Ozonbelastung: «Über den Mittag joggen zu gehen, ist ein Fehler»
Publiziert

Ozonbelastung«Über den Mittag joggen zu gehen, ist ein Fehler»

Die Ozon-Belastung ist vielerorts über dem Grenzwert, Bergsteigen wird wegen der UV-Strahlung gefährlich. Nun gibt es erste Tempo-Limits.

von
ehs
1 / 8
«Ozon sollte man sich nicht zu oft aussetzen und keinen Sport über Mittag treiben», sagt Peter Wick, Meteorologe bei Meteonews.

«Ozon sollte man sich nicht zu oft aussetzen und keinen Sport über Mittag treiben», sagt Peter Wick, Meteorologe bei Meteonews.

iStock
Über den Mittag sei die Ozonbelastung am höchsten, sagt Wick. Dann könne es etwa zu Reizungen der Atemwege kommen, wenn man joggen gehe.

Über den Mittag sei die Ozonbelastung am höchsten, sagt Wick. Dann könne es etwa zu Reizungen der Atemwege kommen, wenn man joggen gehe.

iStock
Je höher die Belastung, desto schädlicher werde das Gas. Es könne zu Reizungen, roten Augen, Hustenanfällen oder Übelkeit kommen, so Wick.

Je höher die Belastung, desto schädlicher werde das Gas. Es könne zu Reizungen, roten Augen, Hustenanfällen oder Übelkeit kommen, so Wick.

Keystone/Gaetan Bally

Die Ozon-Grenzwerte werden mittlerweile fast flächendeckend überschritten. Der gültige Grenzwert beträgt 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft und dürfte eigentlich nur einmal pro Jahr überschritten werden. Um 14 Uhr wurden am Donnerstag an einer Messstation in Zürich 176 Mikrogramm gemessen. Im Südtessin wurden über einen längeren Zeitraum über 240 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen, die Regierung beschloss ein Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde auf den Autobahnen (siehe Box).

Die hohe Ozonbelastung bringt Einschränkungen mit sich. «Über Mittag joggen zu gehen, ist bei diesen hohen Temperaturen und der momentanen Ozonbelastung ein Fehler», sagt Peter Wick, Meteorologe bei Meteonews. «Ozon sollte man sich nicht zu oft aussetzen und keinen Sport über Mittag treiben.» Ozon sei in kleinen Mengen kein Problem. Je höher die Belastung, desto schädlicher werde es.

«Kein Entkommen»

Es könne zu Reizungen oder roten Augen kommen, sagt Wick. Auch Hustenanfälle, Übelkeit bei schwerem Atem und Reizhusten seien Folgen des Ozons. Es gebe zudem Hinweise darauf, dass es zu mehr Asthmaanfällen komme, einige Studien gingen von einer erhöhten Sterblichkeit aus.

Ozon sei ein Gas, das in Bodennähe vorkomme, so Wick. Sonneneinstrahlung, Erwärmung und Autoverkehr seien begünstigende Faktoren. Über den Mittag sei die Belastung am höchsten, in der Nacht baue sich das Gas wieder ab. Lebensgefährlich sei Ozon aber nicht. Entgehen könne man ihm in geschlossenen Räumen, in denen die Belastung nachweislich geringer sei.

«Aufenthalt im Freien vermeiden»

Doch nicht nur Ozon, auch die UV-Strahlung stellt zurzeit ein Risiko dar. Auf dem UV-Index, der von 1 (schwache Strahlung) bis 11 (extrem hohe Strahlung) reicht, sind grosse Teile des Mittellands zurzeit bei der Stufe 7 und 8. Das bedeutet, dass ein zusätzlicher Schutz etwa durch Kleidung und Sonnencreme erforderlich ist. In den Bergen und ab Höhen von etwa 3000 Metern wird zurzeit sogar der höchste Wert erreicht. «Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden», empfiehlt der Bund bei dieser Stufe. Am Freitag dürften die Belastungen weiter steigen.

«Im Hochgebirge ist die Belastung höher, weil der Schnee die Strahlung reflektiert und die Strahlung durch die dünnere Atmosphäre weniger gefiltert wird», sagt Meteorologe Peter Wick. Wichtig sei, die richtige und genug starke Sonnencreme zu verwenden. Das sei je nach Hauttyp verschieden. Kleine Kinder und Bergsteiger müssten besonders auf sich achtgeben.

«Kinder sollten schon am Morgen eingeschmiert werden», sagt Wick. Dieser Tage sei die UV-Strahlung zudem am höchsten, weil der Weg der Strahlung durch die schützende Atmosphäre am kürzesten sei.

Das tun Kantone gegen das Ozon

Der Kanton Tessin hat wegen der hohen Ozonbelastung ein Tempolimit von 80 km/h auf den Autobahnen verhängt. Auf diese Massnahme setzte in Vergangenheit auch der Kanton Graubünden. Soweit dürfte es aber nicht kommen. Die aktuellen Bedingungen mit hohen Temperaturen und viel Sonneneinstrahlung begünstigten zwar die Ozonbildung, und hinzu kämen die ausbleibenden Gewitter, sagt Hanspeter Lötscher vom Amt für Natur und Umwelt. «Die Belastung dürfte jedoch nicht mehr gross ansteigen». Insgesamt hätten die Ozon-Belastungen in den letzten Jahren stark abgenommen. Die meisten Autos seien sauberer geworden und würden viel weniger Stickoxide ausstossen. Sie seien nur noch wegen der grossen Anzahl ein Problem. Auch in der Indsutrie und im Gewerbe seien viele Massnahmen umgesetzt worden, so Lötscher. «Trotz all diesen Massnahmen ist nötig, weitere Massnahmen zu treffen, um die Ozonbelastung langfristig zu reduzieren.»

Deine Meinung