Überidentifikation mit Fussballclubs führt zu Gewalt
Aktualisiert

Überidentifikation mit Fussballclubs führt zu Gewalt

Hooligans waren gestern. Heute sorgen Ultras für Gewalt und Ausschreitungen in und um die Schweizer Fussballstadien.

Mit Herzblut an ihrem FC hängende Ultras haben die oft rassistischen Hooligans, die Gewalt um jeden Preis suchen, in den Fankurven der hiesigen Stadien abgelöst. Zu diesem Schluss kommt eine Nationalfondsstudie. Befragt und beobachtet wurden militante Fans des FC Basel, YB und Servette. Vier Eigenschaften zeichnen die Ultras aus:

■ Sie sind gut integrierte Schweizer im Alter zwischen 15 und 25 Jahren aus allen sozialen Schichten. Frauen haben in ihrer Szene nichts verloren und werden gar als Bedrohung ihres «Männerbundes» wahrgenommen.

■ Ultras haben eine lokalpatriotische, teils lokalchauvinistische Gesinnung und unterstützen ihren Club bedingungslos – oft mit spektakulären choreografischen Aktionen, Riesentransparenten, Schlachtgesängen und dem Abbrennen von bengalischen Feuern. Sie glauben, ohne sie habe ihr jeweiliger Club keine Zukunft.

■ Sie haben kein Interesse an der Nationalmannschaft. «Ein Basler Ultra will sich nicht mit Zürcher Fans im gleichen Raum Spiele ansehen», so Studienleiter ­Thomas Busset. An der Euro 08 würden Ultras darum kaum als Gruppe auftreten.

■ Ultras wenden Gewalt nur an, wenn sie sich provoziert fühlen, sind erstaunlich unpolitisch und halten sich laut eigenen Angaben an einen Codex, der unbegründete Aggression oder politische Äusserungen verbietet.

Für die Gewaltprävention hat diese Erkenntnis Folgen: «Etwa Stadionverbote treffen Ultras hart und könnten deshalb wirksam sein», sagt Busset.

nm

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