Südsudan: Überladenes Flugzeug stürzt ab – 36 Tote
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SüdsudanÜberladenes Flugzeug stürzt ab – 36 Tote

Im Südsudan sind bei einem Flugzeugunglück Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine war laut Hersteller fluguntüchtig.

von
dia

Die im Südsudan abgestürzte Frachtmaschine war nach Angaben des ukrainischen Flugzeugbauers Antonow fluguntüchtig. Das Unternehmen erklärte, die 1971 in der Sowjetunion gebaute An-12B des ehemals sowjetischen und heutigen ukrainischen Herstellers Antonow sei entgegen den Sicherheitsbestimmungen nicht gewartet und überholt worden.

Eine Antonow-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Firma behalte den Zustand ihrer Flugzeuge weltweit im Auge und gebe Empfehlungen für die Wartung und möglicherweise erforderliche Arbeiten ab. Anschliessend liege die Entscheidung bei den zuständigen Behörden der jeweiligen Länder.

Das Flugzeug wurde seinerzeit in der Sowjetrepublik Usbekistan gebaut und später in der Nachbarrepublik Tadschikistan zugelassen. Das Unternehmen Antonow nahm mittlerweile Kontakt zu den tadschikischen Flugbehörden auf, die seiner Meinung nach für die Wartung der Frachtmaschine verantwortlich waren.

Absturz kurz nach dem Start

Mindestens 36 Menschen kamen am Mittwoch beim Absturz des überladenen Frachtflugzeugs ums Leben. Unter den Opfern waren neben den Insassen des Flugzeugs auch zehn Menschen am Boden, wie die Regierung mitteilte. Die Maschine stürzte kurz nach dem Start rund 1,6 Kilometer vom internationalen Flugplatz der Hauptstadt Juba in sumpfiges Farmland.

Verkehrsminister Kuong Danhier Gatluak sagte der Nachrichtenagentur AP, zwei Passagiere – ein Kleinkind und ein Erwachsener – seien lebend aus dem Wrack gerettet worden. Der Erwachsene sei später gestorben. Die Suche nach Opfern gehe weiter. Die Behörden wüssten nicht, wie viele Menschen an Bord gewesen seien, weil sie die Passagierliste noch nicht hätten. Die Blackbox werde gesucht.

Passagiere und Fracht

Der russische Fernsehsender LifeNews zitierte russische Luftfahrtkreise damit, dass das Flugzeug offenbar überladen gewesen sei. Ein AP-Reporter berichtete, Wrackteile lägen verstreut am Ostufer des Nils und in einer Gegend mit Büschen und einigen Häusern.

Der Flug sollte dem Präsidentenbüro zufolge zu den Paloch-Ölfeldern im Staat Upper Nile gehen. Rebellen und Regierungskräfte kämpfen um die Kontrolle in dem Staat. Trotz eines im August unterzeichneten Friedensabkommens gingen die Kämpfe weiter. Juba, einst Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen, ist derzeit friedlich.

Die Sicherheitsdienste nehmen oft Familienmitglieder in Frachtflugzeugen mit nach Paloch. Kenji Galla, Manager für Charterflüge beim Unternehmen Combined Air Services sagte, normalerweise würden bei diesem Flug zwölf Menschen befördert. Das Problem sei, dass mehr Menschen mitgenommen worden seien. «Dieses Flugzeug ist nur für Fracht bestimmt, nicht für Passagiere. Es war nur für Waren gechartert.»

Ausländer unter den Toten

Seit Beginn des Machtkampfs zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar 2013 starben bei Kämpfen im Südsudan Zehntausende Menschen, mehr als zwei Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Kiir wird vor allem von der Volksgruppe der Dinka unterstützt, Machar von den Nuer. Im Bundesstaat Unity bekämpfen sich jedoch meist rivalisierende Nuer-Clans. Südsudan wurde 2011 unabhängig.

Das Flugzeug gehörte dem Unternehmen Allied Services Limited, wie ein Präsidentensprecher sagte. Das armenische Aussenministerium teilte mit, fünf armenische Besatzungsmitglieder zählten zu den Opfern. Auch ein russisches Mannschaftsmitglied soll darunter gewesen sein. (dia/sda/afp)

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