Mannheim: Überwachungskameras rufen selber die Polizei
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MannheimÜberwachungskameras rufen selber die Polizei

Die Stadt Mannheim testet ein neues Kamerasystem, das Kriminaldelikte erkennt und die Polizei alarmiert. Kritiker sprechen von Big Brother.

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nk
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Mannheim will ein neues System von Überwachungskameras einführen. Sie sollen Strassenkriminalität selbstständig erkennen und die Polizei alarmieren. (Symbolbild: Lagezentrum Polizei Mannheim)

Mannheim will ein neues System von Überwachungskameras einführen. Sie sollen Strassenkriminalität selbstständig erkennen und die Polizei alarmieren. (Symbolbild: Lagezentrum Polizei Mannheim)

Keystone/DPA/Uwe Anspach
An insgesamt 28 Standorten werden 71 Kameras montiert. Sie schicken die Bilder verschlüsselt an das Lagezentrum der Polizei. Dort wertet ein Computerprogramm die Aufnahmen aus – mithilfe eines Algorithmus. (Symbolbild: Lagezentrum Polizei Mannheim)

An insgesamt 28 Standorten werden 71 Kameras montiert. Sie schicken die Bilder verschlüsselt an das Lagezentrum der Polizei. Dort wertet ein Computerprogramm die Aufnahmen aus – mithilfe eines Algorithmus. (Symbolbild: Lagezentrum Polizei Mannheim)

Keystone/DPA/Uwe Anspach
Erkennt es hektische oder untypische Bewegungen wie etwa Schlagen, Rennen oder Fallen, blinkt eine Lampe und ein Polizist schaut sich die Szene an. (Symbolbild: Lagezentrum Polizei Mannheim)

Erkennt es hektische oder untypische Bewegungen wie etwa Schlagen, Rennen oder Fallen, blinkt eine Lampe und ein Polizist schaut sich die Szene an. (Symbolbild: Lagezentrum Polizei Mannheim)

Keystone/DPA/Uwe Anspach

Schlägereien, Entreissdiebstähle, Raubüberfälle: Mit einem neuen «intelligenten Überwachungssystem» will die Mannheimer Polizei in Zukunft bei solchen Delikten schneller vor Ort sein. Insgesamt 71 Kameras an 28 Standorten erkennen Strassenkriminalität und alarmieren die Polizei. «Im Zeitalter der Digitalisierung müssen auch Optionen zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum mitgedacht werden», sagt Bürgermeister Christian Specht zur Deutschen Presseagentur DPA.

Die Kameras schicken die Bilder verschlüsselt an das Lagezentrum der Polizei. Dort wertet ein Computerprogramm die Aufnahmen aus – mithilfe eines Algorithmus. Erkennt es hektische oder untypische Bewegungen wie etwa Schlagen, Rennen oder Fallen, blinkt eine Lampe und ein Polizist prüft die Szene. Innert zwei Minuten soll im Notfall eine Patrouille vor Ort sein.

«Ein Werkzeug von vielen»

Für Kritiker klingen die Pläne nach Big Brother und Überwachungsstaat. Sie fürchten, es könnten auch unbescholtene Bürger bespitzelt und Bewegungsprofile erstellt werden. Der Mannheimer Polizeipräsident Thomas Köber widerspricht dem vehement. Und auch Specht betont: «Es geht um das Erkennen atypischer Bewegungsmuster. Gesichtserkennung oder Tonaufnahmen finden definitiv nicht statt.»

Alle Bilder sollen nach 72 Stunden gelöscht werden. «Wir haben die Öffentlichkeit von Anfang an informiert und werden absolut transparent arbeiten», sagt CDU-Politiker Specht.

Köber sagt auch: «Videoüberwachung ist ein Werkzeug von vielen.» Klar sei, dass eine Kamera allein noch kein Verbrechen verhindert. Ziel sei die Präsenz vor Ort. «Ich will die Polizisten auf der Strasse – nicht vor dem Bildschirm.» Specht hofft sogar auf einen präventiven Effekt. Denn allein schon die Schilder, die auf die Überwachung hinweisen, könnten Kriminelle abschrecken.

London ist «CCTV»-Hauptstadt Europas

Rund um die Frage der Videoüberwachung hat in Deutschland zuletzt ein anderes Projekt für Diskussion gesorgt. In Berlin wurden im August 2017 am Bahnhof Südkreuz drei der 77 Videokameras mit Gesichtserkennungssoftware ausgestattet. 300 Freiwillige sollen jedes Mal, wenn sie durchs Bild laufen, erfasst werden. Datenschützer haben das Projekt kritisiert. Inwieweit die Technik später auch eingesetzt wird, muss politisch entschieden werden.

Keine Gesichtserkennung, dafür mehrere Millionen Kameras gibt es in London. Die Stadt wird als die «CCTV»-Hauptstadt Europas bezeichnet. Der Nutzen der Technik ist aber umstritten.

Chinesische Polizisten mit Datenbrillen

In China gehört eine solche Überwachung schon zum Alltag. Ein BBC-Reporter testete im Dezember, wie lange er unerkannt bleiben konnte: Ein Foto von ihm wurde in die Polizeidatenbank eingespeist und er zu Testzwecken zur Fahndung ausgeschrieben. Nach nur sieben Minuten wurde er gefasst.

In der Provinz Henan sind Bahnpolizisten seit Neustem mit Brillen ausgestattet, die mit der Polizeidatenbank verbunden sind und so gesuchte Personen identifizieren können, die den Polizisten auf der Strasse begegnen.

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