Alt und teuer: Ueli Maurer schafft die Patrouille Suisse ab
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Alt und teuerUeli Maurer schafft die Patrouille Suisse ab

Sie ist das Aushängeschild der Schweizer Armee schlechthin: Die Patrouille Suisse. Doch nun soll ihr Grounding kommen - Ueli Maurer will die Kunstflugstaffel offenbar abschaffen. Gut findet das fast keiner.

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hal

Quasi nebenbei hat Bundesrat Ueli Maurer am Dienstag das Aus für die Patrouille Suisse angekündigt. Auf eine Frage in der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats habe er gesagt, dass es die beliebte Kunstflugstaffel ab 2016 nicht mehr geben solle, schreibt die «Basler Zeitung». «Um Folklore zu machen, haben wir künftig keine Flugzeuge mehr», so seine Aussage. Grund ist das fortgeschrittene Alter der Tiger F-5: Die Jets werden ab 2016 ausgemustert und durch erste Typen des Gripen ersetzt. Hinzu kommt der Spardruck der Armee, die einen Ersatz der Tiger nicht erlaubt.

Mit seinen Plänen, hinter denen auch Armeechef André Blattmann stehen soll, manövriert sich Maurer in die Defensive: Die Präsidenten von CVP, BDP und FDP äussern sich im Bericht enttäuscht bis wütend. Gemäss CVP-Chef Christophe Darbellay schadet der Bundesrat damit seiner heiss geliebten besten Armee der Welt: «Maurer muss aufhören, alles Sympathische der Armee infrage zu stellen.»

Shows mit Gripen oder F/A-18

Völlig überraschend kommt Maurers Ankündigung indes nicht: Seit die Schweiz über den Gripen spricht, wird über ein Ende der Patrouille Suisse spekuliert. Markus Gygax, der scheidende Chef der Schweizer Luftwaffe, hat Anfang Dezember bereits einen Rettungsplan für die Kunstflugstaffel präsentiert. Die Schweiz benötige die Staffel, weil «wir die Armee immer wieder dem Volk präsentieren müssen», sagte er damals der «NZZ am Sonntag».

Seine Lösungsvorschläge: Eine gemeinsame Gripen-Staffel mit der schwedischen Luftwaffe, die Tiger-Jets länger betreiben oder eine Staffel aus F/A-18-Maschinen. Auch Ueli Maurer stellte am Dienstag in Aussicht, es könne künftig einzelne Flugshows mit dem ­Gripen oder dem F/A-18 geben. Auch das VBS hält letzteres für durchaus denkbar.

La Patrouille Suisse en action

Es präzisierte am Mittwoch aber, dass über die Zukunft Patrouille Suisse noch nichts entschieden sei. Solange der geplante Kauf der 22 Gripen-Kampfjets nicht definitiv sei, lasse sich nicht sagen, wann die F-5-Tiger ausgemustert werden. Einen Teil der Tiger nur für die Kunstflugstaffel weiter zu betreiben, komme wegen «zu hoher Betriebskosten» aber nicht in Frage.

Hunderttausende Zuschauer beim ersten Flug

Gegründet wurde die Staffel im Expo-Jahr 1964. Schon 1959 erhielt das Überwachungsgeschwader den Auftrag, eine Doppelpatrouille mit vier Hunter-Maschinen für Demonstrationszwecke zu trainieren. Hunderttausende soll die Flugformation mit ihren Demonstrationen im Jahr der Gründung begeistert haben.

1978 zeigten die Kunstflieger ihr Können zum ersten Mal im Ausland. Anlass war eine Einladung der Patrouille de France nach Frankreich. Erst 1991 - Anlass waren die 700-Jahr-Feiern der Eidgenossenschaft - wurden die Flügel-Unterseiten der Hunter-Maschinen in den Landesfarben bemalt.

Melkstuhl und Fonduegabel

Mitte der neunziger Jahre wechselte das Team vom Hunter zum schnelleren und wendigeren Einsitzer Tiger F-5. Seit 1996 können die rot-weissen Jets dank einer integrierten Rauchanlage auf ihren Flügen einen noch grösseren Showeffekt erzielen.

Ihre Heimatbasis hat die Patrouille Suisse in Emmen LU. Insgesamt 20 Figuren mit Namen wie «Melkstuhl» oder «Fonduegabel» beherrschen die Piloten der sechs Kampfjets.

Viel Schall und Rauch: Die Patrouille Suisse 2009 auf der Axalp.

Quelle: Youtube/spz2000

Wie es ist, bei der Patrouille Suisse im Cockpit mitzufliegen, zeigt dieser Film von 2012 von einer Show mit einem A320.

Quelle: Youtube/Flyedelweiss (hal/sda)

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