Frankreich/Grossbritannien – Drama auf Ärmelkanal – Mindestens 27 Personen sterben, als Boot sinkt
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Frankreich/Grossbritannien Drama auf Ärmelkanal – Mindestens 27 Personen sterben, als Boot sinkt

Ein Boot der französischen Marine hat am Mittwochnachmittag vor Calais mehrere Schiffbrüchige entdeckt. 20 Asylsuchende, die von Frankreich nach Grossbritannien unterwegs waren, konnten nur noch tot geborgen werden.

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Am Mittwochnachmittag sank im Ärmelkanal vor Calais ein Flüchtlingsboot, das nach Grossbritannien unterwegs war.

Am Mittwochnachmittag sank im Ärmelkanal vor Calais ein Flüchtlingsboot, das nach Grossbritannien unterwegs war.

Reuters/Gonzalo Fuentes
Dabei kamen nach Angaben der Polizei mindestens 20 Personen ums Leben.

Dabei kamen nach Angaben der Polizei mindestens 20 Personen ums Leben.

Reuters/Gonzalo Fuentes
Seit Jahresbeginn hat es über 31’500 illegale Überfahrten von Frankreich nach Grossbritannien gegeben.

Seit Jahresbeginn hat es über 31’500 illegale Überfahrten von Frankreich nach Grossbritannien gegeben.

Reuters/Gonzalo Fuentes

Darum gehts

  • Vor der Küste Frankreichs ist ein Flüchtlingsboot gekentert.

  • Die französische Marine entdeckte die Schiffbrüchigen, von denen mehr als 20 nur noch tot geborgen werden konnten.

  • Seit Jahresbeginn verzeichnete die zuständige Präfektur über 31’500 Überfahrten.

Beim Kentern eines Flüchtlingsbootes im Ärmelkanal sind mindestens 20 Menschen gestorben. Die Besatzung eines Bootes der französischen Marine habe am Mittwochnachmittag vor der Küste von Calais eine Gruppe Menschen im Wasser treiben sehen, teilte das Innenministerium in Paris mit. 20 von ihnen konnten nur noch tot geborgen werden, wie die französische Polizei mitteilt. Mehrere Schiffbrüchige wurden teils bewusstlos von der Marine an Bord genommen. Es gebe grosse Betroffenheit angesichts des Dramas beim Kentern des Bootes, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin am Mittwoch.

Rettungsschiffe und Hubschrauber im Einsatz

Wie die Maritime Präfektur während der noch laufenden Rettungsaktion mitteilte, habe ein Fischerboot den Notruf abgesetzt, dass sich mehrere Migranten in Seenot im Ärmelkanal befänden. Drei Rettungsschiffe und zwei Hubschrauber seien daraufhin zum Einsatz gekommen. Mehrere Verunglückte hätten inzwischen geborgen werden können, einige seien in Lebensgefahr. Von Toten war zunächst nicht die Rede. Aus der Luft und per Boot werde im Meer nach möglichen weiteren Schiffbrüchigen gesucht.

Innenminister Gérald Darmanin kündigte an, sich nach Calais zu begeben. Die Staatsanwaltschaft in Dunkerque nahm Ermittlungen wegen «besonders schweren Totschlags» auf. «Der Ärmelkanal wird allmählich zu einem Friedhof, so wie das Mittelmeer», sagte Pierre Roques von der Hilfsorganisation L’Auberge des Migrants.

6000 Euro für ungewisse Überfahrt

Mehrere Politiker erklärten, dass mehr getan werden müsse, um die Schlepper zu bekämpfen. «Wir brauchen mehr Mittel, um das Netz der Schlepper zu zerstören, die das Elend ausnutzen», schrieb der konservative Präsidentschaftskandidat Xavier Bertrand auf Twitter.

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass die Polizei 15 mutmassliche Schlepper aus dem Irak, Rumänien, Pakistan und Vietnam in Gewahrsam genommen hat. Sie sollen monatlich etwa 250 Migranten in Booten nach Grossbritannien gebracht haben. Für die Überfahrt hätten sie 6000 Euro pro Person erhalten und insgesamt drei Millionen Euro Gewinn gemacht.

In der Gegend von Calais halten sich zahlreiche Migranten auf. Hilfsorganisationen kritisieren, dass Sicherheitskräfte regelmässig deren Lager räumen und dabei Zelte und Schlafsäcke zerstören. Den Migranten werden Notunterkünfte in anderen Landesteilen angeboten. Viele von ihnen versuchen jedoch weiter, nach Grossbritannien zu gelangen.

31’500 Überfahrten seit Jahresbeginn

Nach Angaben der zuständigen Präfektur ist die Zahl der versuchten Überfahrten von Frankreich nach Grossbritannien seit Beginn des Jahres auf 31’500 gestiegen. Damit hat sie sich seit August verdoppelt. Etwa 7800 Menschen wurden aus Seenot gerettet. Insgesamt sind 2021 bislang mindestens zwölf Menschen gestorben oder gelten als vermisst. Die Überfahrten von Migranten nach Grossbritannien tragen erheblich zu den Spannungen zwischen Paris und London bei.

Die Migranten nutzen oft seeuntaugliche Boote und zahlen Schleppern hohe Preise. Viele wollen nach Grossbritannien, weil sie die Sprache sprechen und dort bereits Bekannte oder Verwandte haben. Der Anstieg der Zahlen seit August dürfte damit zu tun haben, dass die Überfahrt mit den sinkenden Temperaturen demnächst noch gefährlicher wird.

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(AFP/DPA/bho)

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