Miauen und Kratzen: Übermüdete Halter gehen zum Katzentherapeuten
Aktualisiert

Miauen und KratzenÜbermüdete Halter gehen zum Katzentherapeuten

Manche Stubentiger lassen ihre Besitzer Nacht für Nacht nicht schlafen. Selbst Fachpersonen können kaum glauben, wie viel gewisse Katzenhalter aushalten.

von
B. Zanni
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Sehr intelligente Katzen liessen die Situation stufenweise eskalieren, um beachtet zu werden, sagt Verhaltensberaterin Bettina von Stockfleth. «Dann reissen sie Fotorahmen, Tischdekorationen, Kerzenhalter oder Tischdecken herunter.»

Sehr intelligente Katzen liessen die Situation stufenweise eskalieren, um beachtet zu werden, sagt Verhaltensberaterin Bettina von Stockfleth. «Dann reissen sie Fotorahmen, Tischdekorationen, Kerzenhalter oder Tischdecken herunter.»

AP/Fritz Reiss
Die Katze ist nachts hellwach, der Besitzer aber todmüde: Bei Verhaltensberaterinnen für Katzen suchen häufig Leute Rat, die wegen ihres Stubentigers schlaflose Nächte haben.

Die Katze ist nachts hellwach, der Besitzer aber todmüde: Bei Verhaltensberaterinnen für Katzen suchen häufig Leute Rat, die wegen ihres Stubentigers schlaflose Nächte haben.

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«Manche Katzen wecken ihre Halter jede Nacht, manchmal sogar mehrmals», sagt von Stockfleth.

«Manche Katzen wecken ihre Halter jede Nacht, manchmal sogar mehrmals», sagt von Stockfleth.

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Die Frauen und Männer haben dunkle Ringe unter den Augen – und sind mit den Nerven am Ende. «Die Katzen treiben manche Besitzer in den Wahnsinn», sagt Bettina von Stockfleth. Bei der Verhaltensberaterin für Katzen suchen häufig Leute Rat, die wegen ihres Stubentigers schlaflose Nächte haben. «Die Katzen wecken einige Halter jede Nacht, manche sogar mehrmals.»

Auch andere Katzentherapeuten besuchen, empfangen oder beraten telefonisch immer wieder Betroffene, die sich wegen des Schlafmangels durch den Tag schleppen und sich bei der Arbeit nicht mehr konzentrieren können. «Eine Katze zerstörte beinahe eine Ehe», sagt Verhaltensmedizinerin Ruth Herrmann. Jede Nacht habe sie an der Tür gekratzt und energisch miaut. «Der Mann wollte endlich einmal wieder in Ruhe schlafen, konnte aber nicht, weil seine Frau wegen der Katze ständig aufstand.»

«Katzen schreien herum»

«Ich staune immer wieder, wie viel Katzenbesitzer aushalten», sagt Verhaltensberaterin Karin Engi. Einige nähmen monatelang schlaflose Nächte in Kauf, weil sie stündlich aufstünden. «Andere übernachteten extra auf dem Sofa oder im Gästebett, in der Hoffnung, so von der Katze in Ruhe gelassen zu werden.»

Viele Katzen kennen keine Gnade, um ihre Besitzer aus dem Bett zu jagen. «Es gibt solche, die nachts in der Wohnung herumschreien», so von Stockfleth. Weil sie Ärger mit den Nachbarn oder eine Kündigung wegen Ruhestörung befürchteten, könnten die Halter erst recht kein Auge mehr zudrücken.

Eskalation in Stufen

Laut Herrmann springen einige Katzen nachts auf das Bett, schmeicheln aufdringlich oder zwicken in die Füsse. «Sind sie zu zweit, liefern sie sich auf dem Bett gerne auch eine Verfolgungsjagd.» Eine Klientin von Karin Engi hatte besonderes Pech. «Stand sie nicht auf, pinkelte ihr die Katze ins Bett.»

Sehr intelligente Katzen liessen die Situation stufenweise eskalieren, um beachtet zu werden, sagt von Stockfleth. «Dann reissen sie Fotorahmen, Tischdekorationen, Kerzenhalter oder Tischdecken herunter.» Stehen die Besitzer auf, stellt sich oft heraus, dass das Tier nichts anderes als Aufmerksamkeit fordert. «In vielen Fällen täuschen sie Hunger vor, weil sie genau wissen, dass die Besitzer dann aufspringen.»

Unterforderte Tiere

Den Fachpersonen zufolge sind vor allem Berufstätige mit Wohnungskatzen betroffen. «Die Tiere sind unterfordert, weil ihre Besitzer oft erst spät von der Arbeit nach Hause kommen und dann zu kaputt sind, um mit ihnen zu spielen», sagt von Stockfleth. Abhilfe schaffen können laut den Expertinnen programmierte Futterautomaten oder Intelligenzspielzeug wie Fummelbretter, mit denen sich die Katzen selbstständig beschäftigen können. Berufstätigen, denen abends nicht mehr viel Freizeit bleibt, rät von Stockfleth zu älteren Katzen. «Diese brauchen nicht mehr so viel Action.»

Da Katzen nacht- und dämmerungsaktive Tiere sind, rauben selbst Freigänger ihren Besitzern den Schlaf. Von Stockfleth: «Je enger die Bindung der Katze an den Halter ist, desto öfter will sie sich mit ihm abgeben – und dies halt auch nachts.» Dann sei komplettes Ignorieren das einzig wirksame Rezept, sind sich die Fachfrauen einig.

«Wer nur schon bei einem Miau ‹sei ruhig!› ruft, hat schon verloren», sagt Engi. Denn jegliche Reaktionen auf ihr Verhalten interpretiere die Katze als Bestätigung, ihre Aktion zu wiederholen. Dennoch raten die Fachfrauen, das Verhalten genau zu beobachten. Denn auch altersbedingte Demenz oder Schmerzen könnten die Störaktionen auslösen. In diesem Fall sei ein Besuch beim Tierarzt unbedingt nötig.

Verhaltensberaterin Karin Engi demonstriert, wie man Katzen unterhalten und beschäftigen kann:

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Ein Besitzer reisst seine Katze um vier Uhr nachmittags aus dem Schlaf. So will er ihr die nächtlichen Weckaktionen um vier Uhr morgens heimzahlen:

Viele Katzen sind unerbittlich, wenn Sie ihre Halter wecken wollen:

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