Förster erzählt – Überlebte Julia (8) dank eines Hochsitzes?
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Förster erzähltÜberlebte Julia (8) dank eines Hochsitzes?

Der tschechische Förster Martin Semecky erzählt, wie er die kleine Julia im tiefsten Böhmerwald wiedergefunden hat. Doch dem Mann, der in Tschechien als Held gefeiert wird, ist die Aufmerksamkeit eher unangenehm.

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dpa/lea
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Förster Martin Semecký ist «aufgewühlt, aber überglücklich. Er fand die vermisste Julia am Dienstagnachmittag.

Förster Martin Semecký ist «aufgewühlt, aber überglücklich. Er fand die vermisste Julia am Dienstagnachmittag.

Daniel Vogl/dpa
Hier wurde Julia gefunden. Sie sass in diesem Unterschlupf im Wald. Das Kind war so stark geschwächt, dass es nicht einmal Kraft hatte, um auf sich aufmerksam zu machen.

Hier wurde Julia gefunden. Sie sass in diesem Unterschlupf im Wald. Das Kind war so stark geschwächt, dass es nicht einmal Kraft hatte, um auf sich aufmerksam zu machen.

Screenshot Idens.tv
In der Nähe des Fundortes waren einige Hinweisschilder angebracht. Doch das Kind konnte nichts damit anfangen.

In der Nähe des Fundortes waren einige Hinweisschilder angebracht. Doch das Kind konnte nichts damit anfangen.

Screenshot Idens.tv

Darum gehts

  • Nach einer nervenaufreibenden Suche im Böhmerwald zwischen Deutschland und Tschechien ist die vermisste achtjährige Julia aus Berlin gefunden worden.

  • Nun spricht der Förster, der sie im Waldstück entdeckte.

  • «Sie war trocken und sauber», sagt er.

Zwei Tage und zwei Nächte verbrachte die achtjährige Julia aus Deutschland ganz allein im tschechischen Böhmerwald. Das Glück, sie lebend gefunden zu haben, ist für den Förster Martin Semecký noch immer überwältigend: «Das war ein unglaubliches Gefühl, diese Emotionen kann man gar nicht mit Worten beschreiben», sagte der Tscheche. Das Mädchen konnte am Mittwoch bereits wieder das Krankenhaus verlassen. Es geht dem Kind nach Angaben der Polizei wieder gut.

Was nur ein Ausflug sein sollte, wurde zu einem Martyrium: Die Schülerin aus Berlin war am späten Sonntagnachmittag beim Wandern mit ihrer Familie im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet spurlos verschwunden. Semecký und seine Kollegen suchten in Absprache mit der Einsatzleitung ein Waldstück ab, das knapp ausserhalb des offiziellen Suchradius lag.

War ein Hochsitz Julias Rettung?

Auf einmal hätten sie die kleine Julia vor sich gesehen, erzählte der Förster. «Sie sass etwa zehn Meter weit weg im hohen Gras.» Als er ihren Namen gesagt habe, habe das Kind nur mit dem Kopf genickt.

«Sie war trocken und sauber, höchstwahrscheinlich hat sie die Nacht auf einem Hochsitz verbracht. So hat sie wohl überlebt», sagt der Förster zur «Bild». Semecký würdigte die Ausdauer des Mädchens in der Natur: «Um das zu schaffen, muss sie sehr geschickt gewesen sein.»

Als sie gefunden war, habe er sie nicht zu sehr mit Fragen belasten wollen, sagte der Förster. «Sie wirkte verängstigt, ganz allein im Wald – ohne ihre Eltern.» Zur «Bild» sagte er weiter: «Natürlich hat sie uns nicht getraut. Mein Kollege sprach Deutsch mit ihr, da wurde sie entspannter».

Sein Fazit lautete: «Ich wünsche Julia ein langes und glückliches Leben – und dass sie den Wald nicht in schlechter Erinnerung behält. Und dass sie in Zukunft keine Angst vor ihm haben muss», sagt der Förster zur «Bild».

Julia sah nachts wilde Tiere

Laut Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg hatte Julia bei der späteren Befragung erzählt, dass sie immer in Bewegung gewesen sei und in den zwei Tagen mehrere Kilometer zu Fuss zurückgelegt habe. Nachts habe sie auf einer Wiese in hohem Gras geschlafen und habe dabei auch Tiere wie Rehe, Füchse und ein Wildschwein gesehen. Weil sie sich nachts im Wald fürchtete, habe sie nicht auf sich aufmerksam gemacht.

In der Zeit hatte Julia auch nichts getrunken oder gegessen. «Das Mädchen wurde unmittelbar nach seinem Auffinden sofort in ein deutsches Krankenhaus eingeliefert und traf dort auf ihre Eltern», sagte Polizeisprecher Florian Beck. Diese Situation sei sehr emotional gewesen.

1400 Rettungskräfte beteiligt

Körperlich hat Julia das alles gut überstanden. In der Klinik wurde sie langsam wieder aufgewärmt, weil das Mädchen durch die kalten Nächte im Wald ausgekühlt war. Aber: «Bis auf einen leichten Kratzer am Bein war das Kind unverletzt», betonte Beck. Die Familie lasse nun ausrichten, dass man überglücklich sei und sich bei allen Helferinnen und Helfern bedanke. Die Familie brauche nun Zeit für sich, sagte Beck. Es werde daher um Beachtung der Privatsphäre gebeten.

An der nervenaufreibenden Suche im Gebiet zwischen den Städten Waldmünchen, Furth im Wald und Domazlice (Taus) hatten sich rund 1400 Rettungskräfte aus Bayern und Tschechien beteiligt. Über dem Wald kreisten Hubschrauber mit Wärmebildkameras. Suchhunde nahmen eine Fährte auf – verloren sie aber wieder. Der deutsche Botschafter in Prag, Andreas Künne, dankte der tschechischen Polizei für ihre Arbeit.

Bei Martin Semecký, der wie ein Held gefeiert wird, überschlagen sich nun die Anfragen der Medien. Nicht nur aus Tschechien, sondern auch aus Deutschland. Dem Mitarbeiter der städtischen Forstverwaltung von Domazlice (Taus), der sein Revier wie kein anderer kennt, scheint das eher unangenehm zu sein. Er müsse jetzt weiterarbeiten, sagte Semecký am Telefon und verabschiedete sich.

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