Angestellte in Bern: Überstunden kosten den Bund 245 Millionen
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Angestellte in BernÜberstunden kosten den Bund 245 Millionen

Bundesangestellte häufen Millionen Stunden Ferien- und Überzeit an. Der Bund muss Rückstellungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Franken bilden.

von
Fabian Lindegger
So sahen vor zehn Jahren die Stempeluhren im Bundeshaus aus. Höhere Kader erfassen ihre Arbeitszeit inzwischen nicht mehr individuell.

So sahen vor zehn Jahren die Stempeluhren im Bundeshaus aus. Höhere Kader erfassen ihre Arbeitszeit inzwischen nicht mehr individuell.

Von wegen arbeitsscheue Beamte: Die Angestellten des Bundes häufen fleissig Überstunden an. Per Ende 2013 hatten sie offene Ferien- und Zeitguthaben in der Höhe von 3'178'278 Stunden gesammelt. Pro Vollzeitstelle entspricht das durchschnittlich 11,5 Tagen, die noch nicht bezogen wurden. Die 11,5 Tage setzten sich dabei aus Ferien, Sabbatical, Treueprämien und Überstunden zusammen, wie das Eidgenössische Personalamt (EPA) 20 Minuten mitteilt. Das wirkt sich auch auf die Staatsrechnung aus: Der Bund musste deshalb per Ende 2013 Rückstellungen in Höhe von 245 Millionen Franken machen. Eine Schätzung, wie viele Stunden es 2014 sein werden, gibt es noch nicht.

Die Rückstellungen ergeben sich, weil die Angestellten aus bilanztechnischer Sicht Arbeit geleistet haben, die noch nicht entschädigt wurde. Theoretisch könnten die Angestellten aber sämtliche offenen Ferien- und Zeitguthaben sofort beziehen. Auch wenn das unwahrscheinlich ist, muss genügend Geld dafür vorhanden sein, und dank den Rückstellungen ist das gewährleistet. Auch in Unternehmen führen zu nicht einbezogene Ferientage oder viele Überstunden oft zu Problemen.

Rückstellungen rückläufig

Allerdings sah die Situation schon prekärer aus. 2007 wurden die ausstehenden Überzeit- und Ferienguthaben zum ersten Mal in der Staatsrechnung ausgewiesen. Der Betrag für die Rückstellungen damals: 292 Millionen Franken. Auf Druck der parlamentarischen Finanzaufsicht verabschiedete der Bundesrat 2008 deshalb einen Beschluss, der eine Anpassung der Arbeitszeitmodelle vorsah, um die Zahl der Überstunden zu reduzieren.

So wurde ab 2009 etwa die Vertrauensarbeitszeit für höhere Kader in der Bundesverwaltung obligatorisch. Bei der Vertrauensarbeitszeit wird die Arbeitszeit nicht mehr erfasst. Als Ausgleich für die Mehrarbeit oder Überzeit, die so nicht erfasst werden kann, erhalten diese Angestellten fünf Prozent mehr Lohn oder - in Absprache mit ihren Vorgesetzten - zehn Tage mehr Ferien pro Jahr. Während der letzten fünf Jahre konnten dank solcher Massnahmen die Zeitguthaben pro Vollzeitstelle um fast eineinhalb Wochen reduziert werden, wie aus der Staatsrechnung 2013 hervorgeht.

Fast 200 Millionen Überstunden

Überstunden leisten ist in der Schweiz so etwas wie ein Volkssport. 2013 wurden in der Schweiz insgesamt fast 200 Millionen Überstunden angehäuft, was rund 105'000 Vollzeitstellen entspricht. Auf alle Beschäftigen fallen so im Schnitt rund 47 Überstunden an, wie aus Zahlen des Bundesamts für Statistik hervorgeht.

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