Vor dem Kantonsgericht: Uefa-Vertreter widersprechen sich
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Vor dem KantonsgerichtUefa-Vertreter widersprechen sich

Uefa-Präsident Michel Platini und Generalsekretär Gianni Infantino mussten am Mittwoch vor dem Waadtländer Kantonsgericht im Fall Sion aussagen. Laut Christian Constantin waren sich die beiden nicht einig.

von
mon
Uefa-Präsident Michel Platini verlässt das Kantonsgericht in Lausanne.

Uefa-Präsident Michel Platini verlässt das Kantonsgericht in Lausanne.

Im Streit zwischen dem europäischen Fussballverband und dem FC Sion mussten am Mittwoch Uefa-Präsident Michel Platini und Generalsekretär Gianni Infantino vor dem Waadtländer Kantonsgericht antraben. Sion-Präsident Christian Constantin hatte gegen die beiden Ende September Strafanzeige eingereicht. Laut dem Walliser Vereinspräsidenten, der die Anhörung der Uefa-Funktionäre aus nächster Nähe verfolgte, widersprachen sich Platini und Infatino bei der Befragung.

«Michel Platini gab an, dass er die Ratschläge des Generalsekretärs befolgt habe», so Constantin gegenüber der Nachrichtenagentur «AFP». «Für diesen stehe das Recht der Uefa über demjenigen des Staates.» Generalsekretär Infantino hingegen sagte offenbar aus, er habe Platini geraten, «die Entscheidung des Kantonsgerichts zu befolgen». Dies ist zumindest die Aussage des Sion-Bosses.

Keine öffentliches Statement von Platini

Die beiden Uefa-Funktionäre wurden am Mittwochmorgen vor dem Kantonsgericht Waadt in Lausanne befragt. Die Staatsanwaltschaft wollte unter anderem wissen, warum sich die UEFA weigere, den FC Sion trotz zivilgerichtlicher Anweisung zum Europacup zuzulassen. Präsident Michel Platini verliess das Amtsgebäude gegen 11 Uhr morgens, nachdem er rund zwei Stunden lang Red und Antwort stehen musste. Zu den wartenden Medienvertretern sprach er kein Wort, lächelte nur gut gelaunt in die Kamera. Uefa-Kommunikationschef Alexandre Fourtoy erklärte stattdessen, Platini sei «sehr erfreut, dass er die Fragen von Staatwanwalt Eric Cottier beantworten konnte». Über die Inhalte der nichtöffentlichen Anhörung schwieg er sich allerdings aus. Es sei wichtig, «dass die Ziviljustiz und die Sportjustiz ihre Arbeit tun kann», so Fourtoy weiter. Ausserdem wies der Kommunikationschef darauf hin, dass Uefa-Präsident Platini in der Sache lediglich als Zeuge befragt worden sei.

Sion-Präsident Christian Constantin wurde am Nachmittag in der Sache ebenfalls noch vom Staatsanwalt angehört. Was er aussagte, ist nicht bekannt.

Sion spielt am Donnerstag nicht gegen Stade Rennes

Auf der UEFA-Homepage wurde am Dienstagabend bekanntgegeben, dass der europäische Verband darüber informiert worden sei, dass das Kantonsgericht alle vom FC Sion gegen die UEFA gerichteten Vollstreckungsmassnahmen abgelehnt habe. Das betraf insbesondere das Ziel, die Walliser am Donnerstag gegen Stade Rennes antreten zu lassen. Zudem muss die UEFA dem FC Sion auch nicht für jeden Tag, an dem die Anweisung nicht ausgeführt wird, 1000 Franken Schadenersatz zahlen.

Die UEFA wurde ausserdem laut eigenen Angaben vom internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne davon in Kenntnis gesetzt, dass Udinese, Celtic Glasgow, Atlético Madrid und Rennes einen Antrag eingereicht haben, als Parteien am Schlichtungsverfahren zwischen der UEFA und dem FC Sion teilnehmen zu dürfen. Die vier Vereine hätten klar zum Ausdruck gebracht, dass jede Änderung am aktuellen Stand der Gruppe I sie signifikant betreffen würde.

Für die UEFA ist klar, dass alle Änderungen am Format der Europa League mit den vier anderen in dieser Sache betroffenen Klubs dieser Gruppe besprochen werden müssen. Sie hat deswegen für Freitag ein Treffen mit den vier beteiligten Clubs organisiert, um die verschiedenen Szenarien einer Reintegration der Walliser in die Gruppe I zu diskutieren, sollte der FC Sion vor dem CAS recht bekommen. (mon/si)

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