Aktualisiert 24.01.2008 16:19

Überraschter Derdiyok in Kuhns England-Aufgebot

Damit hat keiner gerechnet: Nati-Trainer Köbi Kuhn hat fürs Testspiel gegen England einen Neuling aufgeboten. Basels Eren Derdiyok mischt sich unerwarteterweise in den Kampf um die EM-Plätze ein.

Auch der U21-Internationale zeigte sich überrascht, als er vom Aufgebot erfuhr. «Können Sie mich bitte in zwei Minuten noch einmal anrufen - ich muss schnell vor Freude schreien», sagte er am Telefon zu einem «Blick»-Reporter. Derdiyok hatte nämlich erst vom Journalisten von seinem Glück erfahren. Wieder gefasst, schwärmte der 19-Jährige beim zweiten Telefonat: «Ich glaube, ich träume. Das kommt total überraschend.»

Kuhn will nur fitte Spieler

Dass der Basler mit türkischen Wurzeln eine Chance in der Nati bekommt, hat er einerseits seinen Leistungen, andererseits aber auch der langen Verletztenliste der Nationalspieler zu verdanken. «Djourou, Magnin, Wicky, Philip Degen, Frei und Streller sind nicht fit», sagte Nati-Trainer Köbi Kuhn im «Blick» Interview und fügte an: «Es macht keinen Sinn, sie aufzubieten.» Denn: Gegen die Engländer brauche es Spieler, die physisch voll da sind. Auch auf Dzemaili, Smiljanic und Cabanas wird der Coach im Testspiel vom 6. Februar verzichten: «Für sie kommt der England-Match zu früh.» Deshalb kommt nun also Eren Derdiyok zum Zug. Kuhn: «Er ist für mich ein hochinteressanter junger Stürmer.»

Derdiyoks Blitzkarriere

Der 19-jährige Eren Derdiyok, der im Wembley-Stadion zu seinem Nati-Debüt kommen wird, ist ein Senkrechtstarter. Noch im Jahr 2006 spielte er beim Basler Quartierverein Old Boys in der interregionalen Zweitliga. Dort entdeckte FCB-Trainer Christian Gross den damals 17-Jährigen - in einem Cupspiel. Gross holte das Talent zum Basler Nachwuchs und gab Derdiyok Anfang 2007 die Chance, sich für das Fanionteam zu empfehlen. Der Stürmer liess sich diese nicht entgehen und erkämpfte sich einen Platz im Kader.

Derdiyoks Talent blieb auch U21-Trainer Pierre-André Schürmann nicht verborgen. Seit November letzten Jahres absolvierte der Stürmer fünf Einsätze für die Schweizer Junioren - und schoss dabei gleich sieben Tore.

Entscheidung für die Schweiz

Eren Derdiyok ist schweiz-türkischer Doppelbürger. Nimmt er das Aufgebot für das Wembley-Spiel an, wird er nicht mehr für die Türkei spielen dürfen. Wie «Blick» schreibt, steht für den Basler aber schon lange fest, dass er die Farben der Schweizer tragen möchte. Auch wenn der Basler in den letzten Wochen vom türkischen Verband heftig umworben wurde. In der Vergangenheit hatten sich zahlreiche Talente, die auch in den Schweizer Junioren-Nationalmannschaften ausgebildet wurden, gegen die Schweiz entschieden, zuletzt Ivan Rakitic (Kroatien) und Zdravko Kuzmanovic (Serbien).

(mon)

EM-Testspiel England-Schweiz am 6. Februar im Wembley. Schweizer Aufgebot.

Tor: Diego Benaglio (Wolfsburg/24 Jahre/8 Länderspiele/0 Tore), Fabio Coltorti (Santander/27/8/0), Pascal Zuberbühler (Neuchâtel Xamax/37/50/0).

Verteidigung: Valon Behrami (Lazio Rom/22/12/1), Mario Eggimann (Karlsruhe/27/3/0), Stéphane Grichting (Auxerre/28/15/0), Stephan Lichtsteiner (Lille/24/8/0), Philippe Senderos (Arsenal/22/24/3), Christoph Spycher (Eintracht Frankfurt/29/36/0), Steve von Bergen (Hertha Berlin/24/4/0).

Mittelfeld: Tranquillo Barnetta (Leverkusen/22/30/6), Fabio Celestini (Getafe/32/35/2), David Degen (Basel/24/9/0), Gelson Fernandes (Manchester City/21/4/0), Daniel Gygax (Metz/26/30/5), Benjamin Huggel (Basel/30/22/0), Gökhan Inler (Udinese/23/13/1), Xavier Margairaz (Osasuna/24/15/1), Johan Vonlanthen (Salzburg/21/26/5), Hakan Yakin (Young Boys/30/61/15), Reto Ziegler (Sampdoria Genua/22/4/0).

Sturm: Eren Derdiyok (Basel/19/0/0), Blaise Nkufo (Twente Enschede/32/13/2).

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