«Über diese Zahlenakrobatik kann ich nur lachen»

Aktualisiert

«Über diese Zahlenakrobatik kann ich nur lachen»

Die interne Fallkontrolle in den Sozialen Diensten der Stadt Zürich funktioniert grundsätzlich. Der finanzielle Schaden sei gering, hiess es in der heutigen Medienkonferenz. Margrit Zopfi, ehemalige Mitarbeiterin der Sozialen Dienste, bezeichnet die präsentierten Zahlen als «reine Augenwischerei».

von
Tina Fassbind

Unabhängige Experten hatten im Auftrag der Delegation für Sozialhilfe des Zürcher Stadtrates die Vorwürfe zu überprüfen, die die beiden ehemaligen Angestellten der Sozialen Dienste Esther Wyler und Margrit Zopfi erhoben hatten (s. Kasten).

Heute präsentierten sie vor den Medien in Zürich die Ergebnisse ihrer Kontrolle. Die Beanstandungen seien zum grössten Teil nur formaler Natur oder nicht berechtigt, hiess es von Seiten der Experten. Lediglich in zwölf Fällen konnten finanzrelevante Mängel festgestellt werden, die jedoch praktisch alle korrigiert worden sind.

Unwiederbringlicher Schaden von 24 627 Franken

Die im Rahmen der Fallkontrolle entdeckten finanzrelevanten Mängel betragen insgesamt 88 397 Franken. Davon wurden und werden 63 770 Franken zurückgefordert. Somit beträgt laut den Experten der effektiv unwiederbringliche finanzielle Schaden 24 627 Franken. Dies entspreche einem Anteil von 0,1 Prozent der total ausbezahlten Sozialhilfegelder. Somit finden sich gemäss Experten in den Fallkontroll-Akten der beiden Mitarbeiterinnen keinerlei Belege für ihre in der Öffentlichkeit vorgebrachten schweren Vorwürfe.

Das den Sozialen Diensten ausgestellte gute Zeugnis bedeute jedoch nicht, dass man nun zur Tagesordnung übergehe, hiess es vor den Medien. Die Empfehlungen aus dem GPK-Bericht würden wie geplant umgesetzt. Zudem untersucht ein Expertenteam der Universität St. Gallen Schwachstellen des heutigen Systems.

«Das ist Augenwischerei»

«Über diese Zahlenakrobatik kann ich nur lachen. Wenn man nur die effektiven finanziellen Ausfälle dokumentiert, ist das Augenwischerei und sagt überhaupt nichts aus», kommentiert Margrit Zopfi die Aussagen der Experten gegenüber 20minuten.ch. «Es ist Aufgabe der Sozialhilfe, die Notlage der Sozialhilfebezüger mit allen möglichen Mitteln so schnell wie möglich zum Ende zu führen», so Zopfi, «mein Fokus ist also: Wie lange werden Leute unterstützt? Ist die Unterstützung berechtigt? Sind genügend Abklärungen im Vorfeld und während der Fallführung getroffen worden, um die Mittellosigkeit der Klientinnen zu beweisen oder zu erhärten?»

Margrit Zopfi ist der festen Überzeugung, dass noch immer Mängel in der Fallführung und im Kontrollsystem der Sozialhilfe bestehen. Wie viele das effektiv sind, kann sie jedoch nicht exakt beziffern. «Ich hatte nicht den Auftrag, Statistiken über meine kontrollierten Fälle zu führen, also bin ich auf meine eigenen Schätzungen angewiesen», erklärt Zopfi. «Ich habe elf Jahre im Sozialdepartement gearbeitet, habe neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gecoacht und bin weit über 1000 Dossiers durchgegangen. Als Fachfrau erkenne ich sofort, wenn Abklärungen nicht vollständig getroffen wurden. Und meine Erfahrung hat leider gezeigt, dass in rund 80 Prozent der Fälle Fehler gemacht wurden.»

In den Jahren 2006 und 2007 hatten die beiden Mitarbeiterinnen der Sozialen Dienste Esther Wyler und Margrit Zopfi insgesamt . Die mittlerweile fristlos entlassenen Frauen hatten im Januar in verschiedenen Medien behauptet, 80 Prozent der Fälle würden mangelhaft geführt, 30 Prozent der Fälle könnten umgehend eingestellt werden. Alle Dossiers wurden nun durch zwei externe Fallkontrolleure aus Schlieren und der Stadt Luzern erneut beurteilt. Ausserdem begleiteten noch zwei unabhängige Berater den Prozess. Gegen die beiden Ex-Mitarbeiterinnen läuft eine Strafuntersuchung. Sie stehen im Verdacht, vertrauliche Daten zu Sozialfällen weitergegeben und damit das Amtsgeheimnis verletzt zu haben.

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