«I Will Survive»: Überlebender dreht Musikvideo in Auschwitz
Aktualisiert

«I Will Survive»Überlebender dreht Musikvideo in Auschwitz

Mit einer Tanzeinlage im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz hat ein Holocaust-Überlebender im Internet für Furore gesorgt und eine gesellschaftliche Debatte ausgelöst.

von
Vanessa Gera
AP

In dem Musikvideo, das auf dem Videoportal YouTube mehr als 500 000 Mal angeklickt wurde, tanzt der 89-jährige Adolek Kohn gemeinsam mit Familienangehörigen zwischen Viehwaggons und Gaskammern zu dem Disco-Hit «I Will Survive» von Gloria Gaynor. Manche Zuschauer empfinden das Video als Beleidigung für die Opfer des Holocausts, andere betrachten es als eine Ode an das Überleben.

Besonders in Deutschland sind die Meinungen über die Tanzaufführung geteilt. Das Video sei geschmacklos, sagte Michael Wolffsohn, ein deutsch-jüdischer Historiker an der Universität der Bundeswehr München. Es sei eine peinliche Selbstvermarktung.

Hingegen erklärte Wolfgang Wippermann, ein Geschichtsprofessor an der Freien Universität Berlin, dass der humorvolle Umgang mit dem Holocaust es der jüdischen Bevölkerung ermögliche, ihre Vergangenheit zu verarbeiten. Daher sei es akzeptabel, wenn Israelis und andere Juden sich über den Holocaust lustig machten.

Nach diesem Prinzip handelte vermutlich der Holocaust-Überlebende Daniel Chanoch in der Dokumentation «Pizza in Auschwitz» aus dem Jahr 2008. Darin macht Chanoch es sich auf seinem ehemaligen Schlafplatz in dem Konzentrationslager gemütlich und isst eine Pizza.

Polonaise mit Tochter und Enkelkindern

Der humorvolle Umgang mit dem jüdischen Leid scheint auch die Absicht hinter dem Video von Adolek Kohn zu sein. Darin trägt der 89-Jährige passend zum Song ein T-Shirt mit der Aufschrift «Survivor» (Überlebender). In einigen Videoszenen schaut Kohn aus dem kleinen Fenster eines Viehwaggons, in dem früher Juden zum Ort ihres Todes gebracht wurden. In anderen Szenen hebt Kohn seine Arme und führt eine Polonaise bestehend aus seiner Tochter und seinen Enkelkindern an. Die Regie des Videos übernahm Kohns Tochter Jane Korman, eine Künstlerin aus Australien.

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