Aktualisiert 19.06.2016 13:17

Verhinderte Pegida-Demo

«Überall, wo man hinsah, war Polizei»

Die Polizei hat am Samstagabend in Muttenz BL eine nicht genehmigte Demonstration der Pegida Dreiländereck verhindert. Pegida-Gegner machten im Netz gegen die Demo mobil.

von
jd/las

Mehrere Personen – mutmasslich aus der links- und der rechtsextremen Szene – wurden beim Bahnhof Muttenz vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen, teilte die Baselbieter Polizei am Sonntag mit. Sie fand Böller, Steine und Vermummungsmaterial bei ihnen. Es habe weder Verletzte noch Sachschäden gegeben, hiess es.

Ein Bewilligungsgesuch für die Demonstration «mit mutmasslich hohem Gewaltpotenzial» war nicht eingereicht worden, wie die Polizei schreibt. Sie hatte im Vorfeld Wind davon bekommen, dass eine Aufeinandertreffen «zwischen Exponenten der linken und der rechten Szene» geplant war. Genauer wollte sich Polizeisprecher Meinrad Stöcklin nicht zu den Vorgängen äussern. «Unser Ziel ist es, Exzesse zu verhindern. Das ist gelungen», sagte er auf Anfrage.

Aufmärsche geplant

Recherchen von 20 Minuten ergaben, dass die Demonstration via Facebook von der Pegida Dreiländereck angekündigt wurde. Mit den Angaben «Treffpunkt Muttenz Bahnhof vor dem Avec» rief Pegida Dreiländereck zur Versammlung auf. Der Eintrag wurde mittlerweile bereits wieder gelöscht. Ob die Demonstration in Zusammenhang mit dem geplanten Bundes-Asylzentrum in Muttenz steht, ist unklar. Die Polizei hält dies lediglich für einen «möglichen Kontext».

Auf Facebook forderte die Revolutionäre Jugend Zürich dazu auf, der Demonstration entgegen zu treten. Und auf Twitter wurde unter den Hashtags #KeinFussBreit und #NoPegida verschiedentlich aufgerufen, gegen die Pegida-Versammlung vorzugehen.

Polizei mit Grossaufgebot

Die Polizei stufte die angekündigten Demonstrationen als ausreichend brisant ein, um mit einem Grossaufgebot am Muttenzer Bahnhof auszurücken. Augenzeugen berichten von 50 bis 60 Polizisten und zahlreichen Fahrzeugen, die den gesamten Tag durch präsent gewesen sein sollen. Auch ein Helikopter flog seine Runden über dem Gebiet. «Überall, wo man hinsah, war Polizei», so ein Zeuge.

Schon gegen 10 Uhr sollen sich die ersten Verdächtigen im Park vor dem Avec-Kiosk versammelt haben. Um 14 Uhr dann folgten laut Zeugenaussagen die ersten Personenkontrollen und Festnahmen. Ein anderer Beobachter zeigte sich verwundert, weshalb ein so grosses Polizeiaufgebot vor Ort gewesen sei. Die Polizisten hätten sich aber nicht zum Anlass geäussert und lediglich dazu geraten, «zur Sicherheit drinnen zu bleiben».

Die knapp 20 vorübergehend angehaltenen Personen waren spätestens um Mitternacht wieder auf freiem Fuss, wie Stöcklin sagte. Die Polizei dürfe Personen zwecks Gefahrenabwehr bis zu 24 Stunden festhalten. (jd/las/sda)

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