Amnesty International ist alarmiert: Über 6500 WM-Tote sind für Katar «ein kleiner Prozentsatz»
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Amnesty International ist alarmiertÜber 6500 WM-Tote sind für Katar «ein kleiner Prozentsatz»

Über 6500 Menschen sollen seit der Vergabe der Fussball-WM nach Katar gestorben sein. Eine schockierende Zahl. Nun meldet sich der WM-Gastgeber Katar zu Wort. Ebenso Amnesty International.

von
Nils Hänggi
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Katar steht in der Kritik. Mehr als 6500 Arbeiter sollen seit der Vergabe der WM an den Wüstenstaat auf den Baustellen gestorben sein. 

Katar steht in der Kritik. Mehr als 6500 Arbeiter sollen seit der Vergabe der WM an den Wüstenstaat auf den Baustellen gestorben sein.

imago/MIS
Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage der DPA, in dem Emirat lebten mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern. Von diesen Millionen Menschen sei ein «kleiner Prozentsatz» verschieden.

Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage der DPA, in dem Emirat lebten mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern. Von diesen Millionen Menschen sei ein «kleiner Prozentsatz» verschieden.

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Die Fussball-WM findet 2022 statt. 

Die Fussball-WM findet 2022 statt.

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Darum gehts

  • Mehr als 6500 Gastarbeiter starben bisher bei Bauarbeiten zur WM in Katar.

  • Dies vermeldete der «Guardian».

  • Nun weist Katar die Vorwürfe von sich.

  • Für Amnesty International sind die neuen Zahlen derweil alarmierend.

Die Zahl, die schockierte. Mehr als 6500 Arbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka sollen in Katar, dem Gastgeberland der Fussball-WM 2022, zwischen 2010 und 2020 gestorben sein. Dies berichtete der «Guardian» am Dienstag. Die Zeitung trug die Zahlen aus Regierungsquellen zusammen. Die tatsächliche Zahl sei, so der «Guardian», gar noch deutlich höher, da die toten Arbeiter aus Kenia oder den Philippinen fehlen würden – ebenso die Todesfälle des Jahres 2020.

Katars Regierungspressestelle erklärte auf Anfrage der deutschen Presseagentur, dass in dem Emirat mehr als 1,4 Millionen Menschen aus den genannten Ländern kommen. Zu ihnen gehörten Studenten, Ältere und Arbeiter in verschiedenen Industrien. Weitere Millionen hätten in den vergangenen zehn Jahren in Katar gelebt und seien in die Heimat zurückgekehrt. Von diesen Millionen Menschen sei ein «kleiner Prozentsatz» verschieden, heisst es weiter. Die Sterberate liege in einem Bereich, der für diese Grösse und diese demografische Zusammensetzung zu erwarten sei.

Auch die Fifa und das WM-Organisationskomitee meldeten sich zu Wort. «Wir bedauern alle diese Tragödien zutiefst und haben jeden Vorfall untersucht, um sicherzustellen, dass Lehren daraus gezogen wurden», liess das Komitee verlauten. Die Fifa sagt auf «Guardian»-Anfrage, dass man sich voll und ganz verpflichte, die Rechte der Arbeiter bei Fifa-Projekten zu schützen. «Die Häufigkeit der Unfälle auf den Baustellen der Fifa-WM war bis jetzt niedrig im Vergleich zu anderen grossen Bauprojekten auf der Welt.»

«Der Bericht ist alarmierend»

Also doch alles gut? Oder sind es nur Ausreden, die Katar, das WM-Organisationskomitee und die Fifa tätigen? Für Amnesty International ist jedenfalls klar: Die Situation im Wüstenstaat ist besorgniserregend. Auf Anfrage von 20 Minuten meint Beat Gerber von Amnesty International Schweiz: «Der Bericht, der enthüllt, dass zwischen 2010 und 2020 in Katar 6500 Gastarbeiter ums Leben gekommen sind, ist zutiefst alarmierend und bestärkt die Befürchtungen, dass Arbeitsmigranten bei diesem Turnier den höchsten Preis zahlen.»

«Es war von Anfang an klar, dass Katar seine Standards für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz sowie seine Schutzmechanismen stärken muss, damit wir nicht mit der traurigen Realität enden, dass tausende von Arbeitsmigrantinnen und -migranten ihr Leben verlieren, damit das Land diese Fussball-WM ausrichten kann», so Gerber weiter. «Die Massnahmen, die Katar bisher ergriffen hat, scheinen nicht auszureichen, und es muss mehr getan werden, um Gastarbeiter vor den schwierigen Arbeitsbedingungen zu schützen.»

Amnesty fordert Transparenz und Entschädigungen

Amnesty fordert aus diesem Grund von Katar Transparenz über die Zahlen und Ursachen der Todesfälle. Auch fordert die Menschenrechtsorganisation die Regierung eindringlich auf, eine gründliche und unabhängige Untersuchung der häufigsten Todesursachen durchzuführen. Gerber sagt: «Katar muss ein ordentliches Verfahren zur Untersuchung dieser Todesfälle einrichten und Autopsien durchführen, um die tatsächlichen Ursachen für die ungeklärten Todesfälle junger Gastarbeiter zu ermitteln, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Entschädigung der Familien sicherzustellen.»

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirche

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

233 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

larve

24.02.2021, 20:13

Das passt zu Infantino, der interessiert nur das Geld, ein würdiger Nachfolger von Blatter!

Boykottierer

24.02.2021, 11:19

Boykottieren und basta, habe ich mir schon 2014 vorgenommen, als klar wurde, dass es keine Neuvergabe geben würde, obwohl schon damals Berichte auf dem Tisch lagen, dass tausende von Arbeitern sterben würden.

uff

24.02.2021, 09:31

Die WM hätte nie an Katar vergeben werden dürfen!