18.10.2020 10:11

ÜbersichtUm 14.15 Uhr informiert der Bundesrat über neue Corona-Massnahmen

Homeoffice, Maskenpflicht in Innenräumen, Auflagen für Familienfeste: Welche Massnahmen beschliesst der Bundesrat im Kampf gegen die zweite Corona-Welle? Um 14.15 Uhr informiert er.

von
Pascal Michel
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Der Bundesrat hat für heute Sonntag eine Notsitzung anberaumt.

Der Bundesrat hat für heute Sonntag eine Notsitzung anberaumt.

KEYSTONE
Dabei diskutiert er nationale Massnahmen wie Maskenpflicht, Homeoffice-Empfehlung oder Beschränkung von Privatanlässen.

Dabei diskutiert er nationale Massnahmen wie Maskenpflicht, Homeoffice-Empfehlung oder Beschränkung von Privatanlässen.

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Bereits die Taskforce warnte am Freitag, dass jeder Tag bei den Massnahmen nun zähle. Auch der Berner Epidemiologe Christian Althaus sagt zur «SonntagsZeitung»: «Wir haben jetzt, noch vor dem Winter, die Kontrolle komplett verloren.»

Bereits die Taskforce warnte am Freitag, dass jeder Tag bei den Massnahmen nun zähle. Auch der Berner Epidemiologe Christian Althaus sagt zur «SonntagsZeitung»: «Wir haben jetzt, noch vor dem Winter, die Kontrolle komplett verloren.»

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Darum gehts

  • Heute um 11 Uhr diskutiert der Bundesrat nationale Corona-Massnahmen.

  • Epidemiologen drängen auf eine schnelle Umsetzung.

  • SVP-Bundesrat Ueli Maurer warnte vor «Hysterie».

  • Womöglich am Nachmittag informiert der Bundesrat über seine Entscheide.

Heute um 11 Uhr trifft sich der Bundesrat zu einer Notsitzung – um 14.15 Uhr treten Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Gesundheitsminister Alain Berset vor die Medien, um die Öffentlichkeit über die Entscheide zu informieren. 20 Minuten überträgt die Medienkonferenz live.

Schon am Donnerstag rief Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga die Kantone zu einem Krisengipfel. Am Freitag verschärften viele Kantone dann die Massnahmen. Doch die kantonalen Gesundheitsdirektoren riefen nach dem Bund: Dieser solle schweizweite Massnahmen erlassen, hiess es am Freitag in einer Mitteilung. Nun ist also der Bundesrat wieder am Zug. Am Freitag warnte Martin Ackermann, Leiter der wissenschaftlichen Corona-Taskforce, dass es ohne schnelles Handeln in zwei Wochen täglich 12’000 Neuinfektionen geben könnte.

Welche Vorschläge liegen im Bundesrat auf dem Tisch?

Wie die Zeitungen von CH-Media berichten, berät der Bundesrat über eine neue Covid-Verordnung mit folgenden Punkten:

• Landesweite Maskenpflicht in allen öffentlich zugänglichen Innenräumen

• Verbot von Menschenansammlungen ab 16 Personen im öffentlichen Raum

• Maskenpflicht für Familienfeiern ab 16 Personen. Zudem muss der Organisator die Kontaktdaten melden. Essen und Trinken darf nur im Sitzen stattfinden

• Sektorpflicht bei Grossanlässen

• Homeoffice-Empfehlung

Wie verlaufen die Fronten im Bundesrat?

Zumindest Finanzminister Ueli Maurer (SVP) dürfte sich an der Sitzung gegen grössere Einschränkungen wehren. In einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» liess er verlauten, er verharmlose das Virus nicht. «Gleichzeitig muss man auch aufpassen, nicht in Hysterie zu verfallen, wie dies einige Medien tun.» Man müsse mit dem Virus umgehen lernen, und zwar mit einer konsequenten Umsetzung der Massnahmen. Widerstand gegen weitere Massnahmen hat derweil der Gewerbeverband abekündigt: «Für viele Gewerbebetriebe bedeuten die jetzt geforderten neuen Massnahmen erneut starke Einschränkungen, Umsätze werden wegbrechen.»

Was sagen die Epidemiologen?

Bereits die Taskforce warnte am Freitag, dass jeder Tag bei den Massnahmen nun zähle. Auch der Berner Epidemiologe Christian Althaus sagt zur «SonntagsZeitung»: «Wir haben jetzt, noch vor dem Winter, die Kontrolle komplett verloren.» Sorgen bereite ihm, dass offenbar viele Entscheidungsträger nach wie vor die Dringlichkeit von gezielten Massnahmen nicht sähen. «Man hätte besser schon vor zwei Wochen gehandelt.» Die Genfer Virologin Isabelle Eckerle wies auf Twitter darauf hin, dass die heutigen Massnahmen bereits zu spät kommen könnten, um einen Lockdown noch abzuwenden.

Wie sieht die Lage in den Spitälern aus?

«Wir sind jetzt bei etwa 30 Spitaleinweisungen pro Tag. Das ist viel, und entspricht in etwa der Situation, die wir im Frühjahr eine Woche vor dem Lockdown hatten», sagt Althaus.Bereits Alarm geschlagen hat der Kanton Schwyz. Und die Schweizerische Gesellschaft für Notfall- und Rettungsmedizin warnt: «Die Notfallstationen und Rettungsdienste stehen seit Monaten ununterbrochen im Einsatz. Ohne signifikante Unterstützung durch Bund oder Kantone können sie ihre lebenswichtige Funktion nicht aufrechterhalten.»

Wie rüstet sich die Wirtschaft für weitere Massnahmen?

Am Donnerstag ruft Bundesrat Guy Parmelin (SVP) Gewerkschaften und Wirtschaftsvertreter zu einem Treffen. Geplant ist laut «SonntagsZeitung» eine Lagebeurteilung. Zudem dürfte Parmelin die Wirtschaftskapitäne auch von der Notwendigkeit der Massnahmen überzeugen wollen, so die Zeitung. Boris Zürcher, Leiter der Direktion für Arbeit beim SECO, sagte am Freitag vor den Medien: Man müsse weiterhin mit Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und sogar Insolvenzen rechnen. Derzeit rechnet er für 2020 mit einem Einbruch des BIP von 3,1 Prozent – die Massnahmen, die der Bundesrat jetzt diskutiert, nicht eingerechnet.

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1751 Kommentare
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hani

19.10.2020, 11:25

Ich sitze hier in einem Office mit über 200 Personen, das Schutzkonzept wird nicht umgesetzt. Man sollte Anfangen, Homeoffice als pflicht zu machen, wenn es in den Firmen möglich ist und nicht nur eine Empfehlung. Hier im Office stecken sich immer wieder Leute Positiv mit Corona an, trotzdem MÜSSEN wir zur Arbeiten gehen in der Stadt Zürich und es sind sowiso schon vieel zu vieele Leute bei Stosszeiten unterwegs.

Schade eigentlich

19.10.2020, 08:07

Ab Heute steigen die Ansteckungen auch im Aargau

meine Meinung

18.10.2020, 14:06

Herr Bundesrat; Einen 2. Lockdown wäre jetzt angebracht. Wirtschaft hin oder her. Die Gesundheit ist wichtiger als das Geld. Anstatt Millionen ins Ausland zu setzen, unterstützt man die eigenen Bürger....