Ausbruch Afrikanische Schweinepest - Übung in St. Gallen offenbart Lücken für Bekämpfung des Virus im Ernstfall
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Ausbruch Afrikanische SchweinepestÜbung in St. Gallen offenbart Lücken für Bekämpfung des Virus im Ernstfall

Die Afrikanische Schweinepest ist für die Tiere eine grosse Bedrohung. Noch blieb die Schweiz verschont. Dennoch wurde der Ernstfall geprobt. Bei der Übung kamen Lücken zum Vorschein.

von
Alexandra Maria-Victoria Andrist
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Im Kanton St. Gallen wurde der Ernstfall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geprobt.

Im Kanton St. Gallen wurde der Ernstfall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geprobt.

Staatskanzlei Kanton St. Gallen
24 Teilnehmer waren für das Übungsszenario im Bischofszeller Wald bei Niederbüren.

24 Teilnehmer waren für das Übungsszenario im Bischofszeller Wald bei Niederbüren.

Staatskanzlei Kanton St. Gallen
Das Übungsszenario sah vor, dass ein totes Wildschwein gefunden und im Labor positiv auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) getestet wurde. Hier wird ein Fundort gereinigt.

Das Übungsszenario sah vor, dass ein totes Wildschwein gefunden und im Labor positiv auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) getestet wurde. Hier wird ein Fundort gereinigt.

Kanton St. Gallen Staatskanzlei 

Darum gehts

  • In einem St. Galler Waldstück wurde der Ernstfall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest geübt.

  • Die Übung zeigte auf, dass Anpassungen im Konzept der Bekämpfung des Virus nötig sind.

  • Dennoch konnten sechs der sieben versteckten Tierkadavern gefunden werden.

  • Im Ernstfall sollen mehr technische Hilfsmittel eingesetzt werden.

Was passiert bei einem Fall der Afrikanischen Schweinepest in der Schweiz? Dieses Szenario wurde kürzlich im Kanton St. Gallen durchgespielt. Der Veterinärdienst des Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen hat in Zusammenarbeit mit dem Amt für Natur, Jagd und Fischerei den Ernstfall eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) geübt. Im Rahmen einer Wildschweine-Suchübung sollten das Bekämpfungskonzept, das Material und die Zusammenarbeit getestet werden.

Das Übungsszenario sah vor, dass im Bischofszeller Wald bei Niederbüren ein totes Wildschwein gefunden und im Labor positiv auf ASP getestet wurde, teilt der Kanton St. Gallen mit. Daraufhin definierte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) zusammen mit den zuständigen Ämtern im Kanton St. Gallen die weiteren Massnahmen. Gemäss Vorgabe des BLV wurde ein Initialsperrgebiet bestimmt, in welchem die Suche nach weiteren infizierten Wildschweinen erste Priorität hat.

Hunde zur Unterstützung

Ab 8 Uhr morgens suchten die 24 Teilnehmer darauf das definierte Gebiet ab. Dabei bildeten sie eine Kette und durchforsteten den Wald sektorenweise. Nach jedem Fund wurde der Einsatzleiter informiert. Dieser sperrte den Fundort ab, zog eine Schutzausrüstung an, beprobte den Kadaver, desinfizierte die Fundstelle und barg den Kadaver. Innert drei Stunden wurde so eine Fläche von rund 18 Hektaren abgesucht. Sieben Kadaver und Präparate wurden für die Übung versteckt, nur einer blieb unentdeckt.

Bei der Suche halfen auch Tiere mit. Zwei ausgebildete Labrador-Hunde wurden eingesetzt. Sie konnten die Präparate aufspüren und dem Hundeführer den Fund melden. Am Ende der Übung wurde dann noch die Entsorgung durchgespielt. Die Kadaver wurden bei der Kontrollstelle angeliefert, wo sie von einem Amtstierarzt entgegengenommen und in einem Container entsorgt wurden. Schlussendlich landeten die Kadaver zur Verbrennung in Bazenheid.

Hochansteckender Virus

Bisher ist in der Schweiz kein Fall von der Afrikanischen Schweinepest bekannt, jedoch in anderen Ländern Europas, weswegen auch die Schweizer Behörden alarmiert sind. Adrian Fäh, Leiter der Abteilung Tiergesundheit beim Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen, sagt: «Die Afrikanische Schweinepest gehört zu den am meisten gefürchteten Tierseuchen. Sie ist hochansteckend und hat eine fast 100 prozentige Sterblichkeitsrate. Das kann für die Schweizer Nutzschweine extrem gefährlich werden.» Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich, selbst beim direkten Verzehr von verseuchtem Fleisch kommt es nicht zu einer Ansteckung.

Den St. Galler Behörden hat die Übung aufgezeigt, dass die Bekämpfungsmassnahmen der Afrikanischen Schweinepest noch Optimierungspotential haben. So sollten bei der Suche nach Kadavern vermehrt technische Hilfsmittel eingesetzt werden und es seien weitere Material-Anschaffungen nötig. Zudem lautet ein Schluss: «Der parallele Einsatz von Suchhunden kann je nach Gelände, Witterungsverhältnis, Vegetation und Jahreszeit sinnvoll sein.» Nicht unterschätzt werden dürfe der enorme personelle sowie zeitliche Aufwand für das Suchen von toten Wildschweinen. Abschliessend heisst es: «Im Ernstfall wird es nötig sein, in erster Linie risikoorientiert in den bekannten Wildschweineinständen zu suchen.»

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22 (bei Notfällen)

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Schweizer Tierschutz (anonym möglich)

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