Eidgenössische Abstimmung: Über 57 Prozent für Minarett-Verbot
Aktualisiert

Eidgenössische AbstimmungÜber 57 Prozent für Minarett-Verbot

Überraschung bei der Minarett-Initiative: Die Minarett-Initiative wird mit 57.5 Prozent deutlich angenommen. Die Umfragewerte im Vorfeld der Abstimmung deuteten noch auf ein Nein hin.

von
meg

Das Resultat ist deutlich: Die Initiative gegen den Bau von Minaretten wird mit 57.5 Prozent vom Volk deutlich angenommen. Das Forschungsinstitut gfs.bern sagte bereits um 12.30 Uhr, es stehe ausser Zweifel, dass eine Mehrheit der Stimmenden für das Bauverbot stimmte, wie Longchamp im Schweizer Radio DRS sagte.

Bei der letzten Umfrage von Mitte November hatten sich lediglich 37 Prozent der Befragten für die Initiative ausgesprochen. Mit ihrer umstrittenen Kampagne gelang es den Befürwortern offenbar, in der letzten Phase des Abstimmungskampfes viele Unentschlossene für sich zu gewinnen.

Wie bei vielen Abstimmungen ist bei der Minarett-Abstimmung ein Röstigraben zu beobachten, wenngleich kein ausgeprägter: In der Deutschweiz sagte nur ein einziger Kanton Nein. Es handelt sich um den Kanton Basel-Stadt. In der Westschweiz sagten dagegen drei Kantone Nein: Genf, Waadt und Neuenburg.

Zustimmung vielerorts über 60 Prozent

Am deutlichsten fiel die Zustimmung in Appenzell Innerrhoden mit 71 Prozent aus. Über 65 Prozent Ja-Stimmen gab es auch in den Kantonen Glarus, St. Gallen, Thurgau, Schwyz und Tessin.

Zwischen 60 und 65 Prozent lag die Zustimmung in den Kantonen Aargau, Bern, Appenzell Ausserrhoden, Schaffhausen, Nidwalden, Obwalden, Luzern, Uri und Solothurn. Unter 60 Prozent stimmten der Initiative in den Kantonen Zürich, Basel-Land, Graubünden, Freiburg, Wallis und Jura zu.

Nur SVP und EDU dafür

Das Ja erstaunt umso mehr, als sich nicht einmal die SVP geschlossen für das Minarett-Verbot einsetzte. Mit Ausnahme der SVP und der EDU hatten sich zudem alle Parteien gegen die Initiative ausgesprochen.

Auch der Bundesrat und das Parlament lehnten die Initiative für ein Verbot von Minaretten ab. Ein Ja würde die Religionsfreiheit verletzen und den religiösen Frieden in der Schweiz gefährden, argumentierten die Gegner.

Die Befürworter gaben an, mit der Initiative gegen eine zunehmende «Islamisierung» kämpfen zu wollen. Sie sehen in Minaretten Symbole für einen Machtanspruch des Islams. Zu reden gaben im Abstimmungskampf insbesondere die Plakate der Befürworter. Sie stellten vor dem Hintergrund der Schweizer Fahne Minarette dar, die an Raketen erinnerten.

Verhältnis zum Islam

Die Anti-Minarett-Initiative wurde nicht nur von SVP- und EDU- Wählern befürwortet: Der Ja-Anteil gehe über deren Potenzial hinaus, sagte der Politologe Claude Longchamp vom Forschungszentrum gfs.bern.

Das Ja ist laut Longchamp wahrscheinlich deshalb zustande gekommen, weil die Initiative eine breite Debatte über das Verhältnis zum Islam auslöste. So habe es viele verschiedene Gründe für ein Ja gegeben. (meg/sda/dapd)

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