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Üble Nebenwirkungen: Weniger Lohn wegen Grippe

In allen Kantonen ist der Grippeepidemie-Schwellenwert mittlerweile überschritten. Die Erkrankung kann aber nicht nur der Gesundheit schaden, sondern je nach Arbeitsvertrag auch dem Portemonnaie.

Gemäss Obligationenrecht ist der Arbeitgeber zwar zu einer 100- prozentigen Lohnzahlung an erkrankte Mitarbeiter während mindestens drei Wochen verpflichtet. Diese Regelung gilt jedoch nur, wenn er keine Krankentaggeldversicherung für die Arbeitnehmer abgeschlossen hat.

Existiert eine solche Versicherung, kann der Arbeitgeber seine Lohnzahlung ab dem ersten Krankheitstag einstellen und ihr die Zahlungspflicht übertragen. Die Versicherung ist jedoch nur dazu verpflichtet, 80 Prozent des Lohnes zu bezahlen.

«Hält der Arbeitgeber sich also strikt ans Gesetz, bekommt der erkrankte Arbeitnehmer für jeden Tag, an dem er krank ist, 20 Prozent weniger Lohn», sagt Hans Rudolf Schuppisser, Vizedirektor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA zu einem Bericht des «Tages-Anzeigers».

Schuppisser glaubt jedoch nicht, dass sich viele Arbeitgeber strikt ans Gesetz halten. «Man kann davon ausgehen, dass landauf und landab bezüglich der Fristen und der gezahlten Lohnhöhe grosszügigere Lösungen gelten als vorgeschrieben.»

Im Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) ist man der selben Meinung. «Der Aufwand, die Lohnrechnung für beispielsweise einen Monat zu ändern, ist für den Arbeitgeber viel zu gross», sagt Antje Bertschi, stellvertretende Leiterin Kommunikation beim seco, gegenüber der SDA.

Grippeverdachtsfälle verdoppelt

Am Mittwoch meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass nun auch in den Kantonen Bern, Freiburg und Jura der Epidemie- Schwellenwert von 15 Verdachtsfälle auf 1000 Arztbesuche überschritten wurde. Bis vor einer Woche hatten sie lediglich eine erhöhte Grippeaktivität verzeichnet.

Mit einem Durchschnitt von 40,5 Fällen hat sich die Zahl in der letzten Woche beinahe verdoppelt. In der Woche zuvor lag der Schweizer Durchschnitt noch bei 21,2 Grippeverdachtsfälle auf 1000 Arztkonsultationen, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Mittwoch mitteilte.

Seit Anfang der Grippesaison wurden 244 von 571 eingesandten Proben positiv auf das Virus getestet worden. Bei allen bis auf eine wurde der aggressivere Virentyp Influenza-A festgestellt. Laut BAG deckt die aktuelle Impfung die zurzeit in der Schweiz zirkulierenden Viren gut ab.

Im schweizerischen Sentinella-Meldesystem nehmen landesweit rund 240 Praxen der ärztlichen Primärversorgung an der Überwachung der Influenza teil. Sie melden wöchentlich die Anzahl ihrer Patienten mit grippeähnlicher Erkrankung (Influenzaverdacht). Rachenabstriche eines Teils dieser Patienten werden am Nationalen Zentrum für Influenza (NZI) in Genf virologisch untersucht. (sda)

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