Schachtjor Donezk - Werder Bremen: Uefa-Cup-Derniere in Istanbul
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Schachtjor Donezk - Werder BremenUefa-Cup-Derniere in Istanbul

Werder Bremen kann mit dem ersten von zwei möglichen Titeln innerhalb von zehn Tagen eine beispiellose Saison doch noch versöhnlich abschliessen. Im Uefa-Cup-Final treffen die Norddeutschen im Sükrü-Saracoglu-Stadion in Istanbul auf Schachtjor Donezk.

Am Mittwochabend geht es für Werder im 38. und letzten Endspiel um den Uefa-Cup um internationale Ehren, am Pfingstsamstag schliesst der hinter den Erwartungen zurückgebliebene Bundesligist das Pensum mit dem nationalen Cupfinal gegen Bayer Leverkusen ab. Ein Sieg gegen den erstmaligen Finalisten Schachtjor Donezk würde die verpasste Qualifikation für die Champions und die Europa League (Rang 10) in den Hintergrund drängen. «Ein internationaler Titel wäre eine tolle Entschädigung. Aber wir dürfen Donezk nicht unterschätzen. Wer es bis ins Endspiel schafft, der kann ganz bestimmt Fussball spielen», sagte Goalie Tim Wiese.

«Haben nur Flugtickets in der Hand»

Aufkommende Euphorie erstickte Trainer Thomas Schaaf sogleich im Keim. «Bisher haben wir noch nichts in der Hand, nur die Flugtickets nach Istanbul», sagte der kauzige Erfolgscoach am Montag. Schaaf gehörte 1992 als Einwechselspieler zu jener Equipe, die unter Otto Rehhagel den Cup der Cupsieger gewann und Werder Bremen damit den einzigen Europacup-Sieg bescherte. Beim 2:0-Sieg in Lissabon gegen die AS Monaco waren der heutige Werder-Manager Klaus Allofs und der ehemalige GC-Stürmer Wynton Rufer die Torschützen.

Für die Finaledition 2009 dürfte Schaaf ein leicht mulmiges Gefühl beschleichen. Mit dem wechselwilligen Spielmacher Diego (6 Tore in 8 Uefa-Cup-Partien) und Hugo Almeida fehlen zwei Drittel der offensiven «Latino-Fraktion» wegen Gelbsperren, dazu ist Innenverteidiger Per Mertesacker verletzt. Diegos Schlüsselrolle im Sükrü-Saracoglu-Stadion soll wie auch in der kommenden Saison der deutsche Internationale Mesut Özil übernehmen. Für den gebürtigen Türken geht ein Traum in Erfüllung. «Ich bin Fenerbahçe-Fan und wollte schon immer einmal in diesem Stadion spielen.» Für Almeida wird wohl der Schwede Marcus Rosenberg spielen, dessen Trefferquote Anfang Saison wesentlich höher war als in den letzten Partien. «Ich habe mir meine Tore für den Uefa-Cup-Final aufgespart», meinte der Schwede trotzig.

Mega-Siegesprämie für Schachtjor-Spieler

Schachtjor Donezk hat unter Trainer Mircea Lucescu in drei Begegnungen noch nie gegen einen deutschen Klub verloren und in den acht Uefa-Cup-Partien der Saison nur fünf Gegentore kassiert. Diese Bilanz soll sich auch mit dem Final nicht ändern. «Wir werden Geschichte schreiben», prophezeite Lucescu. Nach den UEFA-Cup-Siegen von ZSKA Moskau 2005 und Zenit St. Petersburg 2008 will der ukrainische Meisterschaftszweite mit Hilfe von 10 000 mitgereisten Fans und einer in Aussicht gestellten Erfolgsprämie von 400 000 Euro (!) pro Spieler den Aufschwung des osteuropäischen Fussballs fortsetzen.

Der erste Europacup-Finalist aus der Ukraine seit der Zersplittung der Sowjetunion vor 19 Jahren lebt von den finanziell offensichtlich unbegrenzen Möglichkeiten des milliardenschweren Harvard-Absolventen Rinat Achmetow, der seit 1996 auch Klubchef ist. 500 Millionen Euro soll der Sohn eines Bergmanns in den Verein aus der rauen Industriestadt gepumpt haben. Trainer Lucescu hat(te) bei seinen Transfers freie Hand; der Erfolg gab dem Rumänen Recht. Seit 2004 holte Schachtjor drei Mal den Titel und gewann zwei Mal den Cup. Nur internationale Meriten blieben bislang aus.

Nun soll mit Fernandinho, Jadson, Ilsinho oder Luiz Adriano, die zehn der zwölf Schachtjor-Tore im Uefa-Cup erzielt haben, die «Brasil-Connection» die bislang erfolgreichste Europacup-Saison der Ukraine krönen. Von der Treffsicherheit der Südamerikaner kann der FC Basel ein Lied singen. Bei den Niederlagen in der Gruppenphase der Champions League (1:2 und 0:5) trafen für Schachtjor Jadson (4), Fernandinho und Willian (je 1).

Letzter Uefa-Cup-Final

Mit dem Final in Istanbul geht die Ära des Uefa-Cups zu Ende. Der Wettbewerb wurde in der Saison 1971/72 als Nachfolger des 1957/58 eingeführten Messestädte-Cups lanciert, ab dem kommenden Spieljahr wird er von der Europa League abgelöst. Ab Sommer sind vier Qualifikationsrunden zu überstehen, um in die Gruppenphase zu gelangen. Dort treten 48 Mannschaften in zwölf Gruppen zu je vier Teams in Hin- und Rückspiel gegeneinander an. Die Gruppensieger und Zweitplatzierten qualifizieren sich für die K.o.-Runde, in der auch die acht Gruppendritten aus der Champions League einsteigen.

Uefa-Cup-Final 2009: Schachtjor Donezk - Werder Bremen. - Sükrü Saracoglu, Istanbul. - SR Medina Cantajelo (Sp). - Mittwoch, 20. Mai, 20.45 Uhr. (si)

Der Weg der Finalisten

Schachtjor Donezk:

Champions League. Qualifikation. 3. Runde: 2:0 (h) und 3:1 (a) gegen Dinamo Zagreb. - Gruppenphase: 2:1 (a) und 5:0 (h) gegen den FC Basel. 1:2 (a) und 3:2 (h) gegen den FC Barcelona. 0:1 (h) und 0:1 (a) gegen Sporting Lissabon. - UEFA-Cup. 1/16-Final: 2:0 (h) und 1:1 (a) gegen Tottenham Hotspur. - Achtelfinal: 0:1 (a) und 2:0 (h) gegen ZSKA Moskau. - Viertelfinal: 2:0 (h) und 2:1 (a) gegen Marseille. - Halbfinal: 1:1 (a) und 2:1 (h) gegen Dynamo Kiew.

Werder Bremen:

Champions League. Gruppenphase: 0:0 (h) und 2:2 (a) gegen Anorthosis Famagusta. 1:1 (a) und 2:1 (h) gegen Inter Mailand. 2:2 (a) und 0:3 (h) gegen Panathinaikos Athen. - UEFA-Cup. 1/16-Final: 1:1 (h) und 2:2 (a) gegen Milan. - Achtelfinal: 1:0 (h) und 2:2 (a) gegen St-Etienne. - Viertelfinal: 3:1 (h) und 3:3 (a) gegen Udinese. - Halbfinal: 0:1 (h) und 3:2 (a) gegen den Hamburger SV.

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