1979-Feiern: Über Israel, Holocaust und «Tod Amerika»

Aktualisiert

1979-FeiernÜber Israel, Holocaust und «Tod Amerika»

33. Jahrestag der Revolution in Iran: Eine der zentralen Reden in Teheran hielt der Regierungschef des Gazastreifens, Ismail Hanija. Doch auch Ahmadinedschad hatte etwas Wirres über «das Idol des Holocaust» zu sagen.

Grosse Ehre für den Ausländer Ismail Hanija in Teheran.

Grosse Ehre für den Ausländer Ismail Hanija in Teheran.

Im Iran haben die Menschen am Samstag den 33. Jahrestag der Revolution gefeiert. Bei der zentralen Kundgebung in der Hauptstadt Teheran war der Regierungschef des Gazastreifens, Ismail Hanija, einer der Redner - eine seltene Ehre für einen Ausländer.

Dabei bekräftigte Hanija, die radikalislamische Hamas werde Israel nie anerkennen. «Man will, dass wir die israelische Besatzung anerkennen und den Widerstand aufgeben», sagte er. «Der Kampf wird bis zur vollständigen Befreiung des Gebiets Palästinas und Jerusalems und der Rückkehr aller palästinensischer Flüchtlinge weitergehen.»

Im Staatsfernsehen waren Hunderttausende zu sehen, die sich während der Rede auf dem Asadi-Platz (Freiheitsplatz) versammelt hatten. Wie üblich rief die Menge «Tod Amerika» und «Tod Israel».

Anfang Woche hatten sich die Hamas und die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auf die Bildung einer Übergangsregierung unter Abbas' Führung geeinigt. In Israel stösst diese Annäherung auf Unbehagen.

Ahmadinedschad: geben Urananreicherung nie auf

Bei den Feiern in Teheran trugen Teilnehmer neben iranischen Flaggen auch die Bilder von Atomwissenschaftlern bei sich, die in den vergangenen zwei Jahren bei Anschlägen getötet worden waren.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad kündigte in seiner Rede zum Abschluss der Kundgebung die Einweihung «mehrerer neuer Atomprojekte in den kommenden Tagen» an. Details nannte er nicht. Er bezog sich damit vermutlich auf die Inbetriebnahme einer Anlage in Fordo zur Anreicherung von Uran auf 3,5, 4 und 20 Prozent. Das reicht nicht für Atombomben.

«Die Welt sollte wissen, dass der Iran trotz allen Drucks nicht einen Deut von seinen Prinzipien und seinem Recht (auf Atomtechnik) abrücken wird», sagte Ahmadinedschad. Der Iran sei in der Lage, «mit unseren eigenen Fachleuten für unsere Bedürfnisse zu sorgen.» Sein Land werde nie auf die Urananreicherung verzichten.

Mit seiner Ankündigung trotzte Ahmadinedschad einmal mehr dem Druck der USA und der EU, die den Iran mit Sanktionen zur Aufgabe seines Atomprogramms zwingen wollen. Das Land steht im Verdacht, an Atomwaffen zu arbeiten.

Mit Strafmassnahmen unter anderem gegen den Finanz- und Ölsektor des Landes will der Westen das Land zum Einlenken zwingen. Der Iran beteuert, die Atomkraft zu zivilen Zwecken wie der Energiegewinnung nutzen zu wollen.

Verbalattacke gegen die USA und Israel

Bezug nehmend auf die Aufstände in mehreren arabischen Staaten warf Ahmadinedschad den USA am Freitag vor, «kein loyaler Freund» der Araber zu sein, sondern «das zionistische Regime» Israels retten zu wollen. Der Iran ist unter anderem mit dem syrischen Regime von Präsident Baschar al-Assad verbündet.

«Das zionistische Regime ist die Quelle aller Weltprobleme und der Iran ist stolz darauf, das einzige Land zu sein, dass den Mut und die Weisheit besessen und das westliche Tabu um den Holocaust gebrochen hat», sagte Ahmadinedschad.

Er bezweifelt die historische Dimension der Judenverfolgung unter der Nazi-Diktatur. Die Nationalsozialisten hatten während ihrer Herrschaft über Deutschland (1933-45) und in Europa während des Zweiten Weltkrieges über sechs Millionen Juden ermordet.

US-Drohne ausgestellt

In Teheran wurde auf dem Freiheitsplatz auch eine Nachbildung jener US-Drohne ausgestellt, die nach iranischen Angaben im vergangenen Dezember nahe der afghanischen Grenze erbeutet wurde. Die Drohne sei ein «Symbol der Macht» der iranischen Streitkräfte «gegen die globale Arroganz» der USA, hiess es im Staatsfernsehen.

Auch aus den anderen grossen Städten wie Maschhad, Isfahan, Schiras und Kerman wurden die Feiern live übertragen. Landesweit nahmen nach Behördenangaben Millionen Menschen in rund 850 Orten an Veranstaltungen teil.

Mit den Kundgebungen wird des 11. Februar 1979 gedacht, als mit der Kapitulation der Streitkräfte der Volksaufstand gegen Schah Mohammed Resa Pahlawi zum Sieg gelangte. Seitdem ist der Iran eine Theokratie unter Führung schiitischer Ayatollahs. (sda)

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