«UEFA-Gebühren sind eine Sauerei»
Aktualisiert

«UEFA-Gebühren sind eine Sauerei»

Die Pläne des europäischen Fussballverbands UEFA mit Gebühren für TV-Übertragungen in Beizen noch mehr mehr Geld aus der Euro 08 herauszupressen, haben empörte Reaktionen bei Branchenvertretern ausgelöst.

Die Pläne der UEFA, für Public-Viewing in Restaurants und Bars pro TV-Gerät Gebühren zu verlangen, kommen für Ernst Bachmann, Präsident des Wirteverbands GastroZürich nicht überraschend. «Ich habe schon länger davon gewarnt, dass wir an der EM keinen einzigen Match schauen können ohne separat zahlen zu müssen», erklärte Bachmann gegenüber Radio 24. Er hält von der Idee gar nichts: «Ich finde es eine Sauerei». Der Wirteverband wird denn auch überprüfen lassen, ob die UEFA überhapt berechtigt ist, solche Gebühren zu erheben.

Der UEFA-Plan

Was die FIFA an der WM 2006 noch gratis erlaubte, soll nach dem Willen der UEFA an der Fussball-Europameisterschaft 2008 kosten: Der gemeinschaftliche Fussballkonsum in einer Bar oder einem Restaurant. Die Gastrobetriebe sollen eine Abgabe für öffentliche Spielübertragungen entrichten, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Das heisst, zusätzlich zu den ordentlichen Billag-Gebühren muss ein Wirt oder ein Veranstalter eines sogenannnten Public-Viewings noch einmal in die Tasche greifen. Und zwar egal, ob Eintritt verlangt wird oder nur Speisen und Getränke verkauft werden. Auch spielt es keine Rolle, ob für die EM extra Fernsehgeräte aufgestellt werden, oder ob einfach wie üblich das TV-Gerät im Lokal angeschaltet wird. Ausnahmen sollen nur gewährt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Erlös eines Public-Viewings für einen wohltätigen Zweck gespendet oder gar kein Gewinn gemacht wird.

Die UEFA will für das Turnier pro normalen TV 75 Franken verlangen, für grössere Geräte das doppelte. Richtig teuer wird es bei Grossleinwänden, die nach Quadratmeter abgerechnet werden. Dort sind 15 Franken pro Quadratmeter und pro Spiel fällig. Public-Viewing-Bildschirme von 35 bis 45 Quadratmetern Fläche, wie sie zur WM 2006 zum Beispiel in Freibädern aufgestellt wurden, kosten so über 10 000 Franken für alle Spiele. Diese Gebühr musste allerdings von Public-Viewing-Veranstaltern zum Teil schon zur WM 2006 abgeliefert werden.

Diese neuen Gebührenregeln gilt nicht nur für die Schweiz, sondern generell, bestätigte eine UEFA-Sprecherin gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Somit dürfte sich ein wahrer Geldsegen über den mächtigen europäischen Verband ergiessen. Noch ist allerdings nicht bekannt, wie die UEFA die neue Regel durchsetzen will.

Die neue Regelung trifft besonders die kleinen Veranstalter von Fussballbars, die das Public-Viewing in der Schweiz sozusagen erfunden haben und meist seit langen Jahren nicht gewinnorientiert arbeiten. für sie wird es schwierig sein, die UEFA-Kontrolleure davon zu überzeugen, dass sie des Sportes und nicht des Geldes wegen den Fussball zelebrieren. Und schliesslich hat ja auch der neue UEFA-Boss Michel Platini nach seiner umstrittenen Wahl betont, dass sich der Verband unter ihm wieder mehr auf den Fussball und weniger auf das Geldverdienen konzentrieren werde: «Fussball ist ein Spiel, kein Produkt, ist Sport, kein Markt, zunächst ein Spektakel und kein Geschäft.»

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