Aktualisiert 14.05.2016 15:34

Über Burmas längste Brücke in eine andere Welt

Hsipaw in Burmas Osten lockt Backpacker mit nostalgischem Ambiente und langen Wanderungen. Doch die Lage an der Grenze zu China bleibt instabil.

von
Claudio Sieber
14.5.2016
Der Goteik-Viadukt ist Burnas längste Eisenbahnbrücke.

Der Goteik-Viadukt ist Burnas längste Eisenbahnbrücke.

Claudio Sieber/Travelbuddy
Von Mandalay führt die Reise in den Shan-Staat, genauer gesagt nach Hsipaw.

Von Mandalay führt die Reise in den Shan-Staat, genauer gesagt nach Hsipaw.

Claudio Sieber/Travelbuddy
Dort tuckern alte Vehikel durch die Strassen ...

Dort tuckern alte Vehikel durch die Strassen ...

Claudio Sieber/Travelbuddy

Mandalay, vier Uhr morgens. Der chinesische Zug wartet bereits. Reisende schnüren ihre Siebensachen fest. Wir rollen nicht, wir stechen in See: Elf Stunden Schaukeln im Eisenbahnwagon erwarten uns. Und naschen, denn im Stundentakt huschen fliegende Händler umher. An farbenfrohen Feldern vorbei führt die Strecke über den Goteik-Viadukt, die mit 102 Metern längste Eisenbahnbrücke des Landes nach Hsipaw. Die Stadt in Burmas Shan-Staat ist keine kleine Nummer mehr. Hier darf man schon seit geraumer Zeit ohne Genehmigung wandern und die Dörfer der einheimischen Minderheit erkunden.

Chinesischer Einfluss

Minimaler Fortschritt ist erkennbar. Chinesischer Fortschritt. Was Geld einbringt, gehört praktisch ausschliesslich den finanzstarken Nachbarn. Verzweifelt suche ich nach einer Unterkunft, die nicht von immigrierten Händen geführt wird. Flankiert von satanischen Geräuschen rumpeln vieleckige Fahrgeräte durch die Gassen. Ich fühle mich als Statist in einem alten «Mad Max»-Film. Chinesische Militärvehikel aus dem Zweiten Weltkrieg wurden für die hiesige Landwirtschaft frisiert, auseinandergeschraubt und anders wieder zusammengesetzt. Die Fahrer lugen kokett von rustikalen Holzbänken herab und biegen per Handzeichen ab. Die kleineren, handlicheren Rostlauben entstanden offensichtlich zu einer Zeit, bevor das Auspuffrohr erfunden wurde.

Etwas nach Mitternacht. Die Bauern der Aussenbezirke verfrachten ihre Ware nach Hsipaw. Frischer können Früchte, Fische und Gemüse wohl kaum ergattert werden. Die Marktfrauen präsentieren schlaftrunken ihre Waren, Kerzenschein umhüllt ihre Leiber. Die ersten Bettflüchtlinge schwirren auf Motorrädern daher. Alles, was die Feldküche heute braucht oder woanders weiterverkauft werden kann, wird an das Zweirad gehängt. Ein nostalgisches Ambiente.

Krasser Kontrast an der Grenze

Um dem Massen-Backpacking zu entkommen, schliesse ich einen geheimen Pakt mit vier anderen Abtrünnigen. Wir heuern an bei Sawmmy. Er führt uns nach Namshan, oder zumindest in die verschlafenen Nester der Palaung, Lisu und anderen Minderheiten. Namshan ist seit kurzem wieder Sperrgebiet. Der Grund ist offensichtlich: All die spannenden Geldquellen wie Agrarwirtschaft, Wasser, Gas und Edelsteine gehören faktisch den Ethnien. Die ehemalige Militärregierung will die Ressourcen selbstständig «verwalten». Mit Verwaltung ist jedoch eher gemeint, den Profit in die eigenen Taschen zu lotsen oder die Ressourcen zum Wohle der eigenen Taschen an China zu verkaufen.

Gerade in der Grenzregion vom Shan-Staat und Chinas Provinz Yunnan wird es offensichtlich: Yunnans Bevölkerung explodiert und wird zunehmend wohlhabender, während Burmas Osten seit Jahrzehnten vor sich herdümpelt. Nachhaltigkeit betreffend China-Projekte sowie Frieden mit den ethnischen Minderheiten gehören denn auch zu den wichtigsten Punkten auf der Agenda von Aung San Suu Kyi und dem neuen Präsidenten Htin Kyaw.

Weltenbummler

Claudio Sieber spurtete 15 Jahre lang für die grafische Branche. Heute setzt der 33-Jährige seine Energie für sich selbst ein. Als Fotograf und Reiseblogger. Seit Januar 2014 ist der Langzeit-Nomade bereits unterwegs, um die Schönheit dieser Erde zu erkunden. Dabei lernt der Ostschweizer die vielseitigsten Menschen kennen und steigert täglich sein Bewusstsein für die Welt.

Auf seinem Blog Travelbuddy.ch und auf 20 Minuten teilt er seine Erlebnisse.

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