Aktualisiert 10.08.2016 13:07

Champions LeagueUefa-Pläne schocken die Schweiz

Die Uefa verhandelt mit den europäischen Clubs über eine Reform der Champions League. Auf Kosten der «kleinen» Ligen und Clubs.

von
ete
1 / 6
Die Uefa macht sich zusammen mit den Vereinen Gedanken über Reformen in der Königsklasse. Von diesen würden Clubs profitieren, die zurzeit in der heimischen Liga nicht wirklich mitmischen können. In Italien wäre dies zum Beispiel die AC Milan.

Die Uefa macht sich zusammen mit den Vereinen Gedanken über Reformen in der Königsklasse. Von diesen würden Clubs profitieren, die zurzeit in der heimischen Liga nicht wirklich mitmischen können. In Italien wäre dies zum Beispiel die AC Milan.

Keystone/Luca Zennaro
In England dürften sich nach der abgelaufenen Saison unter anderen Liverpool oder auch Manchester United angesprochen fühlen.

In England dürften sich nach der abgelaufenen Saison unter anderen Liverpool oder auch Manchester United angesprochen fühlen.

Keystone/Paul Harding
Ein weiterer Vertreter unserer südlichen Nachbarn wäre Inter Mailand. In der Serie A könnte derzeit nach den Überlegungen auch ein vierter Teilnehmer gestellt werden.

Ein weiterer Vertreter unserer südlichen Nachbarn wäre Inter Mailand. In der Serie A könnte derzeit nach den Überlegungen auch ein vierter Teilnehmer gestellt werden.

Keystone/Jacob Kupferman

Die Champions League ist der bedeutendste und lukrativste Club-Wettbewerb im europäischen Fussball. Die Königsklasse boomt wie nie. Und dennoch brütet der europäische Fussball-Verband Uefa mit den Grossclubs über Änderungen, wie die «Gazzetta dello Sport» berichtet. Die Reform soll schon in der Saison 2018/19 greifen und sie dürfte nachteilige Folgen für die Schweizer Clubs haben.

Zwar bleibt die Teilnehmerzahl mit 32 Teams in acht Gruppen bestehen. Aber die Vergabe der Plätze in der Gruppenphase soll neu geregelt werden. Profitieren würden schwächelnde Traditionsclubs wie die AC Milan, Liverpool oder Manchester United. In den Plänen der Uefa würden nicht nur die drei in der Uefa-Fünf-Jahreswertung topplatzierten Nationen (aktuell Spanien, Deutschland und England) je vier Teilnehmer in der Gruppenphase stellen, sondern auch der Viertplatzierte (derzeit Italien). Heute stehen die drei Erstplatzierten der drei Topnationen direkt in der Gruppenphase, der Meisterschaftsvierte muss sich über den sogenannten «Non-Champions-Way» qualifizieren – wie in einem aktuellen Beispiel Borussia Mönchengladbach gegen die Berner Young Boys.

Historie soll über den vierten Startplatz entscheiden

Mit Annahme der Reform soll der vierte Startplatz in Zukunft über eine «historische Rangliste» vergeben werden, die extra dafür erstellt werden soll. Parameter für dieses Ranking sollen zum Beispiel unter anderen die Anzahl gewonnener Titel sein, aber auch Europacup-Resultate vergangener Jahre. Also vergangene Erfolge, für die man sich bislang nichts kaufen konnte.

Tradition über Ligaerfolg

Das Ziel dieser Reform ist klar: Traditionsclubs wie Inter Mailand, AC Milan, Manchester United und derzeit auch Liverpool soll so eine Tür in die Königsklasse geöffnet werden, unabhängig von ihrer jeweiligen Ligaplatzierung. Eine weitere Änderung bei der Auslosung soll zudem ein frühes Favoritensterben vermeiden, indem «Grosse» im Wettbewerb später aufeinandertreffen sollen.

Das alles geht auf die Kosten der kleineren Ligen: Ihre Chancen auf einen Platz in der Gruppenphase würden verringert, verbunden mit einer zusätzlichen Benachteiligung bei der Auslosung. Bis anhin erhält der Zwölfte der Fünf-Jahres-Wertung den letzten Gruppenplatz, aktuell ist das die Türkei mit Meister Besiktas. Die Schweiz belegt in diesem Ranking den elften Platz. Im Falle einer Annahme wäre dies der letzte Platz, der die direkte Qualifikation im 32er-Feld garantierte. Der «Non-Champions-Way» für Vizemeister YB würde im besten Fall viel steiniger.

Kompromiss über Kompromiss

Die Reform ist als Zugeständnis gedacht gegenüber den grossen Vereinen, die seit Jahren laut über eine «Superliga» nachdenken, einen mehr oder weniger geschlossenen Wettbewerb der europäischen Grossmächte. Und sie bietet der Uefa die Chance, den Umsatz weiter zu steigern, ohne das bislang erfolgreiche Format umkrempeln zu müssen. Schliesslich spielt die Premier League derzeit rund 3,2 Milliarden Euro an TV-Geld ein, die Champions League «nur» 2,7 Milliarden.

Die Reform des ehemaligen und für Jahre gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini wäre damit ad acta gelegt. Der Modus von Platini hat die kleineren Verbände gestärkt und ihnen die Chance eröffnet, im Kreis der Grossen mitzumachen. Diese rund 50 Clubs müssten im neuen System in diversen Qualirunden maximal fünf, sechs Plätze unter sich ausmachen.

Nach aktuellem Stand des Fünf-Jahres-Rankings haben Frankreich, Russland und Portugal je zwei Fixplätze. Holland, Belgien, die Türkei, die Ukraine und die Schweiz je einen – errungen haben sie ihn nach sportlichen Kriterien, die in der Gegenwart liegen und nicht in einer fernen, aber glänzenden Vergangenheit.

Am 14. September wird ein neuer Uefa-Präsident gewählt. Danach sollen die Verhandlungen intensiviert werden.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.