Sexualisierte Gewalt: Fast die Hälfte der Bevölkerung fordert «Nur Ja-heisst-Ja»
Aktualisiert

Sexualisierte GewaltFast die Hälfte der Bevölkerung fordert «Nur Ja-heisst-Ja»

45 Prozent sind der Meinung, dass die Zustimmungslösung «Nur Ja-heisst-Ja» Betroffene am besten vor sexualisierter Gewalt schützt. Dies zeigt eine neue Studie des GFS Bern.

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Laut einer aktuellen Studie des GFS Bern sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Zustimmungslösung «Nur Ja-heisst-Ja» Betroffene am besten vor sexualisierter Gewalt schützt.

Laut einer aktuellen Studie des GFS Bern sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Zustimmungslösung «Nur Ja-heisst-Ja» Betroffene am besten vor sexualisierter Gewalt schützt.

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Die «Nein-heisst-Nein»-Lösung findet mit 27 Prozent deutlich weniger Zuspruch.

Die «Nein-heisst-Nein»-Lösung findet mit 27 Prozent deutlich weniger Zuspruch.

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Linke Parteien fordern, dass jede sexuelle Penetrationen unabhängig von Geschlecht und Körper der betroffenen Person ohne Zustimmung im Gesetz als Vergewaltigung anerkannt wird. Laut einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts GFS Bern sind 45 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Zustimmungslösung «Nur Ja-heisst-Ja» Betroffene am besten vor sexualisierter Gewalt schützt.

Die «Nein-heisst-Nein»-Lösung findet mit 27 Prozent deutlich weniger Zuspruch. «Für die Beibehaltung des Status Quo im Sexualstrafrecht spricht sich nur eine kleine Minderheit von 13 Prozent aus», sagte Cloé Jans von GFS Bern bei der Präsentation der Resultate an einer Medienkonferenz in Bern am Dienstag. «Besonders hoch ist die Unterstützung für ein modernes Sexualstrafrecht bei Personen, die auch objektiv am stärksten von sexualisierter Gewalt betroffen sind: Frauen, Junge und queere Menschen.»

Parlament sei besonders gefordert

Bei den 18-35-Jährigen halten 50 Prozent die Zustimmungslösung als beste Option zum Schutz von
Betroffenen, 25 Prozent die «Nein-heisst-Nein»-Lösung und nur 14 Prozent die Beibehaltung der heute geltenden Regelung im Strafrecht, die für den Tatbestand der Vergewaltigung eine Nötigung voraussetzt.

Eine deutliche Mehrheit der Befragten (58 Prozent) ist gemäss der aktuellen Umfrage heute der Meinung,
dass das Parlament besonders gefordert ist, sexualisierte Gewalt in der Schweiz zu bekämpfen.

Sex gegen eigenen Willen

22 Prozent der in der Schweiz wohnhaften Frauen sind der eigenen Angabe zufolge ungewollten sexuellen Handlungen ausgesetzt gewesen, wie eine Studie GFS Bern zur sexuellen Belästigung und sexuellen Gewalt an Frauen im Auftrag von Amnesty International im Jahr 2019 zeigte. Weitere sechs Prozent denken, dass die Frage, ob sie sexueller Gewalt ausgesetzt waren, nur schwer zu beurteilen ist. Nur die 22 Prozent, die selber explizit angaben, sexuelle Gewalt erlebt zu haben, erhielten die vertieften Fragen zur konkreten Form der sexuellen Gewalt.

Am Total der befragten Frauen haben zwölf Prozent Geschlechtsverkehr gegen den eigenen Willen erlebt. Auf die gesamte weibliche Bevölkerung der Schweiz ab 16 Jahren hochgerechnet entspricht dies laut GFS rund 430’000 Frauen – also ungefähr der Bevölkerung der Stadt Zürich.

Acht Prozent der Frauen haben sexuellen Aktivitäten aus Angst vor Konsequenzen zugestimmt und sieben Prozent wurden durch Gewalt (Festhalten oder Zufügen von Schmerzen) zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Nicht weiter spezifizierter Zwang zu irgendeiner sexuellen Aktivität haben 15 Prozent der Befragten erlebt. Bei sieben Prozent der Frauen ab 16 Jahren wurden die Übergriffe von Fremden verübt.

Studie

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

(20 Minuten)

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