Valposchiavo: Über den Pass in eine andere Welt

Stille Schönheit: Der Berninapass im Winter.

Stille Schönheit: Der Berninapass im Winter.

Juliette ChrétienSturzenegger
Publiziert

ValposchiavoÜber den Pass in eine andere Welt

Wie eine Melodie ziehen sich die Jahreszeiten durch die Valposchiavo. Jede hat ihren eigenen Takt. Im Winter sind das wundersame Tal und seine Landschaften in Stille gehüllt – nur auf dem Berninapass wird fleissig geschaufelt, damit Reisende den Weg ins Tal finden.

von
Stephanie Elmer, Transhelvetica

Der rote Zug zieht durch die eisige Welt, hütet die Strapazen, die das kalte Weiss dem Schneeräumungsteam ein paar Stunden zuvor abverlangte, als Geheimnis. Schon immer war es eine Herausforderung, den Pass über den Winter offenzuhalten. Rau sind die Naturgewalten auf der Passhöhe, die Winde, die den Schnee auftürmen und zu Wechten formen.

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Als 1906 mit dem Bau der Bahn begonnen wurde, entschied man sich für eine Streckenführung an den schönsten Aussichtspunkten vorbei, wo der Blick über das ganze Tal schweifen kann. 2500 Arbeiter, vorwiegend aus Italien, arbeiteten Meter für Meter, hausten in kalten Baracken und noch kälteren Zelten. Ab der Alp konnte nur während weniger Monate gearbeitet werden, zu garstig war das Klima im Winter.

Trotzdem konnte bereits vier Jahre später der erste Zug von der Valposchiavo Richtung Engadin losfahren. Im Jahr 1913 wurde der Pass dann zum ersten Mal über den Winter offengehalten – eine Schneeschleuder mit Dampf frass sich langsam durch die gewaltigen Schneemassen, verschwand im aufgewühlten Schneegestöber, das sich mit dem Dampf vereinte. Bis 1965 sollte die Bahnverbindung die einzige Möglichkeit bleiben, um in den Wintermonaten in die Valposchiavo zu reisen.

Ohne sie wäre es schwierig, den Pass über den Winter offenzuhalten: «La Bestia», eine der beiden Berninafräsen.

Ohne sie wäre es schwierig, den Pass über den Winter offenzuhalten: «La Bestia», eine der beiden Berninafräsen.

Juliette Chrétien

 

Heute werden die Gleise mit «La Bestia» vom Schnee befreit. Die Bestie – hart ist der Name für den liebevollen, stolzen, bewundernden Ton, mit dem er ausgesprochen wird. Von den Mitarbeitern der Rhätischen Bahn, von Bahnbegeisterten, den Technikfreunden, den Staunenden, die im Winter über den Pass fahren und vielleicht einen Blick auf eine der beiden Berninafräsen erhaschen. Achteinhalb Tonnen Schnee können sie pro Stunde in hohem Bogen wegschleudern, bis zu 40 Meter weit, und dabei eine sechs Meter breite Spur freiräumen. Ohne sie wäre die Aufrechterhaltung des Passes für den Zug im Winter schwierig. Der Zugang zum Tal, der im Winter wie eine stille Perle ist – genügsam sich selbst gegenüber, wohl um die eigene Schönheit wissend.

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