Getöteter Taxifahrer – Politiker fordern mehr Sicherheit für Taxifahrer

Aktualisiert

Erstochener Taxifahrer«Er war so herzlich» – Taxifahrer trauern um getöteten Kollegen

Die Trauer um den in Basel erstochenen Taxifahrer ist gross. Auch SP-Nationalrat Mustaf Atici kannte das Opfer. 

von
Tim Haag
Yann Bartal
Thomas Obrecht
Gandalf Weidemann
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Der Taxifahrer A.A. wurde am Freitagabend niedergestochen.

Der Taxifahrer A.A. wurde am Freitagabend niedergestochen.

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Details zur Tat sind noch nicht bekannt.

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20min/Thomas Obrecht
Die Trauer um den Familienvater ist gross. 

Die Trauer um den Familienvater ist gross. 

20min/Thomas Obrecht

Darum gehts

  • Bei einer Auseinandersetzung in Basel starb ein 49-jähriger Taxifahrer. Der mutmassliche Täter ist flüchtig. 

  • Politiker fordern nun bessere Sicherheitsmassnahmen für Taxifahrerinnen und Taxifahrer. 

Der Taxifahrer A.A.* (49) wurde am Freitagabend in Basel nach einem Streit erstochen. Der mutmassliche Täter ist flüchtig. SP-Nationalrat Mustafa Atici kannte A. seit über 20 Jahren, wie er gegenüber 20 Minuten sagt: «Wir kommen aus der gleichen Region in der Türkei. Es ist unglaublich traurig, ihn zu verlieren. Er war eine gute Person, hilfsbereit, herzlich und hätte alles für einen gegeben.»

Er fordert, dass Taxifahrerinnen und Taxifahrer besser geschützt werden. «Diese Menschen bieten 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche eine wichtige Dienstleistung an. Dafür verdienen sie nicht nur mehr Respekt, sondern auch Sicherheit», sagt Atici. Es könne nicht sein, dass Taxifahrer solchen Gefahren ausgesetzt sind. «Eine Überwachungskamera im Auto könnte beispielsweise verhindern, dass solche Situationen eskalieren.»

Nicole Roth, Präsidentin der Jungen SVP Baselland, will insbesondere die Regierungen in die Pflicht nehmen. Es sei an der Zeit, sich mit der Sicherheitspolitik, besonders in Basel, zu befassen. «Überwachungskameras können nicht die Lösung sein. Man muss die Polizeipräsenz erhöhen, den Beruf attraktiver gestalten und die Strafen für Gewaltdelikte auf eidgenössischer Ebene anpassen und Mut haben, diese auch anzuwenden», sagt Roth.

«Wir sind viel vorsichtiger geworden»

Mehr Sicherheit wünschen sich auch Taxifahrerinnen und Taxifahrer. «Es ist sehr traurig und auch beängstigend, was passiert ist. Seit dem Vorfall sind wir alle viel vorsichtiger geworden», sagt der Basler Taxifahrer S.Y.* Der 56-Jährige arbeitet seit über 25 Jahren in der Branche. «Mich hat mal ein Kunde von hinten gepackt, weil er nicht zahlen wollte. Da bin ich direkt zur Polizei gefahren und habe Strafanzeige erstattet», erzählt Y. 

Seitdem nehme er nicht jeden Fahrgast mit und habe eine kugelsichere Trennscheibe in sein Auto einbauen lassen. Zusätzliche Kameras würde er begrüssen: «Ich denke, das wäre ein guter Schutz.» Ähnlich sieht es sein Kollege A.Y.*: «Ich habe eine Schnelltaste im Auto, die einen Alarm über das Handy an die Zentrale und von dort aus an die Polizei sendet. Mit einer Kamera würde ich mich aber sicherer fühlen», sagt der 62-Jährige. 

Für Georgios Botonakis, Präsident des Zürcher Taxiverbandes, sind Überwachungskameras der falsche Ansatz: «Eine Kamera im Auto verhindert keine Verbrechen, sondern dokumentiert lediglich und dient als Beweismittel.» Zudem möchte nicht jeder Gast aufgenommen werden: «Wenn wir alle überwachen, hätten wir weniger Gäste», sagt Botonakis.

«Taxifahrer werden wie Fussabtreter behandelt» 

Natürlich sei der Fall vom Freitag extrem tragisch, geholfen hätte dem getöteten Taxifahrer eine Kamera aber kaum, glaubt Botonakis: «In der Regel schaukeln sich solche Situationen so lange auf, bis eine Stufe der Aggression erreicht ist, auf der sich niemand mehr für eine Kamera interessiert.»

Stattdessen fordert er, dass die Taxifahrerinnen und Taxifahrer mehr geschätzt und respektiert werden. «Oft werden Taxifahrerinnen und Taxifahrer wie die Fussabtreter der Gesellschaft behandelt. Aus dieser Grundhaltung heraus kommt es oft zu Auseinandersetzungen. Wir brauchen mehr finanzielle Sicherheit, Respekt und Wertschätzung», so Botonakis.

Gemäss Rechtsanwalt Christian Lenz dürfen Taxifahrer eine Kamera im Fahrzeug installieren. Die Fahrgäste müssten aber auf die Videoaufzeichnung hingewiesen werden und damit einverstanden sein. Zudem müsse das Videomaterial nach rund 24 Stunden gelöscht werden.

*Name der Redaktion bekannt 

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Jüdische Fürsorge, info@vsjf.ch

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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