Räbeliechtli mit LED: «Übertriebene Bemutterung»
Aktualisiert

Räbeliechtli mit LED«Übertriebene Bemutterung»

Statt einer Kerze tragen immer mehr Ostschweizer Kinder eine LED-Leuchte im Räbe­liechtli zum Umzug. Fachleute halten davon wenig.

von
Erika Pàl
Für viele sind Räbeliechtli nur mit Kerzen schön. (Foto: Aebi)

Für viele sind Räbeliechtli nur mit Kerzen schön. (Foto: Aebi)

«In den letzten Jahren fiel mir mehrfach auf, dass Eltern ihren Kindern LED-Leuchten oder kleine Taschenlampen ins Räbeliechtli legen», sagt Primarlehrerin Michaela Sonderegger aus Grub. Viele Eltern entscheiden sich aus praktischen Gründen für das elektrische Licht. LED-Leuchten sind wind- und regenfest. Aber auch die Angst, die Kinder könnten sich an der Kerze verbrennen, spielt eine Rolle. «Aus meiner Sicht ist das eine übertriebene Bemutterung», sagt Angela Jäger, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie aus St. Gallen. «Die Kinder werden so vor der Realität geschützt. Aber damit nehmen die Eltern ihnen die Chance, eine Herausforderung zu meistern und ihre Selbstwirksamkeit zu üben», so Jäger weiter.

LED-Leuchten kommen diesen Freitag beim Kindergarten an der Schlosserstrasse in St. Gallen keinesfalls in die Räben. «Wir bleiben ganz klar dem Rechaudkerzli treu. Eine LED-Leuchte hat nicht denselben besinnlichen Effekt», sagt Kindergärtnerin Pascale Nold. «Wir üben mit den Kindern vor dem Umzug nochmals tüchtig den Umgang mit Feuer, so dass auch nichts passieren kann», sagt Nold. Anschliessend treffen sich die diversen Klassen zur Erzählnacht im Schulhaus St. Leonhard.

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