Lieber Phil Geld: Über Nachbarn beschwert – darf man mir kündigen
Aktualisiert

Lieber Phil GeldÜber Nachbarn beschwert – darf man mir kündigen

Jessica (27) hat sich beim Vermieter über ihre lauten Nachbarn beschwert. Nun hat er ihr wegen «Störung des Hausfriedens» gekündigt. Darf er das?

Jessica hat sich bei ihrem Vermieter über die lauten Nachbarn beschwert. Daraufhin wurde ihr wegen Störung des Hausfriedens die Wohnung gekündigt. (Bild: colourbox.de)

Jessica hat sich bei ihrem Vermieter über die lauten Nachbarn beschwert. Daraufhin wurde ihr wegen Störung des Hausfriedens die Wohnung gekündigt. (Bild: colourbox.de)

Lieber Phil Geld

Ich wohne neben unerträglich lauten Nachbarn und habe schriftlich bei der Verwaltung reklamiert. Persönliches Bitten meinerseits um etwas Rücksicht war vergebens. Einige Tage nach meinem Schreiben habe ich per Einschreiben die Kündigung meiner Wohnung erhalten. Auf Nachfrage bei der Verwaltung hiess es, ich störe mit meiner Reklamation den Hausfrieden. Ist das ein berechtigter Kündigungsgrund? Was kann ich tun?

Liebe Jessica

Tatsächlich ist es schwierig, rechtlich gegen lärmende Nachbarn wirksam vorzugehen. Gemäss dem Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme hast du grundsätzlich das Recht, dich bei übermässigem Lärm während der Ruhezeit bei der Verwaltung zu beschweren bzw. um Abhilfe zu bitten.

Gemäss Art. 271 OR ist die Kündigung des Mietvertrages anfechtbar, wenn sie gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstösst. Fraglich in deinem Fall ist, ob die Begründung der Hausfriedensstörung zur Kündigung berechtigt oder als rechtsmissbräuchlich zu qualifizieren ist.

Laut Art. 271a Abs. 1 lit. a OR ist eine Kündigung durch den Vermieter besonders dann anfechtbar, wenn sie erfolgt, weil der Mieter nach Treu und Glauben Ansprüche aus dem Mietverhältnis geltend macht.

Das ist eine Ermessensfrage und hängt davon ab, ob du in der Vergangenheit schon einmal negativ aufgefallen bist, bereits einmal zur Wahrung des Hausfriedens aufgefordert wurdest, Beschwerden anderer Nachbarn vorliegen usw. Falls das nicht zutrifft, scheint mir die Kündigung deines Vermieters als unverhältnismässig.

Grundsätzlich sind Kündigungen wegen Bagatellen oder wegen einer einmaligen Beschwerde missbräuchlich. Erst recht ist es missbräuchlich, wenn deine Lärmklage berechtigt war und sich deine Nachbarn tatsächlich übermässig laut verhalten. Letztlich wird jedoch ein Gericht klären müssen, ob die Kündigung missbräuchlich war oder nicht.

Ich rate dir, eine schriftliche Begründung der Kündigung bei der Verwaltung einzufordern. Ausserdem kannst du gemäss 273 OR die Kündigung innert 30 Tagen bei der zuständigen Schlichtungsbehörde für Miete und Pacht anfechten. Die Frist beginnt bei Erhalt der Kündigung zu laufen. Es wird davon ausgegangen, dass die Kündigung als erhalten gilt, sobald sie in deinen Machtbereich (Briefkasten, bei der Post zur Abholung bereit) gelangt. Gleichzeitig kannst du mit der Kündigungsanfechtung eine Erstreckung des Mietverhältnisses verlangen, sollte die Kündigung nicht als missbräuchlich beurteilt werden.

Freundlich grüsst

Phil Geld

E-Mail: phil.geld@20minuten.ch

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