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BerlinÜber 50 000 protestieren gegen Atomkraft

Zehntausende Atomkraftgegner haben am Samstag in Berlin den Ausstieg aus der Kernenergie gefordert. Die Polizei lobte den «ausgesprochen ruhigen Verlauf» des Protests.

Nach Angaben der Veranstalter der Demonstration versammelten sich über 50 000 Menschen. Hunderte von ihnen waren mit Traktoren aus dem Wendland angereist. Die Veranstaltung war zugleich ein lautstarker Protest gegen eine mögliche Koalition von Union und FDP, die beide für längere Laufzeiten eintreten. «Wer Merkel wählt, wählt Atomkraft», plakatierten die Demonstranten.

Die Polizei nannte keine eigenen Zahlen zu den Demonstranten. Sie lobte am Nachmittag allerdings den «ausgesprochen ruhigen Verlauf» des Protests. Für die Polizei habe es sich um ein «reines Verkehrsproblem» gehandelt. 600 Beamten waren in der Hauptstadt im Einsatz.

Umweltminister begrüsst Protest

Unter dem Motto «Mal richtig abschalten» fordert die von Umweltverbänden und Bürgerinitiativen getragene Demonstration die Stilllegung aller Atomkraftwerke und einen Verzicht auf alle Lagerstätten, unter anderem in Gorleben im Wendland. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel begrüsste den Protest. Er zeige, dass die Aufkündigung des Konsenses zum Atomausstieg durch eine mögliche schwarz-gelbe Bundesregierung «auf entschiedenen Widerstand in der Bevölkerung stossen würde», sagte der SPD-Politiker dem «Tagesspiegel am Sonntag».

Keine Politiker auf der Bühne

Nach Angaben der Organisatoren waren am Samstag rund 400 Traktoren in der Hauptstadt. Über 30 Schlepper führten den Demonstrationszug vom Hauptbahnhof durch Berlins Mitte zum Brandenburger Tor an. Alle anderen nahmen vor dem Brandenburger Tor Aufstellung. Dort fand auch die Abschlusskundgebung statt.

SPD, Grüne, Linke und zahlreiche Umweltverbände unterstützen die Demonstranten. Ihre Flaggen sorgten in dem langen Zug ebenso für Farbe wie die gelb-roten Fahnen mit dem Schriftzug «Atomkraft? Nein danke» und die grün-orangenen Banner der «Republik Freies Wendland».

«Wir freuen uns über alle, die sich am Protest beteiligen. Trotzdem legen wir Wert auf unsere parteipolitische Unabhängigkeit», sagte der Sprecher der Veranstalter, Jochen Stay. So standen auch keine Parteipolitiker auf der Kundgebungsbühne. Ein Redner der «Bäuerlichen Notgemeinschaft Lüchow Dannenberg» forderte «Schluss mit der Atomstromproduktion» und ein Abschaltung aller Anlagen. Die Menschen im Wendland würden es nicht hinnehmen, dass Atomabfälle in unsicheren Lagern gelagert würden.

Atom- und Kohle «blockieren erneuerbare Energien»

Für den Einsatz von Wind- und Solarenergie statt Atomenergie warb der Präsident des Bundesverbands WindEnergie, Hermann Albers, auf der Kundgebung. «Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke blockieren den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Sie verstopfen Stromnetze und Strommärkte.»

Längere Laufzeiten stünden ebenso wie Baupläne für neue Kohlekraftwerke dem Ausbau der erneuerbaren Energien im Weg, erklärte Albers. «Ein harmonisches Miteinander der Technologien ist ein Märchen der grossen Energiekonzerne.» Werde der Ausstieg vollzogen und würden die Anstrengungen für mehr Energieeffizienz verstärkt, könne das Ziel von 40 Prozent weniger CO2-Ausstoss bis 2020 mit erneuerbaren Energien erreicht werden. (dapd)

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