstaltung vom Winter in den Frühling verschoben. Obwohl die Hauptsaison vorbei ist, explodieren nun die Hotelpreise in Davos.

So kostet etwa das letzte Standard-Dreibettzimmer im Hotel Edelweiss zwischen 22. und 26. Mai auf der Buchungsplattform Booking.com 17’197 Franken. Das sind über 4000 Franken pro Nacht. Das gleiche Angebot kostet einige Wochen später noch zwischen 750 und 980 Franken für vier Nächte.

Zwei Schlafzimmer für sechs Personen

Beim Hotel Edelweiss hält man sich bedeckt: Man gebe keine Auskunft zum WEF oder zur Preispolitik, heisst es auf Anfrage. Dabei geht es noch teurer: Auf Airbnb kostet eine Wohnung in einem  Chalet in Davos Dorf während des WEF 18’433 Franken pro Nacht. 

Ausserhalb des WEF ist das Appartement nicht verfügbar. Dabei bietet die Wohnung zwei Schlafzimmer und ein Bett. Es können aber laut Aibnb-Anzeige bis zu sechs Personen einquartiert werden – wo diese schlafen sollen, ist unklar. Die Vermieterin Miko GmbH will keine Auskunft geben.

Wucherpreise bei privaten Vermietern

Auch andere private Anbieter verlangen sehr hohe Preise. So kostet etwa ein Studiozimmer ohne Bad für eine Person während des WEF 10’383 Franken pro Nacht. Die überteuerten Preise der privaten Vermieter sind dem Davoser Tourismusverband ein Dorn im Auge.

«Das ist schlecht fürs Image der Ferienregion», sagt Reto Branschi, CEO der Destination Davos Klosters. Anders sei es bei den Hotels oder den professionellen Ferienwohnungsagenturen: Die meisten haben einen Vertrag mit dem WEF.

Sie dürfen während des Anlasses nur 20 Prozent mehr verlangen als der höchste Saisontarif. Dafür stellen die Hotels zwischen 85 und 90 Prozent ihrer Zimmer dem WEF zur Verfügung.

«Weil das WEF kurzfristig verschoben wurde, dürfen die Hotels mit den Preisen der Wintersaison rechnen», erklärt Branschi. Dafür habe das WEF nach der Verschiebung keine Stornierungsgebühren zurückbezahlt im Januar. Ein Preisproblem mit den Hotels habe Davos während des WEF darum nicht.

Auch ein paar wenige private Anbieter halten sich an die Preisvereinbarung. «Die meisten verlangen aber überteuerte Fantasiepreise, das verurteilen wir», so Branschi. Gegen die Wucherpreise könne der Tourismusverband aber nicht viel ausrichten.

Davos einmal ohne Schnee sehen

Dass das WEF nun im Frühling stattfindet, ist für Davos eine Umstellung. Denn normalerweise sind viele Tourismusbetriebe im Mai geschlossen. Das WEF verkürzt nun die Saisonpause und die Ferien vieler Angestellten. Es sei aber auch eine Chance für Davos. 

«Jetzt sehen die Leute die Bergregion einmal ohne Schnee», sagt Branschi. Das könne dazu anregen, ausserhalb der Wintersaison in die Berge zu reisen. Ob das WEF für mehr Touristinnen und Touristen im Sommer sorgt, hänge aber auch davon ab, wie der Anlass verlaufe.

Das ist das WEF

Das WEF ist eine der wichtigsten wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen der Welt. Es findet für gewöhnlich Ende Januar in Davos statt. Bisher haben jeweils rund 3000 Personen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur daran teilgenommen. Sie stammten aus rund 90 Ländern. Rund 500 Medienschaffende berichten für in- und ausländische Medien über das Geschehen in Davos. Das viertägige Forum kostet den Steuerzahler offiziell mindestens neun Millionen Franken an Sicherheitskosten. Das WEF verfügt über ein Eigenkapital von 310 Millionen Franken. Laut einer Studie der HSG St. Gallen beträgt der durch das WEF ausgelöste Gesamtumsatz in Davos rund 60 Millionen Franken und in der gesamten Schweiz rund 94 Millionen Franken. 

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