Aktualisiert 19.11.2007 17:02

Überlebende betteln verzweifelt auf Hilfe

In einem Wettlauf mit der Zeit versuchen Rettungsmannschaften in Bangladesch Millionen Überlebende des Zyklons «Sidr» zu versorgen. Nach Angaben des Militärs hat die Zahl der Toten die Marke von 3000 überschritten und steigt weiter.

Mit jedem Dorf, das sie erreichten, enthülle sich das wahre Ausmass der Katastrophe, sagte einer der Helfer. «Oft ist es, als ob wir ein Tal der Toten betreten.» Hilfsorganisationen befürchten, dass mehr als 10 000 Menschen in dem Tropensturm gestorben sind.

Kriegsschiffe und Helikopter suchten auf Inseln und an der Küste im Golf von Bengalen nach Tausenden Vermissten. Die Hilfsorganisation World Vision sprach von etwa tausend Fischern, von denen weiterhin jede Spur fehle.

«Wir versuchen, so schnell wie möglich alle betroffenen Gebiete an der gesamten Küste zu erreichen, um die genaue Zahl der Toten ermitteln zu können», sagte ein Regierungsvertreter. Laut der internationalen Hilfsorganisation Oxfam sind zahlreiche Dörfer von den Helfern noch nicht erreicht worden.

Überlebende betteln um Hilfe

«Sidr» war am Donnerstag mit bis zu 250 Kilometern pro Stunde und bis zu sechs Meter hohen Wellen über Bangladesch hinweggefegt. «95 Prozent der 40 000 Häuser in dieser Gegend sind weggespült worden», sagte der Vertreter der örtlichen Behörden in der Küstenstadt Patharghata, Salim Khan.

Dutzende verzweifelte Menschen standen vor seinem Büro und bettelten um Lebensmittel, Trinkwasser und Medizin. Etwa drei Millionen Überlebende des Zyklons sind nach Angaben der Regierung auf Unterstützung angewiesen. Darunter sind viele Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder von ihnen getrennt wurden.

Angst vor Seuchen

Hilfsorganisationen befürchten den Ausbruch von Seuchen, weil es an Nahrung, sauberem Wasser und Medikamenten fehlt. Die Regierung rief die Staatengemeinschaft zur Hilfe auf.

Nach Angaben der Regierung vernichtete «Sidr» die Ernte auf 30 000 Hektaren Ackerland ganz und auf 850 000 Hektaren teilweise. 250 000 Stück Vieh oder Geflügel kamen in dem Sturm ums Leben. Knapp tausend Schulen und andere Bildungseinrichtungen sowie zahlreiche Kilometer Strasse wurden zerstört oder beschädigt.

Nach Angaben des Aussenministeriums in Dhaka will der saudiarabische König Fahd 100 Millionen Dollar bereitstellen. Das Königreich werde ausserdem 3000 Tonnen an Nahrung und Hilfsgütern liefern. Nach der EU und den USA hat auch Indien Hilfe angekündigt. Auch Schweizer Hilfswerke haben Hunderttausende von Franken für die Opfer bereitgestellt.

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.